von unserer Mitarbeiterin 
Franziska Klemenz

Bamberg — Es weht eine Prise des Parfums Chanel No. 5 durch den Raum, auf den elegant eingedeckten Tafeln perlt der Schampus. Die Damen des internationalen Frauenclubs sind im Bamberger Hof zusammengekommen, um ihren Opening Tea abzuhalten. Aus einer Traube plaudernder Damen, die sich zu diesem besonderen Anlass mit glitzerndem Behänge herausgeputzt haben, tritt Präsidentin Astrid Werthmann heraus.
Vergnügt fasst sie die bisherigen Highlights der Feier zusammen - von köstlichen Kuchen bis zu euphorischen Austausch-Studenten. Nur das Nachwuchsproblem mache ihr zu schaffen, erklärt Werthmann etwas besorgt und wirft einen Blick in die Runde. "Eigentlich würde ich den Vorsitz so langsam gerne mal abgeben", sagt sie. "Aber die jungen Leute haben ja keine Zeit für sowas, die müssen arbeiten, wenn wir uns treffen."
Zudem fallen seit dem Abrücken der US-Army im vergangenen Jahr auch die Amerikanerinnen weg. "Deswegen haben wir unseren Club auch von deutsch-amerikanisch in international umbenannt", erklärt die Präsidentin.

Amerikanische Offiziersgattinnen

Internationale Mitglieder gibt es derzeit zwar nicht, doch die deutsch-amerikanischen Beziehungen bleiben nach wie vor im Fokus des Clubs. Schließlich waren sie im Jahr 1947 der Gründungsanstoß. Damals freundeten sich einige Damen der Gesellschaft, wie Gräfin Nina von Stauffenberg oder Traudl Wieland mit amerikanischen Offiziersgattinnen an.
Zehn Jahre nach Gründung riefen die Damen ein Studenten-Austauschprogramm ins Leben, das bis heute besteht.

Das wichtigste Anliegen

Über die Jahre hinweg wurden mithilfe des Verbandes der Deutsch-Amerikanischen Clubs schon über 2 500 Stipendien an Studenten vergeben. "Das ist auch heute noch unser wichtigstes Anliegen, der Austausch von Studenten", so Werthmann.
Jedes Jahr dürfen je ein bis zwei Studenten aus Bamberg und den USA sich darüber freuen, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Darum kümmert sich Sibille Krause. Stolz stellt sie ihre derzeitigen Schützlinge vor. Die 21-jährige Marketing-Studentin Abigail Adams kommt aus Troy, Alabama. Sie lebt und studiert seit August 2014 in Bamberg und möchte am liebsten gar nicht mehr abreisen. "Es ist hier so anders als zuhause, Bamberg ist wunderschön und die Gemeinschaft ist so stark", sagt sie. "Aber ich bin hier ständig so gerührt. Seit ich in Deutschland lebe, muss ich dauernd weinen."
Ob es ihr in der fremden Kultur ähnlich ergehen wird, erfährt Sabine Eugenia Baschke diesen Sommer. Die BWL-Studentin bewarb sich beim Frauenclub um ein Stipendium, Sibille Krause fand schnell Gefallen an der 25-Jährigen. "Bei manchen Bewerbungen denke ich mir: Aha, da steckt jemand Tolles dahinter", erklärt sie verheißungsvoll und lächelt Sabine an. In der Bewerbung darf ein Student aus einem Angebot von zwölf amerikanischen Partneruniversitäten drei Favoriten angeben. Sabine bekam die Universität ihrer ersten Wahl zugeteilt und wird in Troy, Alabama studieren. "Ich wollte eine kleine Uni, das bin ich aus Bamberg so gewohnt."
An einer kleinen Universität studierte auch Alexander Konrad, der im vergangenen Sommer aus Tennessee zurückkehrte. "Es war mitten im Nirgendwo, richtig gemütlich. Und es gab nur 1 500 Studenten an der Uni, deswegen fand man schnell Freunde."
Seine Kommilitonen kamen aus allen Ecken der Welt - 26 Nationen waren vertreten. "Ein Freund aus Tokio ist sogar über Weihnachten zu Besuch nach Deutschland gekommen." Dass der Frauenclub - wie der Name schon verrät - vorwiegend feminin angehaucht ist, störte Alexander überhaupt nicht. "Es ist, als hätte ich plötzlich ganz viele Großmütter, die sich alle interessieren und sehr freundlich zu mir sind."

Exzellente Englischkenntnisse

Die Bewerbung um das Programm werde meist über Mundpropaganda ins Rollen gebracht, so Krause. Zunächst sieht sie die Unterlagen durch und überlegt sich, welchen Bewerber sie dem Verband empfehlen möchte. Es folgen die Anfertigung diverser Mappen und die erfolgreiche Teilnahme am Toefl-Sprachtest. Für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren besteht zudem die Möglichkeit, sich für eine 14-tägige Studienreise in die USA zu bewerben - vorausgesetzt sind auch hier exzellente Englischkenntnisse.
Die müssen die Damen des Clubs allerdings nicht vorweisen - zumal es derzeit ohnehin keine englisch-sprachigen Mitglieder gibt. "Über internationalen Zulauf würden wir uns aber freuen", sagt Werthmann. "Auch Französinnen, beispielsweise, wären herzlich willkommen." Doch auch auf Deutsch gelingt es den Damen ganz vorzüglich, ihren Opening Tea zu zelebrieren. Die Kuchenplatten leeren sich, der Glitzerwein plätschert reichlich und die schillernden Roben der Damen vermögen es beinahe zu überstrahlen, dass draußen ein grauer Januartag wartet.