von unserem Mitarbeiter 
Manfred Wagner

Haßfurt — Rechtsanwalt Yunus Ziyal präsentierte beim Fortsetzungstermin vor dem Haßfurter Amtsgericht weitere Entlastungszeugen sowie zahlreiche Fotos und ein Video, um zu belegen, dass sein Mandant nicht derjenige gewesen sein könne, der bei der Demonstration am 25. Oktober 2014 in der Bamberger Innenstadt einem Polizisten gegen das Schienbein getreten hat. Trotzdem hielt das Jugendgericht den Angeklagten für schuldig. Der 21-jährige Beschuldigte aus dem Landkreis Haßberge wurde wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen á 15 Euro, also zu insgesamt 450 Euro, verurteilt.
Beim ersten Verhandlungstermin vor zwei Wochen trat ein Polizeibeamter in den Zeugenstand, der den "Schienbeintreter" ohne jeden Zweifel wiedererkannt haben wollte, da er diesem damals "Auge in Auge" gegenüber gestanden sei. Der Polizist war sich hundertprozentig sicher, weil er den Beschuldigten an dessen Nasenpiercing und einem markanten Ohrring identifiziert habe. Damals, sagte der Uniformierte weiter aus, habe sich der Demonstrant in der Mittagszeit gegen halb eins mit etlichen Gesinnungsgenossen in der Luitpoldstraße in Bamberg hinter einem breiten, etwa zweieinhalb Meter langen Banner postiert.
Beim zweiten Termin für den Strafprozess jetzt in Haßfurt trat zuerst eine Lehrerin des Studierenden in den Zeugenstand. Sie hatte - genau um 12.18 Uhr, wie das Aufnahmedatum belegt - den Angeklagten auf dem Bahnhofsvorplatz in einer Gruppe von Gleichgesinnten fotografiert. Als Nächstes sagte ein Freund des Beschuldigten aus, dass er anschließend mit diesem gemeinsam in dem Demonstrationszug gelaufen sei, der sich ein ganzes Stück vom vier oder fünf Straßen entfernten Tatort bewegt habe. Schließlich zeigte ein Fotojournalist etliche Aufnahmen, auf denen ebenfalls der Tatverdächtige zu erkennen war.

Enges Zeitfenster

Der Verteidiger rechnete vor, dass das "Zeitfenster", in dem der Angeklagte vom Demonstrationszug zum Tatort und wieder zurück hätte sprinten müssen, mit wenigen Minuten viel zu eng sei. Von daher plädierte er auf Freispruch wegen erwiesener Unschuld.
Ganz anders argumentierte hingegen der Staatsanwalt Arno Ponnath. Der Angeschuldigte, meinte der Vertreter der Anklage, könne sehr wohl durch verschiedene Hintergassen rasch zum Tatort geschlüpft sein.
Diese Sichtweise machte sich auch Jugendrichter Martin Kober zu Eigen. Es gebe, erläuterte er, überhaupt keinen Grund, warum der Polizeibeamte die Unwahrheit gesagt haben sollte.
Nach der Urteilsverkündung zeigte sich der Rechtsanwalt aus Nürnberg entsetzt über den Richterspruch. "Wir werden auf jeden Fall Berufung beim Landgericht in Bamberg einlegen", kündigte er im Gespräch mit unserem Reporter an.