Blumenrod — Eine schillernde Persönlichkeit wird 90. Am Mittwoch, 20. Mai, feiert Arno Hein seinen Geburtstag zuhause im landwirtschaftlichen Anwesen. "Ich war und bin mit Leib und Seele ein Landwirt", sagt der Träger der Bürgermedaille Rödentals.
Er hatte aber noch ein zweites Standbein: Als die Dörfer noch landwirtschaftlich geprägt waren, war er ein gefragter Mann. Hein war 40 Jahre lang Fleischbeschauer bei Hausschlachtungen. Und die waren nicht gerade selten, gerade in der kalten Jahreszeit. Tags zuvor wurde die Sau im Stall zunächst äußerlich begutachtet, am Tag der Schlachtung ruckte Arno Hein im Auftrag des Landratsamts an und untersuchte akribisch mit einem Mikroskop das Fleisch nach Trichinen, den kleinen Fadenwürmern.
Fast immer war die Sau in Ordnung und - wie sollte es anders in Deutschland sein - bekam sie mehrere Stempel auf die von Borsten befreite Haut. Für diese Amtshandlung mussten Gebühren bezahlt werden. So war Arno Hein über 1000 Mal in seinem Leben im Einsatz, wobei er bei einer Schlachtschüssel keinen Spint zu sich nahm. Ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee waren ihm tausendmal lieber.
Arno Hein führte über 50 Jahre lang eine glückliche Ehe mit seiner Elfriede. Auf die beiden Töchter und die vier Enkel ist er ganz besonders stolz. Eine Tochter führt seine Landwirtschaft weiter.
Der ehrenamtliche Einsatz hat es dem Jubilar in seinem Leben auch angetan. Nur einige Stationen waren der Gemeinderat in Blumenrod, nach dessen Zusammenschluss mit Spittelstein Zweiter Bürgermeister, 20 Jahre im Vorstand des Wasserzweckverbands, bis zur Auflösung als dessen Vorsitzender; er war auch im Vorstand der Flurbereinigung tätig und Hauptschöffe am Gericht.
Da blieb trotz vielen Fleißes auch noch Zeit für Hobbys übrig. Das waren die Jagd, das Schießen beim heimischen Schützenverein, bei dem er auch Schützenkönig war, und das Singen im Gesangverein (60 Jahre lang aktiv).
Auch bei den Freien Wählern und beim Obst- und Gartenbauverein zählte seine Meinung. Durch zahlreiche Ehrenmitgliedschaften wurde sein außergewöhnliches Engagement belohnt.
Es gab aber auch Tiefen im Leben, das war die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst mit 16 Jahren, der Rußlandeinsatz und die Gefangenschaft. Das alles jedoch hält den Jubilar nicht ab, freudig und positiv im Leben zu stehen. dav