Bereits zum 36. Mal bereicherte das Bamberger Streichquartett in der Besetzung Raul Teo Arias (1. Violine), Andreas Lucke (2. Violine), Branko Kabadaic (Viola) und Karlheinz Busch (Violoncello) beim Benefizkonzerts des Lions Clubs Lichtenfels das Kulturleben der Korbstadt. Entsprechend dem Motto "Spanische Nacht" verstärkten sich die vier Musiker noch mit dem Gitarrensolisten Klaus Jäckle, während Andrea Grüner die spanische Musik mit ihren Tänzen interpretierte.
Das Konzert eröffneten die Bamberger Musiker mit zwei Kompositionen des italienischen Komponisten Luigi Boccherini (1743-1805). Da dieser die meiste Zeit seines Lebens in Spanien am Hof des Infanten Luis lebte, brachte er zwar die italienische Musik auf die iberische Halbinsel, verliebte sich aber gleichzeitig in die spanische Musik, wie Karlheinz Busch anmerkte, der wie immer die Moderation innehatte. Dies wurde schon im Fandangoquartett sichtbar, in dem die folkloristischen Elemente der spanischen Musik mit melodischer Eleganz, intensiven Rhythmen, aber auch Melancholie zu spüren waren. Noch deutlicher ließ sich dies in dem bekannten Fandangoquintett mit seiner anmutigen Melodik und einem Unterton von Melancholie erkennen, das das Bamberger Streichquartett zusammen mit dem Gitarristen Klaus Jäckle aufführte. Der vierte Satz wurde nicht nur musikalisch von den fünf Musikern, sondern zusätzlich von der Tänzerin Andrea Grüner interpretiert. Ihr gelang es vortrefflich, die Musik des Fandangos in die Körpersprache des Tanzes umzusetzen. Die Tänzerin stapfte den Takt mit den Füßen, schlug ihn mit den Händen und betonte ihn mit den Kastagnetten. Der Fandango in seiner ursprünglichen Art ist eben mehr als bloße Bewegung, die Tänzerin erzählt damit gleichsam eine Geschichte und unterwirft ihre Gefühle dem Rhythmus der Musik.


In Andalusien beheimatet

Joaquin Turina (1882-1949) ist einer der hervorragendsten Vertreter der jüngeren spanischen Schule, die in ihrer Melodik der volkstümlichen Musik Andalusiens verhaftet ist. Das Streichquartett setzte mit dem Stück "La oración del torero" (Das Gebet des Toreros) den emotionalen Zustand des Toreros, der vor Tausenden von Zuschauern mit einem wilden Stier kämpft wird, hervorragend in Musik um.
Klaus Jäckle hatte sich für seinen Soloauftritt das Ballett "El sombrero de tres picos" (Der Dreispitz) des spanischen Komponisten Manuel de Falla (1876-1946) ausgesucht, das stark vom folkloristischen Kolorit beeinflusst ist. Das Stück handelt von einer schönen Müllerin, ihrem eifersüchtigen und schlauen Gatten sowie einem Provinzstatthalter, dessen Würde der Dreispitz verkörpert und der die schöne Frau begehrt. Der Satz "Danza del molinero" war auch Andrea Grüner wie auf den Leib geschnitten, die den Tanz voller Gefühl und Leidenschaft vollführte.
Auch Enrique Granados (1867-1916) gehörte zu den Erneuerern der spanischen Musik aus dem Geist der Folklore heraus. Viele seiner Werke gehören deshalb zum Standardprogramm vieler Gitarristen. Das von Klaus Jäckle zusammen mit dem Cellisten Karlheinz Busch dargebrachte Stück "Danza espagnola Andaluza" verströmte die leidenschaftliche Glut des südlichen Spaniens. "Der Atem des Orients" werde in dem wunderschönen Bauwerk der Alhambra versinnbildlicht, und dies habe auch der Komponist Francisco Tarrega (1852 - 1909) in dem Stück "Recuerdos del Alhambra" verdeutlichen wollen, hob Karlheinz Busch hervor, das der Cellist anschließend mit seinem Streichquartett und dem Gitarristen Klaus Jäckle als wundervolle, sanft dahinfließende Melodie umsetzte.
Eine etwas ungewöhnliche Besetzung fand sich beim Stück des uruguayischen Komponisten Gerardo Matos Rodriguez (1897-1948) mit dem Violinisten Andreas Lucke und dem Bratschisten Branko Kabadaic zusammen, wobei den Tango "La Cumparsita" Andrea Grüner in Szene setzte.
Dann trat wieder der Gitarrist Klaus Jäckle mit zwei Stücken von Isaak Albeniz (1860-1909) als Solist in Erscheinung, die eine Hommage an die spanische Region Asturien und die Stadt Sevilla darstellen. Zum Abschluss zeigten die vier Musiker des Bamberger Streichquartetts zusammen mit dem Gitarristen Klaus Jäcke mit dem bekanntesten Stück "Aranjuez por Bulerias" des Komponisten Joaquin Rodrigo (1901-1999) ihr virtuoses Können. Langanhaltender Beifall der begeisterten Besucher belohnte die Leistungen der Künstler.