Stephan Herbert Fuchs

Die Kreuzung Meußdoerffer-Straße/Weiherer Straße ist nicht ohne. Am 27. Oktober hatte es dort wieder einmal gekracht. Ein 40-jähriger Arbeiter soll ein Motorrad übersehen und die Fahrerin auf die Hörner genommen haben. Die 17-Jährige erlitt einen komplizierten Bruch am Handgelenk und einen Sehnenriss am Daumen. Der Mann musste sich deshalb jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.
Das Geschehen stellte sich als viel komplizierter dar, als man auf dem den ersten Blick annehmen konnte. Deshalb wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt. Grund dafür war, dass die junge Frau wohl geblinkt hatte. Der Angeklagte musste deshalb davon ausgehen, dass sie von der Meußdoerffer-Straße in die Weiherer Straße abbiegen wollte. Dabei hatte sie wahrscheinlich einfach vergessen, den Blinker auszuschalten.
Die Schülerin gab an, dass sie auf den Parkplatz direkt hinter der Kreuzung fahren wollte. Wann sie den Blinker genau gesetzt habe, konnte sie nicht mehr sagen. Dafür gab es allerdings eine Zeugin, die mit dem Motorrad hinter der Schülerin fuhr. Die 39-Jährige Kulmbacherin sagte aus, dass die junge Frau den Blinker durchgehend an hatte. "Ich habe mir noch gedacht: Oh, mein Gott, ob das gut geht. Da hat es schon gekracht."
Doch die Rechtsprechung ist komplizierter. "Klar ist, sie waren wartepflichtig", sagte Richterin Sieglinde Tettmann zum Angeklagten. Man dürfe sich auf einen Blinker nicht verlassen, zudem habe die Bikerin ihre Geschwindigkeit nicht verringert. Eine geringe Schuld liege trotzdem vor und so einigten sich die Beteiligten darauf, dass Verfahren vorläufig einzustellen.
Zahlt der Angeklagte eine Geldauflage von 1000 Euro in sechs monatlichen Raten an den BRK-Kreisverband Kulmbach, dann ist die Sache endgültig erledigt, er ist nicht vorbestraft und bekommt auch keinen Eintrag ins Verkehrsregister.
Unterdessen streiten sich die Versicherungen in einem zivilrechtlichen Verfahren um die Kostenübernahme.