Auf einen fahrenden Zug springen, damit durch ein fremdes Land reisen, viele Gefahren auf sich nehmen für ein besseres Leben - für viele Jugendliche hierzulande unvorstellbar. Mit einem Roman, der genau diese Situation, die Flucht vieler mittelamerikanischer Kinder und Jugendlicher in die Vereinigten Staaten, schildert, war jüngst Autor Dirk Reinhardt zu Gast am Kronacher Kaspar-Zeuß-Gymnasium (KZG).


Gefährliche Reise

"Train Kids" heißt das Buch, aus dem Reinhardt den Schülern der achten und neunten Jahrgangsstufe vorlas. In einer kurzen Einführung beschrieb der Schriftsteller die aktuelle Situation der Jugendlichen aus verschiedenen mittelamerikanischen Ländern, die auf der Suche nach besseren Lebensverhältnissen oder ihren Eltern, die schon vor ihnen in die USA geflüchtet sind, eine beschwerliche und gefährliche Reise auf sich nehmen, die meist mit dem Zug durch Mexiko bis in die Vereinigten Staaten führt. Sein Buch bestehe aus wahren Begebenheiten, so Reinhardt, lediglich die fünf Hauptcharaktere und deren Namen seien erfunden. Die realen Geschichten von flüchtenden Kindern habe er selbst bei seinen Recherchen vor Ort in Mexiko erfahren.


Sehr realitätsnah

"Train Kids" erzählt die packende und spannende Geschichte von den fünf Jugendlichen Fernando, Miguel, Jaz, Emilio und Ángel, die sich auf ihrer gemeinsamen Reise in die USA kennenlernen und sich gegenseitig in vielen gefährlichen Situationen unterstützen. Dabei sind die Vorkommnisse innerhalb des Buches, wie zum Beispiel das Aufspringen auf den fahrenden Zug in Richtung der USA und eine Festnahme durch die mexikanische Polizei, sehr realitätsnah und präzise geschildert. Der Autor machte den Schülern auch bewusst, dass diese Flucht ein durchaus riskantes Unterfangen sei, Diebstähle, Plünderungen und Gewalt gegen die Flüchtlinge seien in Mexiko nichts Ungewöhnliches, außerdem gäbe es bei schätzungsweise 50 000 bis 100 000 Flüchtenden im Jahr viele, die ihr Ziel verletzt oder gar nicht erreichen.
Dirk Reinhardt, der für sein Buch "Train Kids" mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis ausgezeichnet wurde und für den Deutschen Jugendbuchliteraturpreis nominiert ist, stand nach seiner Lesung noch für einige Fragen der Schüler zur Verfügung, die er detailliert und mit Erlebnissen und Geschichten aus seiner Zeit in Mexiko beantwortete.


"Tolle Tradition"

Auch die Schulleiterin Renate Leive freute sich über den Besuch von Reinhardt, es sei eine tolle Tradition am Kaspar-Zeuß-Gymnasium, immer wieder Autoren zu Gast zu haben, die die Schüler für das Lesen begeistern und ein "Kino in den Kopf zaubern" würden. lbu