Der Krieg hat einen
der Besten genommen

Wiederum hat der Krieg einen der besten Forchheimer von uns genommen. Völlig unerwartet erreichte uns die Nachricht, dass Herr Wilhelm Schaal, Leutnant der Reserve, in treuer Pflichterfüllung auf dem Schlachtfeld in Nordfrankreich den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. Man muss ihm als Menschen näher getreten sein, um sein bescheidenes Wesen bewundern zu können. Gegen seine Arbeiter der Firma Seltsam wie auch gegen seine Soldaten war er ein gerechter Vorgesetzter. Seine Pflichttreue und Pflichterfüllung waren musterhaft in seinem Leben. Er konnte sich nicht einmal entschließen, vom Felde Urlaub zu nehmen, sondern blieb immer bei seinen Soldaten an der Front, ein wahrer Patriot. Für ihn gilt besonders der Satz: Wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten. (Forchheim, 2. Oktober)
Sechs Birnbäume
blühen jetzt

Im Garten des Herrn Bildhauers Niklas blühen zurzeit 6 Birnbäume. Ein wirklich schöner Anblick zu dieser späten Jahreszeit. (Forchheim, 4. Oktober)
Nach Beschwerden:
Hunde an die Leine

Aus Anlass vorliegender Beschwerden wird hiermit darauf aufmerksam gemacht, dass Hunde in Feld und Wald nicht frei herumlaufen dürfen, sondern an der Leine zu halten sind. Da durch freilaufende Hunde Geflügel im Kellerwald von Forchheim getötet worden ist, so wird darauf hingewiesen, dass die in Frage kommenden Hundebesitzer auch zivilrechtlich für die verursachten Schäden verantwortlich gemacht werden.
(Forchheim, 6. Oktober)
Geflüchtet aus deutscher Gefangenschaft

Der seit dem 22. August 1914 in deutscher Gefangenschaft lebende französische Hauptmann Henri Orth des 154. Infanterieregiments in Lerouville ist vorgestern auf dem Transport von Ingolstadt nach Kulmbach bei Strullendorf aus dem Zug gesprungen. Die städtischen Flurer von Forchheim haben ihn gestern aufgegriffen und auf die Polizeiwache gebracht. Nach einem Verhör wurde er ins Forchheimer Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert. (Forchh., 10. Okt.)
Trauer um
König Otto

Nach einem Telegramm des Kultusministeriums fällt aus Anlass des Ablebens Seiner Majestät König Otto von Bayern der Festgottesdienst vom 15. des Monats zur Feier des Namensfestes der Königin von Bayern aus. Auch ist eine Beflaggung der Häuser nicht erwünscht.
(Forchheim, 14. Oktober)
Trauergottesdienst
auch in der Synagoge

Im Gedächtnis an das Ableben des Königs Otto von Bayern fanden in der katholischen und evangelischen Kirche sowie in der Forchheimer Synagoge Trauergottesdienste statt, denen die königlichen Behörden, die beiden städtischen Kollegien, die Verwundeten der beiden Lazarette, die Schüler des Progymnasiums und zahlreiche Andächtige beiwohnten.
(Forchheim, 16. Oktober)
Gedränge beim Butterkauf

Trotz der wiederholten Belehrung, dass mit Rücksicht auf die vorhandene Buttermenge ein vorzeitiges Zudrängen zu der Verkaufsstelle zu verzeichnen war - und es besteht auch keine Aussicht wegen der immer geringeren Buttermenge, dass sich da etwas ändern wird. So ist es eben in der Kriegszeit, wenn fast keine Nahrungsmittel mehr vorhanden sind.
(Forchheim, 25. Oktober)
Eisernes Kreuz
für Georg Schmitt

Mit dem Eisernen Kreuz geschmückt wurde der seit 16 Monaten stehende Gefreite Georg Schmitt, Sohn des Schmiedemeisters Johann Schmitt aus Reuth. Dem wackeren Kämpfer unseren herzlichsten Glückwunsch. Möge ihm Gott fernhin das Leben schenken und ihn glücklich in die Heimat heimkehren lassen.
(Reuth, 26. Oktober)
Champignons vermehrt anbauen

Dieser gesunde und wohlschmeckende Pilz soll nun vermehrt auch im Deutschen Reich angebaut werden und so wird das Geld dafür nicht mehr nach Frankreich wandern. Der Pilz kann leicht von Jedermann gezüchtet werden.
(Forchheim, 31. Oktober)


Textzusammenstellung:
Rainer Kestler Stadtarchiv Forchheim