von unserem Mitarbeiter Joachim Wegner

Altenkunstadt — Dass sich 40 heimische Künstlerinnen und Künstler an der Ausstellung zum Kirchentag des evangelisch-lutherischen Dekanats am Wochenende in der Mittelschule in Altenkunstadt beteiligt haben, hat selbst Dekan Johannes Grünwald überrascht. Unter dem Motto "Wir sind so frei - Glaube trifft Kunst" präsentierten die Kunstschaffenden vom Obermain und darüber hinaus eine Vielzahl ihrer Werke, die in ihrer Vielgestalt so unterschiedlich waren wie die Künstler selbst.
Das Spektrum der Exponate reichte von Zeichnungen und Bildern über Fotografien bis hin zu Arbeiten von Kunsthandwerkern und Videoinstallationen. Somit wurde deutlich, dass Kunst ein sehr breitgefächerter Begriff ist und zum Menschen gehört, denn darin setzt er sich mit dem Zeitgeschehen und ebenso mit fundamentalen Fragen auseinander.
Bei der Vernissage in der Aula des Schulhauses forderte Dekan Grünwald die zahlreich erschienenen Gäste dazu auf, das Motto des Kirchentages auf sich wirken zu lassen. Wer dies tue, befinde sich bereits in einem kreativen Prozess, verdeutlichte er, denn die Begriffe "frei", "Glaube" und "Kunst" lösten allein schon durch das Hören Assoziationen ganz unterschiedlicher Art aus.
Dies könnten Vorstellungen sein, die sich gegenseitig ergänzten oder auch einander widersprechen. Nicht nur die Künstler bewege die Frage, ob der Mensch frei ist und was ihn letztlich frei macht. Wenn Glaube auf Kunst treffe, gehe es meist um mehr, als auf den ersten Blick zu sehen und zu hören ist, denn jedes Kunstwerk habe eine Botschaft an seine Betrachter, auf die man sich in aller Freiheit einlassen könne.
Dekan Grünwald dankte nicht nur den beteiligten Künstlern für ihr Engagement, sondern auch dem Kunstbeauftragten des Kirchenkreises Bayreuth, Pfarrer Eckhard Kollmer aus Schottenstein, für die Organisation und Begleitung der Ausstellung. Dass die Schule und die Kordigasthalle für diese Veranstaltung zur Verfügung gestellt wurden, schrieb der Dekan der großzügigen Unterstützung von Schulleiter Manfred Heinbuch zu. Nach einem Grußwort von Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) freute sich Dekan Grünwald über die Anwesenheit des stellvertretenden Landrats Rainer Mattern (CSU) aus Coburg. Durch sein Kommen habe er deutlich gemacht, dass ein Teil des Dekanatsbezirks Michelau im Landkreis Coburg liegt.
Auf das spannungsvolle Verhältnis von Kunst und Kultur verwies Galerist Heinz Eller von der Kunstmühle in Mürsbach. In seinem Einführungsreferat zur Ausstellung betonte er, dass beide neue Perspektiven öffneten, den Blick über Vordergründiges hinaus lenkten und das Leben deuten wollten. Doch die christlichen Konfessionen hätten sich im Verlauf ihrer Geschichte mit der Kunst immer wieder schwer getan. Heinz Eller erinnerte an die Bilderstürmerei während der Glaubenskriege. Als man nach der Reformation begonnen habe, Bilder aus den Kirchen zu entfernen und zu vernichten, habe Martin Luther dies verhindert und damit wertvolles Kulturgut gerettet. "Freiheit ist schließlich einer der zentralen Begriffe der Reformation Martin Luthers gewesen." Nicht von ungefähr zähle sein Freiheitstraktat "Von der Freiheit eines Christenmenschen" von 1520 zu seinen reformatorischen Hauptschriften. Doch die erste These des Freiheitstraktats "Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan" könne und dürfe für Luther niemals von der zweiten abgetrennt werden: "Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan." Diese in sich widersprüchliche These werde immer wieder kontrovers diskutiert, unterstrich Eller.
Letztlich habe die Reformation aber Entwicklungen angestoßen, die zur Entfaltung von Toleranz beigetragen haben, zumindest aber günstige Rahmenbedingungen dafür geschaffen haben. Aus heutiger Sicht werde Freiheit als existentielle Komponente unserer Gesellschaft betrachtet. Und so ist Religion nach den Worten des Galeristen in doppeltem Sinne freiheitsstiftend: zum einen als Befreiung von staatlicher Bevormundung und zum anderen als Freiheit zur Gestaltung des Gemeinwesens.
Beim Rundgang durch die Ausstellung nahmen sich die Besucher viel Zeit für Gespräche mit den heimischen Künstlern. Vertrautes gesellte sich zu Provozierendem, Werke bekannter Künstler aus der Region fanden ihre Ergänzung durch Exponate von Asylbewerbern, die am Obermain eine neue Bleibe suchen. Während beispielsweise Helga Blomeier mit großformatigen Ölgemälden, auf denen sie Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann als Musicus und Dr. Joachim Hildebrandt als Medicus festgehalten hat, auf sich aufmerksam machte, präsentierten ambitionierte Fotografen wie etwa Udo Klinger Impressionen aus dem Tessin. Mit detailreichen Naturzeichnungen faszinierte Manfred Popp die Betrachter seiner Werke. Barbara Crettaz erntete bewundernde Blicke für ihre Phantasie, die sie bei der Formung von Acrylglas auslebt, und Bildhauermeister Schott aus Seßlach, der Schöpfer des Fränkischen Bibelwegs bei Untermürsbach, zeigte Holzplastiken. Alles, was Rang und Namen in der heimischen Kunstwelt hat, war auf dieser dreitägigen Ausstellung in Altenkunstadt vertreten. Zu bekannten Namen wie Anton Köcheler, Ernst Müller und Heidi Meier, Markus Häggberg, Leopold Frommelt und Natalie Gutgesell gesellte sich Asylbewerberin Leila aus dem Iran, die mit traditionellen persischen Motiven der Ausstellung einen internationalen Touch gab.