JOsef Hofb auer

Der Klimaexperte Tilman Kiesel (28), der an der Universität Erlangen "Physikalische Geografie" mit dem Schwerpunkt "Klimafolgen-Forschung" studiert, mag nicht so recht daran glauben, dass der viel zitierte Klimawandel als Ursache für die Unwetter-Katastrophen der letzten Wochen herhalten soll. Das wäre zu einfach. Die Zusammenhänge seien viel komplexer, findet der Kirchehrenbacher, der momentan über seiner Master-Arbeit sitzt.
Lege man den gängigen klimawissenschaftlichen Modellen die Daten der letzten 30 Jahre zugrunde, gebe es keine signifikanten Auffälligkeiten. Berücksichtige man allerdings nur die Daten der letzten 15 Jahre, sei sehr wohl eine Häufung von Wetterlagen, die zu Unwettern führten, festzustellen. Die Anzahl von extremen Starkregenfällen steige.
Dies habe generell mit der Luft-Erwärmung zu tun. So sei in den letzten Jahren die Luftfeuchtigkeit angestiegen. "Es ist eine physikalische Grundeigenschaft, dass wärmere Luft mehr Feuchtigkeit speichern kann als kalte Luft", begründet Kiesel.
Das Hauptproblem sieht der Klima-Experte in der Tatsache, dass bei den jüngsten Unwettern, aber auch bei den Überflutungen in Oberfranken in den vergangenen Jahren die Wetterlage über einen längeren Zeitraum sehr stabil geblieben war. "Diese windschwachen Bedingungen, führen dazu, dass die geballte Ladung an Wasser, das sich in den Wolken angesammelt hat, über einem ein begrenzten Bereich ausgeschüttet wird", so Kiesel.
Diese Regionen einzugrenzen sei für die Metereologen äußerst schwierig, denn das Wetter sei äußerst komplex. Unwetterwarnungen könnten oft nur wenige Stunden vor dem Ereignis herausgegeben werden. Die Niederschläge für einen bestimmten Ort vorherzusagen, sei noch schwieriger.
Die Klimamodelle besagten für Deutschland, dass die Winter feuchter und die Sommer trockener würden. Aber mehr sollte man da nicht hinein interpretieren, findet der Kirchehrenbacher. Auch wenn das Wetterereignis noch so extrem ist, sage das noch nichts über die Klimentwickllung aus.
Warum uns die Folgen der Unwetter mit einer nie dagewesenen Härte treffe, habe eine Vielzahl von Ursachen. Da spiele auch die zunehmende Versiegelung von Flächen eine Rolle. Das Wasser versickert nicht mehr, sondern fließt viel schneller ab und entfaltet ungeahnte Kräfte. Hinzu komme, dass in der Zwischenzeit Wohngebäude in Gebieten entstanden seien, die über Jahrhunderte hinweg als Überflutungsgebiete gegolten hatten.
"Die Natur lehrt uns nun, dass das ein Fehler war", erklärt Tilman Kiesel. Aus solchen Fehlentscheidungen gelte es, Konsequenzen zu ziehen.