von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt — Die Insassen der beiden Fahrzeuge, die an einem Zwischenfall auf der Maintalautobahn (A 70) beteiligt waren, waren sich nur in einem Punkt einig: Die Situation sei sehr brenzlig gewesen, sagten sie übereinstimmend. Wer aber wen bei welcher Geschwindigkeit genötigt oder ausgebremst hatte, darüber gab es kein klares Bild. Demzufolge stellte das Amtsgericht Haßfurt das Strafverfahren wegen Nötigung gegen einen 40-jährigen Geschäftsführer aus dem Landkreis Bad Kissingen ohne weitere Auflagen ein.
Der Vorfall ereignete sich bereits am 11. Juni 2014 um die Mittagszeit. Neben dem Geschäftsführer saß dessen Vater im BMW, die beiden befanden sich auf Urlaubsfahrt Richtung Süden. Mit etwa 160 Stundenkilometern, so der Fahrer, sei er damals auf der Überholspur an einer Lastwagen-Kolonne vorbeigefahren. Während dieses Überholmanövers, so seine Stellungnahme, sei ein roter Audi A 6 plötzlich zwischen den Lastern kommend auf seine Spur ausgeschert. Um einen Aufprall zu verhindern, habe er eine Vollbremsung machen müssen, beschrieb er die heikle Situation.


Wenige Meter

Der Abstand zu dem Audi habe nur noch wenige Meter betragen, bis er es endlich schaffte, seinen Wagen auf etwa 80 Stundenkilometer herunterzubremsen. Bei dieser Bremsaktion, gab der Beschuldigte auf Frage der Strafrichterin Ilona Conver zu, habe er verärgert auf die Hupe gedrückt. Daraufhin sei der Audi wieder nach rechts gefahren, und sein auf dem Beifahrersitz sitzender Vater habe beim Vorbeifahren in dessen Richtung den Kopf geschüttelt.


Weiße Weste

Der Angeklagte bezeichnete sich selber als sehr besonnenen Autofahrer. In der Tat hat er straf- und verkehrsrechtlich eine blütenweiße Weste. Die Fahrweise des Audi-Fahrers wertete er als Fehlverhalten.
Dessen Version sah allerdings anders aus. Beim Überholen eines Lastwagens, also bereits auf der Überholspur, habe er im Rückspiegel gesehen, wie sich der BMW mit hoher Geschwindigkeit genähert und wiederholt die Lichthupe betätigt habe, schilderte der Audi-Fahrer im Zeugenstand. Daraufhin habe er den bereits begonnenen Überholvorgang abgebrochen und sei wieder nach rechts eingeschert. Er habe den BMW vorbeifahren lassen wollen, um dann erneut überholen zu können. Aber der BMW, so seine Schilderung, sei dann auf seiner Höhe eine ganze Zeit lang neben ihm hergefahren. Auf diese Weise habe er stark abbremsen müssen, um nicht auf den vorausfahrenden Laster zu knallen, beschrieb der Audi-Fahrer die Situation.
Was damals tatsächlich abgelaufen ist, resümierte die Gerichtsvorsitzende, lasse sich nicht mehr aufklären. Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren ohne weitere Auflagen eingestellt, die Kosten der Gerichtsverhandlung und des Verteidigers trägt die Staatskasse.
Damit hat sich der Einspruch des Geschäftsführers gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft gelohnt. Hätte er diesen widerspruchslos akzeptiert, hätte er 1800 Euro Geldstrafe zahlen und seinen Führerschein einen Monat lang abgeben müssen. Wegen des Einspruchs gegen den Strafbefehl war es erst zur Verhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt gekommen.