von unserem Redaktionsmitglied Ramona Popp

Lichtenfels — Immerzu dieses Schleifgeräusch. Schon ganz früh am Morgen, wenn man vor der Hitze des Tages die Fenster in den Büros eigentlich zum Lüften weit aufreißen möchte, geht es los. Obwohl das Holz der Gesimse unterm Dachvorsprung an einigen Stellen aufgesplissen ist, leistet die zu entfernende Farbschicht hörbar Wiederstand. Ulrich Sünkel vom Stadtbauamt kann wahrlich ein Lied von den Bauarbeiten am Rathaus II singen. Mit dem Abschluss der Dach- und Fassadensanierung wird das einstige Stadtsteueramt aus dem 19. Jahrhundert wieder für die nächsten Jahrzehnte gut in Schuss sein. Drüben, im Dientzenhofer-Bau, können sich die 25 Kollegen derweil darauf einstellen, was auf sie zukommt. Denn heuer noch, eine Woche nach dem Korbmarkt, wird nach fünf Jahren des Aufschubs die notwendige Dach- und Fassadensanierung des historischen Rathauses in Angriff genommen. Verbunden ist dies mit dem Einbau eines Aufzuges und der Umsetzung aktueller Brandschutzbestimmungen. 1,92 Millionen Euro sind dafür veranschlagt.

Zunächst nur dunklere Stelle

Der arge Dachschaden ist im Sommer 2010 durch einen Zufall entdeckt worden - von Ulrich Sünkel. Der hatte nur einige sichtbar dunklere Stellen unter dem Dachvorsprung überprüfen wollen, die ihm aufgefallen waren. So eine Verfärbung lässt auf eingedrungene Feuchtigkeit schließen. An einem anderen städtischen Gebäude hatte man nämlich kurz zuvor derartige Ausbesserungen vorgenommen. Weil Sünkel auch vom Gabelstapler hinaufgehoben die Untersichten nicht ganz erreichte, verlängerte er seinen Arm sozusagen mit einem der kleinen Fähnchen, die zu Dekorationszwecken in den Blumenkästen steckten. Er wollte ja nur mal am Holz klopfen und erschrak, als der Stil des Fähnchens butterweich eindrang und im Gesims verschwand. Das war der Anlass zu näheren Untersuchungen - mit dem unerfreulichen Ergebnis, dass das Rathaus zwar über ein Dach von solider Zimmermannsarbeit verfügt, an den Sparrenbalken im unteren Bereich aber eingedrungene Feuchtigkeit ein zerstörerisches Werk vollbracht hat.
Im August gab die damalige Bürgermeisterin Bianca Fischer bekannt, dass unvorhergesehene Ausgaben in noch unbekannter Höhe bevorstehen. Es folgten Notsicherungsmaßnahmen im Dachgeschoss sowie im ersten Obergeschoss im historischen Sitzungssaal und einem angrenzenden Büro, wo man einen verfaulten Deckenbalken ausfindig gemacht hatte. Bis zum Frühjahr sollte die Schadenskartierung als Grundlage einer realistischen Kostenermittlung fertig sein, dann die Sanierung begonnen werden.

Gesamtkonzept brauchte Zeit

Weil bauliche Veränderungen für einen modernen Brandschutz ohnehin fällig waren, die Planung hierzu aber noch nicht komplett fertig, beschloss man, alles miteinander anzugehen. Ein Gesamtkonzept brauchte mehr Zeit. Ulrich Sünkel vertrat in der Abstimmung mit dem beauftragten Architekten Andreas Klerner und dem weiteren Planer, der für die Brandschutzmaßnahmen verantwortlich war, die Interessen der Stadt, sprich: des Bauherrn. Dabei ging es um die Kosten, aber auch um den zeitlichen Ablauf. Kontrollen hatten ergeben, dass ein Aufschub kein Problem darstellte. Doch während des größten Festes in der Stadt, während des Korbmarktes, wollte man den Mittelpunkt des Marktplatzes nicht so gern von einem Gerüst bestimmt sehen.

Kein Gerüst beim Korbmarkt

Anfang dieses Jahres hatte es noch den Anschein, dass das aber wohl so sein würde. Inzwischen gibt es aber einen konkreten Zeitplan, nach dem das nicht mehr vorgesehen ist. Ein öffentlicher Teilnehmerwettbewerb für die Ausschreibungen wurde gerade gestartet. Anfang September sind die Auftragsvergaben vorgesehen. "Wir hoffen auf erfahrene, heimische Firmen", sagt Ulrich Sünkel.

Wetterdach als Regenschutz

Den Zeitpunkt für den Gerüstaufbau kann er schon ganz genau nennen: Es ist Montag, 28. September, eine Woche nach dem Korbmarkt. Und spätestens beim da rauf folgenden Korbmarkt soll das Gerüst auch wieder verschwunden sein. Bis Mai sollte das Dach fertig sein. Dass es eine Winterbaustelle sein wird, bereitet dem Ingenieur kein Kopfzerbrechen. Man könne sich mit einem Wetterdach als Schutz vor Regen behelfen. Nur lang anhaltende Kälte mit viel Schnee könnten für Verzögerungen sorgen. Nach dem Dach ist die Fassade dran. Sie wird nach Ausbesserung schadhafter Stellen einen neuen Farbanstrich bekommen.
Ziel sei es, die Beeinträchtigung des laufenden Betriebes möglichst klein zu halten, betont Sünkel. Trotzdem hofft mancher Mitarbeiter bestimmt insgeheim, die Phase, in der es am lautesten zugehen wird, möge doch in seinen nächsten Urlaub fallen.