Noch darf es nicht kommen. Aber schon in drei Jahren werden die Hallstadter selbst bei einem Jahrhunderthochwasser relativ entspannt auf den Main blicken können. Mit dem am 1. August überreichten Planfeststellungsbescheid hat das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Kronach nun das Baurecht zur Ertüchtigung der zuletzt in den 1970er Jahren verstärkten Deiche bekommen.
"Wir haben lange gewartet, und manchmal sind wir auch ungeduldig gewesen", sagt Bürgermeister Thomas Söder (CSU) angesichts dessen, dass man den Planfeststellungsantrag bereits im Februar 2015 eingereicht hat - und in Erinnerung daran, dass das Verfahren zur Verbesserung des Hochwasserschutzes schon vor zehn Jahren von seinem Vorvorgänger Erwin Braun (SPD) angestoßen worden war.
Gut acht Millionen Euro wird das Vorhaben kosten, die je zur Hälfte der Freistaat Bayern und die Stadt Hallstadt aufzubringen haben. Der dazu notwendigen Vereinbarung muss der Hallstadter Stadtrat noch zustimmen, was voraussichtlich in der Septembersitzung geschehen wird. Inhaltlich sei alles gut vorbesprochen worden, sagt Söder. Durch Eigenleistungen - etwa beim Grunderwerb oder durch die Übernahme von Unterhaltspflichten - kann die Stadt ihren Kostenanteil reduzieren, muss also nicht vier Millionen in bar aus dem Stadtsäckel entnehmen.


3600 Einwohner gefährdet

In Anbetracht eines Schadenspotenzials von 75 Millionen Euro erscheinen diese Summen gering. Betroffen wären bei einem Jahrhunderthochwasser beim derzeitigen Stand rund 3600 Einwohner von Hallstadt und Dörfleins sowie 200 Arbeitsplätze.
Noch vor drei Jahren war die mögliche Schadenssumme auf 30 bis 50 Millionen Euro beziffert worden. Schon das reichte aus, um die Stadt beim Hochwasserschutz in die Prioritätenliste aufzunehmen. Inzwischen haben die Versicherer offenbar noch einmal neue Berechnungen angestellt.
Die bestehenden Dämme in Hallstadt wurden nach dem verheerenden Weihnachtshochwasser von 1967 errichtet. Schon damals galt als Maßstab ein Hochwasser, wie es sich statistisch alle 100 Jahre einmal ereignet. Der Großteil der Hallstadter Dämme würde einem solchen Ereignis zwar noch standhalten, stellt Hans-Joachim Rost, der zuständige Abteilungsleiter im WWA Kronach fest. Doch die Kriterien der Wasserwirtschaftsämter haben sich aufgrund der in den letzten Jahrzehnten infolge des Klimawandels immer häufiger auftretenden großen Hochwasserereignisse geändert.
Inzwischen wird zum 100-jährlichen Hochwasser ein 15-prozentiger Klimaaufschlag hinzugerechnet. Doch damit soll noch nicht die Oberkante der Schutzeinrichtungen erreicht werden. Zusätzlich wird ein sogenannter Freibord eingeplant, der bei Deichen 70 und bei Spundwänden und Schutzmauern 50 Zentimeter über dem angenommenen Hochwasserpegel liegt.
Nach diesen Vorgaben müssen laut Rost in Hallstadt die Deiche auf knapp vier Kilometer Länge aufgerüstet werden. Hinzu kommen einige niedrigere neue Dämme am Sportplatz in Dörfleins, der künftig ebenfalls hochwasserfrei bleiben soll.
Probleme bereitete zuletzt auch häufiger der Gründleinsbach. Vor allem, wenn bei einem gleichzeitigen Mainhochwasser ein Rückstau eintritt, könnten Teile Hallstadts sozusagen durch die Hintertür überflutet werden.
Eine Flutmulde soll deshalb künftig einen Teil des Wassers in den Leitenbach abfließen lassen, der auf freiem Feld zwischen Hallstadt und Kemmern in den Main mündet. Dadurch können die Mauern am Gründleinsbach niedriger bleiben als ursprünglich geplant - ein Vorteil für das Stadtbild.
Damit ein Hochwasser schneller abfließen kann, wird auch das Nadelöhr an der Achterbrücke im Süden von Hallstadt aufgeweitet. Eine Schneise durch den dortigen Auwald soll verhindern, dass querliegende Bäume den Abfluss blockieren. Auch am Säugriessee wird der Abfluss verbessert. Wie Rost betont, werden hierfür durch Ausgleichsmaßnahmen neue hochwertige Lebensräume für Tiere, insbesondere einheimische Fischarten und Pflanzen, geschaffen.


Sicherheit vor Städtebau

Eine Renaturierung des Mains durch Aufweitungen auf Dörfleinser Seite könne es aber leider nicht geben. Auch auf andere früher geäußerte städtebauliche Wünsche - wie etwa ein Fluttor, das den Weg in die Mainauen erlaubt - muss Hallstadt verzichten. Sicherheit hat Vorrang, ist das Motto von Bürgermeister Söder, der seit zwei Jahren amtiert. Im Planfeststellungsverfahren habe es auch keinen einzigen Einwand aus der Bevölkerung gegeben, stellt Söder fest. Das sei ungewöhnlich bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung.
Damit der Fluss nicht ganz hinter den Dämmen verschwindet, soll es einen Deichkronenweg - mit Sitzgelegenheiten und Blick auf Hallstadt und Main - geben, der ein wichtiger Lückenschluss mehrerer regionaler und überregionaler Radwege wird. Außerdem ist ein Aussichtspunkt an der Mündung des Gründleinsbachs geplant.


Europaweite Ausschreibung

Als nächster Schritt muss das gesamte Vorhaben europaweit ausgeschrieben werden. Dieser Prozess wird mindestens ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. "Sechs, sieben Monate - wenn es hervorragend läuft", schätzt Rost. Im Frühjahr 2017 könnte dann in die Ausführungsplanung gegangen werden, Ende des Jahres dann die ersten Bagger anrollen. 2018 sollen die Hauptarbeiten erfolgen. Rund eineinhalb Jahre Bauzeit - bis die Pumpen einsatzbereit sind - setzt das WWA an. Sollte alles reibungslos laufen und auch das Wetter mitspielen (wenig Regen, kein Hochwasser) wäre sogar eine schnellere Fertigstellung drin. Mit einem Winterhochwasser 2019 könnte es also knapp werden.