Auf den ersten Blick sind die deutschen Seehäfen im Norden des Landes weit weg von Bamberg und es gibt kaum sichtliche Schnittpunkte. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, wie IHK-Präsident Heribert Trunk im Beisein von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der maritimen Roadshow betonte, dass Oberfranken nicht nur mit 16 000 Beschäftigten ein Logistik-Standort schlechthin sei, sondern auch eine hohe Exportquote habe. Lag diese in Oberfranken vor der Wiedervereinigung noch bei unter 20 Prozent, liegt sie inzwischen bei 50 Prozent. Bis zum Jahr 2030 sollen aus Oberfranken jährlich Güter mit einem Wert von 12,1 Milliarden Euro über die deutschen Seehäfen in die weite Welt gehen. Auch der Bamberger Hafen hat hierbei an Bedeutung gewonnen. Laut Trunk verzeichnete beispielsweise der kombinierte Verkehr einen Zuwachs von 14 591 auf 22 233 Containereinheiten.
Um eine reibungslose Verschiffung zu gewährleisten sind die Verkehrsverbindungen zu den Schiffshäfen von Bedeutung. "Eine wichtige Rolle spielt die Bahn. Mit ihr werden bis zum Jahr 2030 844 000 Tonnen transportiert. Im Vergleich dazu: Per Lkw sind es bis dahin 612 000 Tonnen", erläuterte Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. Der binnenländische Schiffverkehr spiele bei der Gütertransportierung jedoch keine Rolle.
Allerdings gibt es gerade beim Transport zu den Seehäfen durchaus noch Verbesserungsbedarf. So schilderte Georg Wörner, Geschäftsführer der Kaiserdom Brauerei, die seit 1978 ihr in Bamberg gebrautes Bier in die Welt hinaus exportiert, dass er aktuell für einen Container vom Hamburger Hafen nach Shanghai rund 1700 Euro Frachtkosten bezahlen müsse. "Und allein der Transport des Containers von Bamberg nach Hamburg kostet mein Unternehmen um die 1000 Euro. Damit haben küstennahe Unternehmen einen deutlichen Wettbewerbsvorteil", berichtete der Brauereichef. Wörner würde liebend gern viel mehr Container vom Bamberger Hafen aus auf die Reise schicken, wäre da nicht das Problem der Leercontainer. Soll heißen, die Reedereien halten bis jetzt in Bamberg noch keine Leercontainer vor. Die müssen vorher erst in einem der Depots in Nürnberg oder Regensburg geholt werden, was wiederum zusätzliche Zeit und Geld kostet.


Ausbau der Infrastruktur

Zwar sah Innenminister Herrmann die deutsche Infrastruktur im internationalen Vergleich als eine der besten an, er gestand aber auch, dass es nicht sein könne, dass die Bahnstrecke nur bis Hof elektrifiziert sei. "Dies ist mehr als vorsintflutlich und muss schleunigst geändert werden", betonte er. Zumal auch die Bahn gerne die Achse Hamburg-Berlin-Leipzig-Hof-Regensburg für den Güterverkehr nutzen möchte.
Der Innenminister unterstrich aber auch, dass keine andere Bundesregierung wie die der großen Koalition in den letzten Jahrzehnten derartig viel Geld in den Ausbau der Infrastruktur gesteckt habe - und zwar in Schienen und Straßennetze.