Nach acht Verhandlungstagen geht der Prozess am Bamberger Landgericht gegen die Brüder Anton und Benno S. in seine Endphase. Das Brüderpaar ist mehrerer Verbrechen nach dem Betäubungsmittelgesetz angeklagt, darunter ein gescheiterter Versuch in Cheb Crystal zu kaufen, bei dem die Brüder mit 70 000 Euro im Auto an der Grenze als vermeintliche Geldwäscher verhaftet wurden.
Das Brüderpaar macht von seinem Recht zu schweigen Gebrauch, so dass das Tatgeschehen durch Zeugen und Sachverständige eruiert werden muss. So war als erster an diesem Tag Staatsanwalt Stefan Schäl zu hören. Er war Sitzungsstaatsanwalt in dem Verfahren gegen den Vermieter von Anton A. aus einem Ort im Landkreis. Da der Vermieter wegen Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln, genauer Crystal, verurteilt wurde, das aber noch nicht rechtskräftig ist, darf er auch als Zeuge schweigen, so dass über den Staatsanwalt dieser Teil der Taten eingeführt werden musste.
Der Vermieter legte aber in seinem Verfahren ein Geständnis ab, wonach er mit Anton S. zur tschechischen Grenze gefahren ist, selbst dort wohl eine Spielhalle besucht hat und Anton S. zurückbrachte, nachdem der im Rucksack eine große Menge des Rauschgifts über die Grenze getragen hatte.


Sicherheitsverwahrung?

Ein Schwerpunkt dieses Verhandlungstags war die Frage, ob bei Anton S. die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung vorliegen. Sie ist das letzte Mittel, um die Gesellschaft vor Mehrfachstraftätern zu schützen, insbesondere bei großer Gewaltanwendung oder Sexualdelikten. Die Voraussetzung wiederkehrender abgeurteilter Straftaten ist bei Anton S. erfüllt.
Der fast 60-Jährige verbrachte nahezu die Hälfte seines Lebens im Gefängnis. Kaum war er strafmündig, musste er sich schon für 22 Diebstähle verantworten. 1979 verurteilte ihn das Landgericht wegen schweren Raubs, da er in Forchheim eine Geschäftsfrau mit einer Pistole bedroht hatte, um so aus ihrer Kasse einen fünfstelligen Betrag entnehmen zu können.
Erst in den 80er Jahren im Gefängnis kam Anton S. mit Amphetamin in Berührung. Selbst bei seiner ersten Verurteilung wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz war er noch nicht Konsument. Vielmehr hatte er dem eigentlichen Täter 3000 Mark geliehen, damit der in Amsterdam Drogen zum Weiterverkauf erwerben konnte. Zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen im Bamberger Gefängnis führte in den 90er Jahren sein spektakulärer Ausbruch aus der Sandstraße. Mit zwei Mitgefangenen kratzte er mit Besteck den Mörtel weg, mit dem das Gitter vor dem Fenster befestigt war, und seilte sich gut zehn Meter in die Tiefe ab.


Drohbrief und Schüsse

Mit drei anderen versuchte Anton S. in Amberg einen Arzt um zwei Millionen zu erleichtern. Man schrieb dem Mediziner einen Drohbrief und wollte die Ernsthaftigkeit durch Schüsse bei dessen Haus unterstreichen. Dazu lieferte S. die Waffe; später rief er dort an, um die Geldübergabe zu regeln. Doch der Arzt hatte sofort die Polizei eingeschaltet und ein Polizist warf die gewünschte Tasche, die aber nur mit Papier gefüllt war, von der vereinbarten Autobahnbrücke bei Altdorf.
Zweimal noch war Anton S. in Drogenkäufe verwickelt, einmal eine Fahrt nach Amsterdam, bei der querbeet alles an Drogen gekauft wurde, um den Forchheimer Markt zu beliefern, und ein Versuch von einem türkischen Drogenhändler für 25 000 Mark Haschisch zu beziehen. Die Geldsumme wurde auf einer Bank eingezahlt, doch der Partner lieferte nie. Wegen der Suchtmittelabhängigkeit war Anton S. zu einer Therapie verurteilt worden. Doch selbst im Bezirkskrankenhaus Bayreuth wollte er Amphetamin verscherbeln. Die potenzielle Kundin allerdings schaltete die Polizei ein, so dass Anton S. einem Scheinkäufer 200 Gramm Methamphetamin anbot ... und verhaftet und verurteilt wurde.
"Untherapiert wird der Angeklagte mit hoher Wahrscheinlichkeit die gleichen Delikte wieder begehen", urteilte der Würzburger Psychiater Manfred Groß über Antons "Stimulantienabhängigkeit" und die Beschaffungstraftaten. Aus medizinischer Sicht hielt er eine Sicherungsverwahrung für nicht geboten, denn die Delikte mit Gewaltanwendung liegen 40 und 20 Jahre zurück und nach der letzten Haftentlassung 2007 ging Anton S. trotz Drogenkonsums regelmäßiger Arbeit nach.
Am kommenden Dienstag soll der Prozess zu Ende gehen.