Gremsdorf — Er hat ein weiteres großes und entscheidendes Etappenziel auf seinem beschwerlichen Weg hin zur Integration und Inklusion erreicht: Alexander Post, ehemaliger Bewohner und Beschäftigter der Barmherzigen Brüder Gremsdorf.
Acht Jahre lang lebte der 26-Jährige in der Gremsdorfer Einrichtung und es hat viel Mühe gekostet, bis Post vor einem Jahr einen Außenarbeitsplatz antreten konnte. Geholfen hat ihm dabei sein Integrationsbegleiter Lutz Tamaschke, Mitarbeiter der Barmherzigen Brüder Gremsdorf, und letztlich ermöglicht hat es die Familie Gumbrecht, Inhaber des Höchstadter Restaurants "Aischblick", die es mit Post einfach mal probiert hat.
Norbert Gumbrecht hat den 26-Jährigen in sein Küchenteam aufgenommen und war eigentlich von Anfang an mit seinem Praktikanten "voll zufrieden". Er wurde auch keinesfalls geschont und musste voll mit anpacken, berichtet der Restaurantleiter.
Nach einem Jahr gemeinsamer Arbeit erkennt der Küchenchef "deutliche Erfolge" bei seinem Auszubildenden. In der Kalten Küche sei der Azubi bereits ein richtiger Profi. Von Salatvariationen bis hin zur großen Brotzeitplatte bereitet Alexander Post alles selbstständig vor. Er steht bei großen Festivitäten auch schon einmal hinterm Büffet und legt das Essen vor.
Gumbrecht lobt vor allem die "Pünktlichkeit und Freundlichkeit" von Post und kann sich über seine "hintersinnigen Witze" amüsieren. "Es freut sich einfach jeder, wenn Alexander da ist", so Gumbrecht.
Besonders freut es den Chef, dass Post nun auch noch zur Schule geht, um sich in drei Jahren zum Beikoch ausbilden zu lassen. Schon seit Mai besucht er freiwillig einmal die Woche die entsprechende Berufsschulklasse des Berufsausbildungswerkes in Nürnberg und ist deshalb momentan seinen Mitschülern im ersten Ausbildungsjahr deutlich überlegen. "Und wenn das gut verläuft - und davon gehe ich aus -, unterstütze ich Alexander voll und ganz bei der einjährigen Zusatzausbildung zum Koch", bekräftigt der Restaurantleiter.
Parallel zu diesen beruflichen Veränderungen hat Alexander Post auch seinen Wohnort gewechselt.
Bis vor Kurzem lebte er noch in der Gremsdorfer Außenwohngruppe der Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Nun hat er zusammen mit zwei weiteren ehemaligen Bewohnern eine ambulant betreute Wohnung in Hemhofen bezogen. Hier findet weiterhin eine professionelle Unterstützung statt - aber nur noch an wenigen Wochenstunden. Und den dreiviertelstündigen Weg zur Höchstadter Arbeitsstelle möchte er - "wenn nur immer möglich" - mit dem Fahrrad bewältigen.
Der junge Mann hegt aber noch einen weiteren großen Wunsch: "Ich will den Führerschein machen." Mit einem eigenen Auto wäre er "so richtig mobil".
Mit diesem Wechsel hin zum ambulant betreuten Wohnen "hat sich Alexander nun fast freigeschwommen", konstatiert Integrationsbegleiter Lutz Tamaschke. Nun ist seine Zuständigkeit zu Ende und er freut sich über Alex' positive Perspektiven. "Ich wünsche ihm für die Zukunft vor allem viel Glück und Durchhaltevermögen", sagt Tamaschke, nicht ohne einen Anflug von Wehmut. red