von unserem Mitarbeiter  Harald Rieger

Bamberg — Eigentlich ist Bamberg ja die Bierstadt schlechthin. Davon merkte die amtierende fränkische Weinkönigin Kristin Langmann in den vergangenen Tagen allerdings reichlich wenig. So eröffnete sie gestern zusammen mit Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD) das sechste Weinfest am Maxplatz. Und tags zuvor war sie bei der traditionellen Weinverkostung im Hause Messerschmitt zu Gast. "Kristin Langmann ist inzwischen die 59. Weinkönigin, die uns anlässlich unserer jährlich stattfindenden Weinverkostung besucht", erläuterte die Hausherrin Ursula Medenwald.
Eine noch viel längere Tradition hingegen habe der Wein im Hause Messerschmitt. Denn die Vorfahren der Hausherrin waren Rangschiffer und brachten bereits im 18. Jahrhundert sehr gerne Weine mit nach Hause gebracht. Sonntags wurde bei ihnen immer groß aufgekocht und dazu gab es meistens Wein. "So sind diese nicht nur auf den Geschmack gekommen, sondern meine Vorfahren haben dann später auch selbst Wein in Oppenheim angebaut, welchen sie im Keller des Romantikhotels verarbeitet und in Flaschen füllten", berichtet Medenwald.
Auch wenn heute in der Stadt sicherlich mehr das Bier dominiert, im Hotel Messerschmitt steht der Wein nach wie vor an erster Stelle. Im Weinkeller lagern weit über 150 verschiedene Sorten. Der Schwerpunkt dabei liegt laut Medenwald auf fränkischen Weinen. Hinzu gesellen sich einige Flaschen aus Spanien und Italien. Andere deutsche Weine allerdings befinden sich nicht im Gewölbekeller, in denen noch heute viele historische Arbeitsgeräte, Schilder, Bilder und Weinfässer an die Zeit des ehemaligen Weinhauses erinnern.

Wein liegt im Trend

Aber nicht nur im Romantikhotel spielt der Wein eine große Rolle, auch in Bamberg kommt er immer mehr zu Geltung. "Die Initialzündung für seine zunehmende Bedeutung liegt sicherlich auch in der Schaffung des Weinanbaus am Michelsberg", schildert Tourismuschef Andreas Christel. Er mache den Wein in Bamberg wieder greifbar, erlebbar und vor allem genießbar. Allerdings betonte Christel, dass in der Domstadt nach wie vor das Bier im Mittelpunkt stünde. Trotzdem hätte auch der Wein seine nette kleine Nische gefunden - was zahlreiche Weinfeste wie aktuell am Maxplatz, im Innenhof des Rathauses Geyerswörth oder am Michelsberg unterstreichen würden.
Und was trinkt der Bamberger lieber? Bier oder Wein? Ganz diplomatisch urteilte beispielsweise Landrat Johann Kalb (CSU): "Zu jeder Gelegenheit das passende Getränk. Wir können uns doch nur glücklich schätzen, dass wir in einer Region leben, in der wir Spitzenbiere, aber auch herausragende Weine zur Auswahl haben." Denn obwohl der Frankenwein gerade einmal sechs Prozent vom gesamten Anbaugebiet in Deutschland einnimmt, ist er in Sachen Qualität doch ganz vorne mit dabei. Dies betonte auch Artur Steinmann vom fränkischen Weinbauverband. "In London wurden letztes Jahr insgesamt 17 deutsche Weine prämiert. Zwölf davon waren Frankenweine", schilderte er.
Von der Qualität des Frankenweins kann man sich derzeit am Maxplatz selbst überzeugen. Noch bis zum 25. Mai dauert das Weinfest. Ausgeschenkt werden neben dem Bamberger Wein ausschließlich fränkische Weine.