In unserer Samstagsausgabe berichteten wir über das Schicksal der jungen Syrerin Rabiha Ismail. Jetzt hat sich die bisherige Vermieterin Doris Schreiner aus Unterzaubach zu Wort gemeldet. Von einer Geschichte voller Missverständnisse könne keine Rede sein, schreibt sie.
Aufgrund der anhaltenden Flüchtlingsströme habe sie sich 2015 dazu entschlossen, eine Familie aufzunehmen, so Schreiner. Für eine leerstehende möblierte Wohnung sei ihr ein syrisches Ehepaar aus einem Erstaufnahmelager zugewiesen worden. Wie sich herausstellte, handelte es sich nicht um ein Ehepaar, sondern um einen Vater mit seiner erwachsenen Tochter.
"Aufgrund der Familiensituation gab es bereits nach 24 Stunden Meinungsverschiedenheiten zwischen Vater und Tochter, so dass diese Hals über Kopf die Wohnung in Unterzaubach wieder verließen und zurück in das Erstaufnahmelager fuhren.
Erst nach einem Polizeieinsatz im Erstaufnahmelager sahen Vater und Tochter letztlich ein, dass sie sich bis zur Beendigung des Asylverfahrens die Wohnung teilen müssen", schreibt die Unterzaubacherin weiter. In der Nacht seien beide wieder zurückgekommen. Kurz vor Weihnachten folgten Mutter und zwei Geschwister aus Syrien mit in die Wohnung - "und alle waren sehr glücklich, wieder zusammen zu sein".


Mit falschen Voraussetzungen

Leider, so Schreiner weiter, sei die Familie mit falschen Vorstellungen nach Deutschland gekommen. "Ich hatte nur einen Röhren- und keinen Flachbildfernseher. Auch konnte ich der syrischen Flüchtlingsfamilie nur zwei gebrauchte reparaturbedürftige Fahrräder und keine neuen zur Verfügung stellen. Es war der Familie auch schwer zu
vermitteln, dass die Fenster zu jeder Jahreszeit beim Verlassen der Wohnung zu schließen sind. Und noch vieles mehr ..."
Aufgrund der Vorkommnisse habe sie kein Mietverhältnis mit der Flüchtlingsfamilie oder der Tochter eingehen wollen. Dies sei auch bis kurz vor dem geplanten Auszugstermin kein Thema gewesen. "Die Familie hatte eine Wohnung in Hannover, und Rabiha wollte sich mit ihrem Ehemann, der in einer Asylunterkunft in Erfurt lebt, eine gemeinsame Wohnung suchen. Familie Ismail wusste schon seit Monaten, dass die Wohnung nach der Aushändigung der Aufenthaltsgenehmigung spätestens am nächsten Tag verlassen werden muss."
Kurz vor dem Auszugstermin habe sie, Schreiner, erfahren, dass die junge Syrerin noch keine Wohnung in Erfurt gefunden hatte und bleiben wollte. "Ich versprach, eine Lösung zu finden. Daraufhin habe ich mich mit Frau Linß von der Stadt Stadtsteinach in Verbindung gesetzt, die binnen 28 Stunden eine Wohnung für das Paar in Stadtsteinach gefunden hatte." Noch am späten Abend sei Rabiha vom ehrenamtlichen Helfer Klier nach Erfurt zu ihrem Mann gebracht worden. "Leider konnte ich mich somit nicht mehr von ihr verabschieden."
Der Inhalt des Artikels am Wochenende habe sie erschüttert, schreibt die Zaubacherin. Gleichzeitig habe er allerdings ihre Frage beantwortet, warum Rabiha am Ende Hals über Kopf die Wohnung verließ. Leider hätten die zwei ehrenamtlichen Helfer nichts unternommen, um ihr bei der Suche nach einer anderen Wohnung behilflich zu sein. Schreiner schließt: "Dieser Artikel hat niemandem weitergeholfen, am wenigsten Rabiha Ismail."