Bernhard Panzer

Als Retta Müller-Schimmel von den Grünen in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend ausholte und ihre Haltung zur Südumgehung in den Ring warf, "drohte" die Diskussion kurzzeitig zur Grundsatzdebatte abzurutschen. Bürgermeister German Hacker (SPD) aber ging nicht darauf ein und beschränkte sich, wie auch Nachredner Walter Nussel (CSU), auf ein paar Aussagen zum konkreten Thema. So gelang es, die vorletzte Stadtratssitzung vor der Sommerpause in gerade mal 14 Minuten abzuhandeln.
Die Südumgehung von Niederndorf stand deshalb auf der Tagesordnung, weil auch der Stadtrat beschließen sollte, dass die seit zwei Jahrzehnten im Flächennutzungsplan enthaltene Taltrasse aus diesem Planwerk gestrichen werden sollte. Das geschieht deswegen, weil die Stadt diese Verbindung entlang der noch bestehenden, einstigen Schienenverbindung (Talvariante) nicht weiter verfolgt. Vor ein paar Jahren hatte man sich im Stadtrat ja für eine weiträumige Umfahrung entschieden. Man sollte einfach einen Widerspruch vermeiden und künftig nicht zwei mögliche Trassen im Plan verankern, erklärte Hacker.


Sechs Gegenstimmen

Der Herausnahme schloss sich der Stadtrat, wie zuvor auch der Planungsausschuss, dann auch mit großer Mehrheit an. Dagegen jedoch stimmten sechs Räte aus den Reihen der Grünen und Freien Wähler.
Müller-Schimmel hatte eingangs festgestellt, dass ihre Fraktion zwar für eine Beendigung dieser Trasse für die Südumgehung sei. Aber es werde ja wieder eine neue eingestellt, das Straßenbauprojekt werde ja weiter verfolgt. Deshalb wolle man den Punkt ablehnen, wiederholte sie ihre Argumente aus der Vorberatung im Planungsausschuss.
Grundsätzlich sei der Bau einer solch großen Straße der falsche Weg. Man müsse an den Klimaschutz denken und dürfe das nicht weiter verfolgen. Bürgermeister Hacker stoppte diesen verbalen Vorstoß ("Ich will keine Grundsatzdebatte eröffnen") und sprach die Ausnahmesituation der Stadt an. "Die Entwicklung von Herzogenaurach ist ein Sonderfall in ganz Deutschland", sagte er. Durch das Wachstum bedingt, genüge es nicht, nur eine Antwort zu geben. Hacker sinngemäß: Es braucht die Stadtumlandbahn, es braucht Fahrradschnellwege und es braucht die Südumgehung.


Schon in den 60-er Jahren

Walter Nussel (CSU) erinnerte daran, dass die Planungen für eine sogenannte Talvariante schon Ende der 60er Jahre aufgenommen wurden. Jeder Bürger, der dort ein Haus gebaut hat, habe das im Plan so sehen können. Durch die Herausnahme der Trasse würden die Grundstücke jetzt aufgewertet. Wichtig ist für Nussel der Stadtratsbeschluss vor ein paar Jahren, der eine andere Trasse für die Straße vorsieht. Diese müsse nun weiterverfolgt werden, "wir brauchen die Südumgehung". Die Herausnahme der nicht mehr benötigten Taltrasse sei dadurch auch logisch.
Und weil dieser Stadtratsbeschluss vorliegt, sollte man jetzt auch nicht mehr gegen die Südumgehung wettern, stellte er mit Blick auf die grüne Fraktion fest. Dort kam prompt eine Entgegnung. "Das ist typisch CSU-like", meinte Peter Simon. Wenn eine Stadtratsmehrheit eine Straße beschließt, dürfe man die dann wohl nicht mehr ablehnen, obwohl man das vorher auch getan habe, fragte er und bekräftigte seine Ablehnung.


Später wäre besser

Abgelehnt haben auch die Freien Wähler. Christian Schaufler wollte die Vorgehensweise der Stadtverwaltung nicht gefallen, dass man die eine Trasse zum jetzigen Zeitpunkt herausnimmt. Das würde mehr Sinn machen, wenn die neue, beschlossene Variante wirklich schon feststeht, meinte er.