bernhard Panzer

Warum feiert Herzogenaurach künftig seine Kerwa im Juli? Diese Frage war im Jahr 1952 Tagesgespräch. Drei Jahre nach der grandiosen 600-Jahr-Feier hatte man damals auch die Kirchweih in den Sommer verlegt. Und damit "diese weltliche mit der seit Jahrhunderten veranstalteten kirchlichen Feier der Weihe unserer Pfarrkirche" verbunden. Heuer ist das 65. Mal, dass die Sommerkirchweih im Juli gefeiert wird. Der Herzogenauracher Hobby-Archivar Georg Peetz hat für den FT in seinen Schätzen gekramt.
Es war vom 12. bis 20.Juli, als das Aurachgründer-Volksfest zum ersten Mal abgehalten wurde. In den amtlichen Bekanntmachungen der Stadt hieß es damals, dass dieses Fest eigentlich uralt sei und früher im Zusammenhang mit dem Patronatsfest Maria-Magdalena (22. Juli) gefeiert wurde. 1764 aber wurden die beiden Herzogenauracher Kirchweihen Maria-Magdalena und Martini in den November verlegt.
Daran schuld war eine Verordnung, nach der sämtliche Kirchweihen im Hochstift Bamberg und Würzburg auf Martini verlegt wurden. Ärgerliche Missbräuche und Vorkommnisse bei den weltlichen Feiern sollen damals den Anlass gegeben haben.
Es dauerte bis 1952, bis sich das änderte und man sich auch des Sommertermins annahm und da dann ein richtiges Volksfest daraus machte. Im Amtsblatt vom 4. Juni 1952 warb Bürgermeister Hans Maier für das "Fest in den herrlichen Weihersparkanlagen". Er schrieb: "Es werden Konzerte, Gesangsdarbietungen, Kinderbelustigungen, sportliche Veranstaltungen, alte Volksbräuche, Schaustellungen und Fahrgeschäfte aller Art zu Freude und Frohsinn beitragen." Damals gab es auch noch eine landwirtschaftliche Ausstellung.
Und dann ging Maier in die Offensive und richtete einen klaren Appell an die Herzogenauracher Bürger: "An dem Zustandekommen dieser sommerlichen Festwoche, die auch zur besonderen Hebung des Fremdenverkehrs beitragen soll, muss jeder Herzogenauracher, ob Alt- oder Neubürger; interessiert sein."
In einem Heimatblatt vom Juli1952 schrieb der Verfasser außerdem: "Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so glaube ich, dass die Herzogenauracher, die von jeher die Pflege alten Brauchtums hochgehalten haben, die seit 1764 unterlassene weltliche Feier ihrer rechtmäßigen Kirchweih umso freudiger wieder einführen, ohne dass ihre Martini-Kirchweih dadurch beeinträchtigt werden könne".
Das gleiche Heimatblatt widmet sich auch ausgiebig der Zeit, als die Kirchweih zunächst in den Herbst verlegt wurde. Da heißt es wörtlich: "Herzogenaurach, das bereits seit uralter Zeit an Martini die Kirchweih seines früheren, älteren Gotteshauses traditionsgemäß weiter führte, konnte nunmehr seit 1764 an diesem Tage bis auf den heutigen Tag Doppelkirchweih halten." Heißt es doch in einem Schriftstück um 1460, als bereits der Patronatswechsel von Sankt Martin mit Maria Magdalena vollzogen war: Die kalte Kirchweih ist die des ganzen Gotteshauses (est vera templi dedicatio) und zwar am Sonntag nach Martini (11. November).


Zu Ehren der Büßerin

Auch ging der Verfasser näher auf die Stadtpfarrkirche ein. Um 1290 hat man mit dem Bau des Chores begonnen und im folgenden Jahrhundert fügte sich an Stelle der vormaligen kleineren romanischen Kirche das mächtige Hauptschiff mit verhältnismäßig kleinem, unscheinbarem Turm an, eine Schöpfung der Gotik. Dieses Bauwerk, "unser gegenwärtiges Gotteshaus", so heißt es in dem Bericht weiter, ist geweiht zu Ehren der hl. Büßerin Maria Magdalena, deren Tag (22.Juli) seitdem "alljährlich in hiesiger Pfarrei als Patronats- oder Kirchweihfest hochfeierlich begangen wird".
Eine im Pfarrarchiv hinterlegte Pergamentschrift um 1460 besagt: "Sancta Maria Magdalena ist oberster Patron dieses löblichen Gotteshauses". Laufend begegnet dann die Erwähnung Maria Magdalenen-Kirchweih sowie 1590 auch Schnittkirchweih (Getreideschnitt).