von unserer Mitarbeiterin 
Marion Krüger-Hundrup

Bamberg — Regina Hanemann war fassungslos. "Es ist überfüllt im Museum!" rief die Direktorin der Städtischen Museen voll Freude über das seltene Ereignis. Allerdings war dieser glückliche Umstand wohl weniger den Kunstschätzen im Historischen Museum in der Alten Hofhaltung geschuldet als Professor Günther Dippold.
Der Bezirksheimatpfleger hatte zu Beginn der "Langen Ausstellungsnacht" am Freitagabend auf dem Domberg diesen Ausnahmezustand herbeigeführt. Der Andrang im Tanzsaal des Museums zu seinem Vortrag mit dem eigentlich trockenen Titel "Das klösterliche Leben von 1520 bis 1630" war so groß, dass er sein Referat etwas später für weitere "Dippold-Fans" wiederholen musste.


Höhepunkt im Jubiläumsjahr

Dabei stand doch eigentlich das 1000-jährige Kloster Michaelsberg im Mittelpunkt der Nacht, die seine "Geschichte nachvollziehbar und erlebbar machen soll", wie Bürgermeister Christian Lange (CSU) in seinem Grußwort wünschte. Die Lange Nacht sei "ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr", in dem die fünf Partner Historisches Museum, Diözesanmuseum, Staatsbibliothek, Staatsarchiv und Stadtarchiv die tausend Jahre in Sonderausstellungen "umfassend abbilden", so der Bürgermeister.
Im Foyer des Historischen Museums blieb Christian Lange mit zahlreichen anderen Nachtschwärmern ein Weilchen stehen. Die vierköpfige Band "Bamberger Hörnla" lieferte jazzige Klänge, die in die Beine gingen und flott machten für das nächste Museumsabenteuer.


"Niemand ging vorzeitig"

"Der Zulauf ist gut!" freute sich Werner Taegert, Direktor der Staatsbibliothek, über das rege Interesse an den gezeigten mittelalterlichen Handschriften aus dem Kloster Michelsberg. "Niemand ging vorzeitig", schmunzelte Taegert darüber, dass seine angekündigten "Kurzführungen" immerhin jeweils eine dreiviertel Stunde dauerten. Tatsächlich hingen die Zuhörer an seinen Lippen und bewunderten ehrfurchtsvoll die wertvollen Exponate in den Vitrinen.
Kerzenschein und aromatischer Duft empfingen die Besucher vor dem Diözesanmuseum. Ulla Knipping und Elisabeth Barth vom "Café.rad Bamberg" boten Kaffee, Tee und Süßes zur Stärkung auf dem nächtlichen Pilgerweg. So mancher suchte sich trotz der Abendkühle ein Plätzchen an den Tischen und Bänken, verfolgte staunend den steten Besucherstrom.
Dank des schulfreien Samstags bevölkerten etliche Kinder auch noch gegen 21 Uhr den Kreuzgang des Diözesanmuseums. Im "Kinderkloster" spielten sie unter der Anleitung von Sabine Hölscher "Schreibstube der Michelsberger Mönche".
So etwa Charlotte (6) und ihre Schwester Josefine (8), die die Initialen ihrer Vornamen bunt ausmalten und dann mit echtem Blattgold überzogen. "Eine wunderbare Idee!" strahlte Julia Alcaraz, die Mutter der beiden Mädchen.
Andere Erwachsene nutzten die Gelegenheit, das Diözesanmuseum als Zentrum der Jubiläumsausstellung zu erkunden. Dabei bot dieses Haus nicht nur einen fundierten Einblick in die wechselvolle Geschichte der einstigen Benediktinerabtei, sondern gemäß dem Aspekt "1000 Jahre Ordensleben im Bistum Bamberg" auch Ordensleute. Die Kirchschlettener Äbtissin Mechthild Thürmer war zum Beispiel da, und mit ihr ein ganzes Sortiment von kunstvoll gestalteten Kerzen aus der Wachswerkstatt ihrer Abtei.
"Die hier haben wir extra für das Jubiläum kreiert", zeigte die Benediktinerin eine Kerze mit der Aufschrift "Im Schutz des Engels - 1000 Jahre Kloster Michaelsberg Bamberg 1015-2015". Natürlich fehlt auch nicht das Jubiläums-Logo darauf: der Flügelarm mit dem Kreuz.
Franziskusschwester Claudia Hink winkte von ihrem Tisch herüber, auf dem Kulinarisches aus der Vierzehnheiligener Klosterküche aufgebaut war: Gelees, eingeweckte Zucchini, Rote Beete, Bohnen - und Nervenkekse mit Dinkel.
Gerade diese spezielle Nervennahrung brauchten die Museumsbesucher allerdings nicht - jedenfalls nicht sofort. Denn Domkapellmeister Werner Pees und seine Domkantorei luden zu entspannenden geistlichen Weisen ein. Nachtruhe senkte sich über den Domberg.