von unserem Mitarbeiter Manfred Welker

Münchaurach — Zum ersten Mal gibt es für das kommende Jahr einen Kalender mit Motiven rund um die Klosterkirche Münchaurach. Die Idee dazu hatten Mitglieder des Kirchenmuseumsvereins.
Bevor es zum Druck gehen konnte, hieß es, alte Fotografien zu sammeln. Christian Knobl besorgte sie über einen Zeitraum von nahezu fünf Jahren von den Familien Kreß, Wagner und Drechsel. Als das Material zusammen war, wählten Pfarrer Peter Söder, Bürgermeister Klaus Schumann (ÜWB), Michael Hauffen und Christian Knobl die passenden Motive aus.
Ein nicht geringer Teil davon stammt aus dem Bestand des ehemaligen Münchauracher Dekans Friedrich von Segnitz. Dann wurden aktuelle Fotos dazu gemacht und im Kalender den alten Fotos gegenübergestellt. Das älteste Foto dürfte ein Blick auf die Kirche sein, Dekan von Segnitz ist auf einer Abbildung zu sehen, die bei der Einweihung der Aussegnungshalle entstand.
Die Initiatoren suchen aber immer noch geeignete alte Fotos für weitere Kalender. Motive gibt es in Münchaurach genug, die ehemalige Klosterkirche allein ist schon ein kleines Schatzkästchen, das in Franken kaum bekannt ist.
Das Kloster Münchaurach verdankt seine Entstehung den Pfalzgrafen von Stahleck Höchstadt. Der Überlieferung nach soll hier ursprünglich eine Kapelle gestanden haben, in der die selige Hiltegund begraben worden sein soll. Vermutlich wurde das Kloster zwischen 1124 und 1127 von Graf Goswin und seinem Sohn, Pfalzgraf Hermann von Stahleck-Höchstadt, gestiftet. Bischof Otto I., der Heilige, von Bamberg weihte der Überlieferung nach 1128 die Kirche und besetzte das Kloster mit Mönchen aus dem Hirsauer Reformkloster.


Kloster wurde 1528 aufgelöst

Nach dem Tod Hermanns von Stahleck kam Münchaurach unter die Schirmvogtei der Burggrafen von Nürnberg. Dies waren zunächst die Grafen von Raabs, später die Hohenzollern. Nach der Zerstörung im Bauernkrieg wurde das Kloster bis 1528 wieder hergestellt und im gleichen Jahr durch Markgraf Georg den Frommen von Brandenburg, Ansbach und Kulmbach (1515-1543) aufgelöst. Im Jahr 1547 wurde ein Beamter des Markgrafen als Verwalter eingesetzt, nachdem mit dem als Verwalter eingesetzten Paul Wassermann der letzte Mönch gestorben war. Bis auf die ehemalige Klosterkirche wurden die Klostergebäude im Laufe der Zeit nahezu restlos beseitigt.
Vom ursprünglichen Bau der romanischen Kirche aus der Gründungszeit hat sich das basilikale Langhaus erhalten. Das Fichtenholz des Dachwerks kann durch dendrochronologische Untersuchungen in das Jahr 1730 datiert werden. Im gleichen Jahr wurde der Innenraum durch Donato Polli mit Stukkaturen im Barockstil versehen. Am Bogen des Chors befand sich das Brandenburg-Culmbachische Wappen und die Buchstaben G.F.C.M.Z.B., die in Georg Friedrich Carl, Markgraf zu Brandenburg, aufgelöst werden können, und die Jahreszahl 1730.
Der gotische Chor anstelle des ursprünglichen Apsidenschlusses und die Querhauswölbung wurden erst im 15. Jahrhundert errichtet. Das Querschiff und der zu drei Achteln geschlossene, langhausbreite Chor sind mit gotischen Kreuzrippengewölben versehen. Zum Teil haben sich hier die ursprünglichen Maßwerkfenster erhalten. Wie eine Dendrodatierung des Dachgebälks im Chor und im Querhaus ergab, wurden die Tannen in den Jahren zwischen 1421 und 1423 gefällt. Aus der gleichen Bauphase stammt der hohe, dominante sechsgeschossige Turm, der sich nördlich am Querschiff befindet, aber mit dem Querarm nicht im Mauerverband steht.
Eine purifizierende Restaurierung mit eingreifenden Maßnahmen erfolgte mit einem Kostenaufwand von 60 000 Mark durch Baumeister Andreas Kurr unter Aufsicht des Landbauamtes Bamberg in den Jahren von 1891 bis 1893. Die Stuckdecke von 1730 wurde abgenommen und durch eine flache Holzdecke ersetzt.


Romanische Rundbogenfenster

Auch die Decke der Sakristei aus dem Jahr 1409 wurde erneuert. Bei der Baumaßnahme entfernte man die Emporen und stellte die ursprünglichen romanischen Rundbogenfenster wieder her. Auch die Ausstattung wie Altar und Kanzel wurde neogotisch angefertigt.
Die Restaurierung des Jahres 1968 setzte einen einheitlichen Anstrich an die Stelle der Farbigkeit des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 2010 stellte eine Zimmerei die Standsicherheit des Dachwerks über dem Chor und der Vierung wieder her. Im Kircheninneren legte Restaurator Eberhard Holter teilweise die ursprüngliche Fassung der Restaurierungsphase der Jahre 1891/1893 frei. Nach der Renovierung wurde die Klosterkirche Münchaurach mit einem Festgottesdienst am 16. März 2013 wieder ihrer Bestimmung übergeben.