von unserem Redaktionsmitglied Ramona Popp

Hochstadt — Wirte hat die Gastwirtschaft an der Hauptstraße, die einst wegen ihrer Lage auch Posthalterei war, viele gesehen. Seit Ende der 60er Jahre fand durchschnittlich alle zweieinhalb Jahre ein Wechsel statt. Mit einer Beständigkeit von sechs Jahren (von 1998 bis 2004) hebt sich das Ehepaar Matschke in dieser Chronologie etwas ab. Die beiden, aus dem Landkreis Coburg kommend, hatten den "Stroußer" ganz bewusst für die letzten Jahre ihres Berufslebens ausgewählt und traten danach in den wohlverdienten Ruhestand.
Und die anderen? Woran lag es, dass von ihnen anscheinend keiner so richtig glücklich wurde? Auf unsere Frage an einen Hochstadter, von dem wir dachten, er könnte das beurteilen, ernten wir ein Schulterzucken. "Das Essen war immer recht gut." Nur gut kochen zu können, reicht leider nicht, um eine Gaststätte auch wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Manch einer mag vielleicht nicht das richtige Händchen dazu gehabt haben - und der stete Wechsel machte es natürlich dem jeweils Folgenden dann nicht leichter.


Gut kochen allein genügt nicht

Joachim Friedmann (49), Miteigentümer des großen Gaststättengebäudes an der Abzweigung nach Reuth, das er selbst mit seiner Familie bewohnt, war in das Kommen und Gehen der Pächter trotz der räumlichen Nähe nicht unmittelbar einbezogen. Als sein Vater Hans als letzter "Stroußer"-Wirt der Friedmanns diese Rolle aufgab und sich ganz auf seine Landwirtschaft konzentrierte, war er selbst noch ein kleines Kind.
Da die Familie die Gaststätte an eine Brauerei verpachtet hatte, war sie für die immer neuen Wirtsleute in den Folgejahren nicht der erste Ansprech- und Verhandlungspartner.
Zu welchen Konditionen seitens der Brauerei weiterverpachtet wurde, davon habe er erst in den letzten Jahren Kenntnis erlangt - und verstanden, dass viele den Schritt zu einer eigenen Gaststätte lieber frei von einer solchen Bindung wagen wollten, sagt Friedmann. Er und seine Frau Dania freuen sich deshalb um so mehr, dass ein Neustart auf dem "Stroußer" nun ohne Brauereibindung möglich sein wird. Sie sahen sich in der Vergangenheit zu Unrecht in der Kritik wegen der häufigen Wechsel und des aktuellen Leerstandes und wollen einem neuen Wirt in Sachen Pacht gerne entgegenkommen.
Der ist auch endlich gefunden und hat die Hauseigentümer mit seinen Ideen und nicht zuletzt seinen Kochkünsten bereits restlos überzeugt. "Er legt viel Wert auf regionale Produkte und Frische", verrät Dania Friedmann. Außerdem habe er viel Erfahrung in der Gastronomie und eine absolut realistische Einstellung.
Dabei war es purer Zufall, dass man zueinander fand. Der Mann habe seit langem Ausschau nach einer geeigneten Immobilie gehalten, um seinen Wunsch nach einem eigenen Lokal Wirklichkeit werden zu lassen. Schließlich hatte er sich verfahren, in Hochstadt die leerstehende Wirtschaft entdeckt und dann nachgefragt. Vor etwa einem Jahr war die erste Kontaktaufnahme.
Die Eigentümerfamilie hat seither in den ersehnten Neustart Zeit und Geld investiert, Räume hergerichtet und die Einrichtung erneuert. "Wir wollten Nägel mit Köpfen machen." Jetzt hoffen die Friedmanns, dass der neue Pächter auch genügend Zuspruch für eine beständigere Zukunft des "Stroußers" haben wird.