Vielen Coburgern ist Dietrich Schaller noch als langjähriger Inhaber der Stadtapotheke bekannt. Schaller wurde gestern 90 Jahre alt.
Dietrich Schaller kam als erster von insgesamt vier Söhnen der Apotheker und Chemiker Kurt Schaller und Maria Schaller am 26. April 1926 in Coburg auf die Welt. Er besuchte zunächst die Rückertschule und dann ab 1937 das heutige Gymnasium Ernestinum.
Der Zweite Weltkrieg nahm massiv Einfluss auf Schallers weiteren Lebensweg. "In der siebten Klasse musste ich in zwei Wehrertüchtigungslager", erinnerte sich der Altersjubilar an seinem runden Geburtstag. Er war Luftwaffenhelfer in Schweinfurt und musste zum Arbeitsdienst. Als Offiziersanwärter kam er zur Reichsmarine. Er war auf der "Schleswig-Holstein" in Gdingen und dem Hilfskreuzer "Hansa" in Kopenhagen eingesetzt. Keine so kluge Entscheidung war die freiwillige Meldung zur Ostfront. "Das war der dümmste Beschluss meines Lebens", sagt Schaller heute im Rückblick. Er geriet dann auch in sowjetische Kriegsgefangenschaft.
Nach der Rückkehr steuerte er in Tradition seiner Familie auf das Pharmaziestudium zu. Das Pharmazie-Staatsexamen war 1951, im selben Jahr heiratete er auch seine Ehefrau Eleonore, geborene Kuntze, von der er 1992 Abschied nehmen musste. Aus der Ehe gingen die beiden Söhne Bernd Michael und Andreas hervor. 1954 promovierte Dietrich Schaller und trat in die elterliche Stadtapotheke ein. Andreas Schaller ist seit 2005 als Nachfolger seines Vaters und insgesamt in vierter Generation der Inhaber der seit dem 18. Jahrhundert bestehenden Stadtapotheke in der Spitalgasse.
So ein Rentner aus Überzeugung war Dietrich Schaller ja eigentlich nie. Er half auch nach der Übergabe an seinen Sohn weiter in der Stadtapotheke mit. Aber trotzdem: "Das Leben besteht nicht aus Arbeit!"
Dietrich Schaller ist ein vielseitig interessierter Mensch. Er war sehr reiselustig und ein begeisterter Bergsteiger. Während einer einzigen Afrikareise bezwang er innerhalb weniger Tage sowohl den fast 6000 Meter hohen Kilimandscharo als auch den gut 4600 Meter hohen Mount Meru. Seine Reisen führten ihn eigentlich in alle Kontinente. Aber seine spezielle Liebe galt Afrika.
Beim Gespräch mit Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU), die die Glückwünsche der Stadt Coburg überbrachte, schwärmte er aber auch vom Stadtstaat Singapur oder vom Trekking in Nepal. Auch das Tennisspiel machte ihm viel Freude, ebenso das Sammeln von Münzen und Briefmarken. Da weist er auch noch auf eine besondere Dienstleistung hin, die heute fast in Vergessenheit geraten ist: Er war Pilzbeschauer am Wochenmarkt. Wer kein Risiko eingehen wollte, brachte seine selbst gesammelte Pilzausbeute erst einmal zum Apotheker Schaller - sicher ist sicher. mako