Umfangreiche Zeugenvernehmungen standen im Mittelpunkt beim dritten Verhandlungstag im Untreue-Prozess gegen einen Ex-Vereinskassier. Der jetzige Vorsitzende, der seit 2013 amtierende Schatzmeister, ein früherer Kassenprüfer und ein für den Verein tätiger Steuerberater beschrieben über Stunden detailliert das Prozedere bei Buchungen und im Rechnungswesen. Wie zu erwarten, belasteten vor allem die Aussagen der momentan Verantwortlichen den 58-jährigen Angeklagten schwer.
Wie der aktuelle Vorsitzende betonte, ist er 2007 von der Mitgliederversammlung an die Spitze gewählt worden. Sein Auftrag: Den finanziell in Schieflage geratenen Club zu sanieren. Um das zu bewerkstelligen, habe er einerseits auf der Ausgabenseite die Kosten etwa für die Hallenmiete heruntergefahren und andererseits den Mitgliederbeitrag drastisch von 500 auf 1300 Euro jährlich erhöht. Das Amt, unterstrich er weiter, habe er unter der Bedingung angetreten, dass "alles auf den Tisch kommt".
Gemeint waren da in erster Linie die Kredite, die Mitglieder dem notleidenden Verein zur Verfügung stellten, sowie bestehende Forderungen und Ansprüche gegenüber dem Verein. So seien alle Geldgeber namentlich aufgelistet worden, aber der damalige Kassenwart habe kein Wort darüber verloren, dass er angeblich aus längst vergangenen Jahren zahlreiche Vorgänge noch nicht abgerechnet habe. Zu diesem Zeitpunkt fiel das nicht weiter auf, vielleicht deshalb, weil der heutige Vorsitzende damals mit dem nun Angeklagten eng befreundet war.
Von der Vorsitzenden des Schöffengerichts befragt, wodurch der Verdacht auf den 58-Jährigen gefallen sei und was den Stein ins Rollen gebracht habe, nannte der Zeuge zum einen eine ominöse 15 000-Euro-Überweisung des Beschuldigten an das Vereinskonto. Dieses Geld will der Ex-Kassier für einen geplanten, aber doch nicht realisierten Kauf angespart haben. Zum anderen stieß der neue erste Mann bei der Sichtung der Unterlagen darauf, dass nur Sammelüberweisungen für das Vereinskonto verfügbar waren, aus denen die jeweiligen konkreten Zahlungsempfänger nicht ersichtlich waren. Erst durch kostspielige Recherchen bei der Hausbank konnten die Geldempfänger ermittelt werden.
Der Nachfolger des Angeklagten im Kassenamt sprach die chaotische Übergabe an. Der PC mit den Buchungsvorgängen sei komplett gelöscht gewesen, die schriftlichen Unterlagen angeblich durch Hochwasser völlig verdreckt gewesen. Weitere Ungereimtheit: Buchungen ließen sich nicht mit Geldüberweisungen in Einklang bringen.
Kein Licht ins Dunkel brachten die Vernehmungen des Steuerberaters sowie eines Ex-Kassenprüfers. So hatte der Steuerberater die vom Angeklagten vorgenommenen Buchungssätze zu einer Steuererklärung und zu einem Jahresabschluss "weiterverarbeitet" und nicht inhaltlich geprüft. Und der heute 78-jährige Ex-Kassenprüfer war nach seinen eigenen Worten "völlig überfordert". Als gelernter Konstrukteur habe er millimetergenau gearbeitet, aber sich nie eingehend mit dem Geldwesen beschäftigt. Er habe an den Unterlagen nichts gefunden, was beanstandenswert gewesen sei. "Als rechtschaffener Mensch denkt man ja, dass alle Menschen rechtschaffen sind", beschrieb er seinen Glauben an das Gute im Menschen. Die Sitzung wird heute fortgesetzt.