Alexander von Humboldt (1769 - 1859), Universalgelehrter und Sprachgenie, hat wie kein anderer Wissenschaftler das Verständnis von der Natur als lebendigem Ganzen, in dem vom Winzigsten bis zum Größten alles miteinander verbunden ist, geprägt. Heute noch ist sein Name in aller Munde: Die Historikerin Andrea Wulf landete mit ihrem Buch "Humboldt und die Erfindung der Natur" einen Bestseller.


Viele Reisen

Seine Reisen nach Süd-, Mittel- und Nordamerika (1799 bis 1804) sowie nach Russland (1829) sind Gegenstand vieler Diskurse und Dokumentationen. Doch wer weiß schon, dass der Berliner fünf Jahre lang, von 1792 bis 1797, verdienstvoll in Oberfranken gewirkt hat? Licht ins Dunkel dieses Kapitels aus dem bewegten Lebens Humboldts brachte Reinhard Stelzer am Donnerstagabend.
Der Tutzinger Freundeskreis hatte den Experten ins Martin-Luther-Haus eingeladen. "Vom preußischen Oberbergrat zum Weltenbürger" lautete der Titel seines Referats.
Obgleich in Goldkronach wohnhaft, ist der Referent in Kulmbach kein Unbekannter: Im Himmelkroner Rathaus ist Stelzer für kulturelle Angelegenheiten zuständig. Zudem ist er Vorsitzender der Bezirksgruppe des Geschichtsvereins Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW).


Plötzlich war man preußisch

Stelzer schilderte zunächst das historische Umfeld in Oberfranken gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als Markgraf Alexander 1791 das Fürstentum Bayreuth-Ansbach, zu dem auch Kulmbach gehörte, für 300 000 Dukaten im Jahr an seinen Vetter, den preußischen König Friedrich Wilhelm, verkauft hatte. "Plötzlich waren die Menschen preußisch", sagte der Redner, der den rund 50 Zuhörern eine Goldmünze zeigte. "Es handelt sich um einen preußischen Golddukaten, der 1803 in der Fürstenzeche zu Goldkronach hergestellt worden ist."
In seinem Heimatort Goldkronach wurde Anfang der 80er Jahre Stelzers Interesse für den berühmten Weltreisenden geweckt. Damals habe er sich im Gasthaus "Alexander von Humboldt" danach erkundigt, wer denn der Namensgeber des Lokals gewesen sei. Ein berühmter Mann sei er gewesen, habe man ihm zur Antwort gegeben.


Ein leidenschaftlicher Fan

Dies befriedigte Stelzer natürlich nicht. In der Bibliothek der Universität Bayreuth fand er die Fachliteratur, die ihn zum leidenschaftlichen Humboldt-Fan werden ließ. "1792 kam Humboldt als Bergassessor nach Goldkronach, wo er viel für den Goldbergbau getan hat. Dieser befand sich damals im Niedergang. Er ließ alte Akten von der Plassenburg holen - und der Bergbau wurde wieder gewinnbringend", so der Fachmann.
1797 sei er vom preußischen König zum Oberbergrat ernannt worden, wie einem Briefwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe zu entnehmen sei.


Dienstsitz in Bayreuth

Seinen Dienstsitz habe er in Bayreuth gehabt, wo er für die drei Bergämter Arzberg, Goldkronach und Wunsiedel zuständig gewesen sei.
In Bad Berneck erfand Humboldt einen Vorläufer der Atemschutzmaske. Ein Selbstversuch habe ihn fast das Leben gekostet, so Stelzer. Auch auf sozialem Gebiet war Humboldt tätig. In Goldkronach gründete er 1795 eine Bergbauhilfskasse für Witwen und Waisen.
Doch Humboldt hielt es nicht lange in der fränkischen Provinz. In Paris lernte er Aimé Bonpland kennen, mit dem er 1799 nach Südamerika aufbrach.