Der Schachclub Forchheim hat mit viel Kampfgeist und noch mehr Glück den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga Ost geschafft. Dabei reichte am letzten Spieltag einer kuriosen Saison ein 4:4-Unentschieden beim SK Göggingen, der dadurch Zugzwang München den Vortritt in die 1. Bundesliga lassen musste.
In Augsburg war die Anspannung bei Kapitän FM Manfred Heidrich groß. Es war eine denkbar unerfreuliche Ausgangslage für den SC. Angesichts der Tabellensituation schien nur ein Erfolg gegen den Meisterschaftskandidaten SK Göggingen zu helfen. Denn der SC Garching hatte sich inzwischen mit einem Sieg am Vortag ans sichere Ufer gerettet. Blieben also nur die SF Neuberg, die jedoch die besseren Brettpunkte hatten. Allerdings mussten die Hessen gegen den starken ESV Nickelhütte Aue antreten - und so hatten die fränkischen Denksportler noch etwas Hoffnung, nicht wie die SG Leipzig und die SG Aufbau Elbe Magdeburg in die Oberliga absteigen zu müssen. Es wurde ein sportlicher Thriller.
Bei Göggingen fehlte die Nr.1, der lettische Großmeister Eduardas Rozentalis. Ob das wirklich ein Vorteil für die Forchheimer war, ist schwierig zu beurteilen. Da Göggingen sonst immer in der gleichen Aufstellung spielte, liefen viele mühsame Vorbereitungen ins Leere. Die Partien entwickelten sich alle sehr interessant: Als erstes remisierte am 2. Brett GM Vlastimil Jansa mit Schwarz, da der serbische IM Milos Stankovic kein Risiko eingehen wollte. Das zweite Unentschieden holte IM Andreas Rupprecht gegen IM Gregory Pitl, übrigens einer von nur zwei deutschen Spielern im Aufgebot der Gögginger. Rupprecht wählte eine fragwürdige Nebenvariante und hatte zwischenzeitlich zwei Bauern weniger mit nur vager Kompensation. Im taktischen Schlagabtausch konnte er dann aber noch remisieren.
Zu diesem Zeitpunkt war noch alles offen und möglich. GM Milos Jirovsky hatte seine typische Aufstellung, die er irgendwie in jeder Partie bekommt, IM Alexander Seyb konnte einen Bauern gewinnen, FM Christian Schramm hatte einen Bauern tief in die gegnerische Verteidigung platziert, wobei hier nicht klar war, ob dieser umspielt werden konnte. Und FM Manfred Heidrich stand wie so oft nach der Eröffnung sehr kritisch, aber sein Gegner hatte nicht viel Zeit. Florian Ott war ganz klar am Drücker mit dominierenden Figuren im Endspiel und einem Turm auf der siebten Reihe, bei Joker Johannes Mann startete der Gegner eine Offensive gegen den in der Mitte stehenden König.
Dann dauerte es nicht lange und FM Schramm hatte gewonnen. Der Bauer auf e6 zusammen mit einem Springer auf f7 waren zu viel für seinen belgischen Angstgegner IM Jan Rooze. Allerdings konnte FM Heidrich sich diesmal nicht "rauswurschteln" und musste gegen den Angriff des bulgarischen IM Velislav Kukov die weiße Fahne hissen. Für U20-Spieler Ott ging es um seine erste Norm zum Internationalen Meister (IM). Dazu brauchte er aber einen Sieg. Ein paar Ungenauigkeiten ließen die Stellung gegen den tschechischen IM Ivan Hausner jedoch verflachen. GM Jirovsky versuchte, vielleicht auch angesichts des ausgeglichenen Gesamtstandes, zu viel aus seiner Stellung herauszuholen. Für seinen verirrten Springer erhielt er aber immerhin drei Bauern, und die Forchheimer Beobachter gaben ihm gute Rettungschancen im Läuferendspiel.


Mann trumpft auf

Dann kam der große Auftritt des Nachwuchsspielers Mann am Schlussbrett. Er konterte geschickt den Angriff des Ersatzmannes Christoph Lipok und setzte ihn mit einem schönen Springeropfer Matt. Der SC Forchheim führte damit kurzzeitig mit 3,5:2,5. IM Seyb hatte im Springerendspiel immer noch seinen Mehrbauern, dafür wurde die Stellung von GM Jirovsky immer passiver. "Die Forchheimer Stimmung im Vorraum sank und sank, da Alexanders Gewinnchancen gering, dafür Milos Verlustchancen hoch waren. Ein 4:4 reichte ja aus unserer Sicht nicht. Da erhielt ich von Berthold Bartsch die Nachricht, dass Aue gegen unseren direkten Konkurrenten 7,5:0,5 gewonnen hat und uns ein 4:4 reicht", so ein ungläubiger IM Rupprecht.
GM Jirovsky verlor seine Partie am Spitzenbrett gegen den serbischen IM Nikola Nestorovic, während IM Seyb gegen den bulgarischen GM Petar Arnaudov dann das Remis zum 4:4- Endstand holte. UG


2. Bundesliga Ost
Garching - SG AE Magdeburg 4,0:4,0
MSA Zugzwang - SG Leipzig 4,5:3,5
Bindlach - Bad Mergentheim 5,0:3,0
Nick. Aue - SF Neuberg 7,5:0,5
SK Göggingen - SC Forchheim 4,0:4,0
Bad Mergentheim - Nick. Aue 4,5:3,5
SF Neuberg - Bindlach 2,5:5,5
SG Leipzig - SC Garching 3,0:5,0
Magdeburg - MSA Zugzwang 3,0:5,0
1 . MSA Zugzwang 9 41,0: 31,0 15 : 3
2 . SK Göggingen 9 43,5: 28,5 13 : 5
3 . Nick. Aue 9 42,5: 29,5 13 : 5
4 . Bindlach 9 41,5: 30,5 12 : 6
5 . Bad Mergentheim 8 36,0: 28,0 11 : 5
6 . SC Garching 9 34,5: 37,5 8 : 10
7 . SC Forchheim 9 32,5: 39,5 7 : 11
8 . SF Neuberg 8 27,5: 36,5 6 : 10
9 . Magdeburg 9 25,5: 46,5 3 : 15
10 . SG Leipzig 9 27,5: 44,5 0 : 18