von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt — Ganz offensichtlich war die Angeklagte (47) ganz schön neben der Spur, als sie am 1. März, ein Sonntag, in Haßfurt am Steuer ihres Opel Zafira von der Zeiler Straße in die Ezo-Kreuzung fuhr. Unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss nietete sie bei der Ausfahrt Richtung Hofheim ein Verkehrsschild um und beging anschließend Fahrerflucht.
Die bislang unbescholtene Verkäuferin wurde nun vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 9 Euro, also insgesamt 630 Euro sowie zu einem einjährigen Fahrverbot verurteilt.
Das Malheur passierte der Frau nachmittags gegen halb drei. Vielleicht dachte sie - da kein anderer Verkehrsteilnehmer betroffen war - dass sie unbehelligt weiterfahren dürfe. Was natürlich nicht der Fall ist, denn durch den Aufprall hatte sie das runde, blaue Verkehrszeichen, das die Fahrtrichtung vorschreibt, demoliert. Der Schaden dafür beläuft sich auf rund 300 Euro.
Die Autofahrerin hatte Pech, denn aufmerksame Passanten meldeten den Vorfall samt Kennzeichen unverzüglich der Polizei. Kurz darauf standen die Beamten vor der Wohnungstür der Opelfahrerin. Sofort war den erfahrenen Ordnungshütern klar, dass Alkohol im Spiel war. Sie nahmen die Unfallverursacherin mit ins Krankenhaus, wo um 16.18 Uhr eine Blutprobe entnommen wurde. Zurückgerechnet auf den Tatzeitpunkt ergab sich ein Wert von 1,13 Promille.
Die Angeklagte gestand alles ohne Umschweife und meinte zerknirscht: "Das war richtig dumm von mir." Da sie bisher nicht vorbestraft ist, erhielt sie einige Wochen nach dem Vorfall einen Strafbefehl des Staatsanwalts. Demzufolge hätte sie eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 40 Euro, also mithin 3200 Euro bezahlen und für 14 Monate ihren Führerschein abgeben sollen.
Auf Anraten ihres Anwalts Bernhard Langer legte sie Einspruch gegen den Strafbefehl ein. Dieser Einspruch, erläuterte der Verteidiger, richte sich ausschließlich gegen die Höhe der Geldstrafe. Die von der Staatsanwaltschaft geschätzte Tagessatzhöhe von 40 Euro, so Langer, sei viel zu hoch.

Niedriges Einkommen

Seine Mandantin, führte er aus, verfüge momentan lediglich über ein monatliches Einkommen von etwa 300 Euro. Ein bereits im Januar beim Jobcenter gestellter Aufstockungsantrag sei immer noch nicht bearbeitet, ergänzt die Beschuldigte.
Aufgrund dieser Information zu ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage plädierten die Juristen auf eine erheblich geminderte Strafe. Der Anklagevertreter Ilker Özalp beantragte 80 Tagessätze zu je zehn Euro, Rechtsanwalt Langer hielt 60 Tagessätze zu je acht Euro für ausreichend. Die Amtsrichterin Ilona Conver wählte schließlich die goldene Mitte: 70 Tagessätze zu je neun Euro. Da alle Beteiligten mit dem Richterspruch zufrieden waren, verzichteten sie auf Rechtsmittel. Das bedeutet, dass das Urteil rechtskräftig ist.
Bei einer Höhe von 90 Tagessätzen erfolgt nicht nur ein Eintrag in das Bundeszentralregister, sondern auch in das polizeiliche Führungszeugnis.