von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Adelsdorf — "Familie Mustermann" lebt auch in Adelsdorf. Hier wie andernorts leitet ein durchschnittlicher Haushalt zwischen 120 und 140 Kubikmeter Wasser im Jahr in den Kanal ein. In Adelsdorf kostet der Kubikmeter Abwasser 2,27 Euro. Unsere Familie Mustermannzahlt also zwischen 273 und 318 Euro. Im Jahr, wohlgemerkt. Diese Kosten sind vergleichsweise gering gegenüber den Kosten für Strom und Heizung.
Gleichwohl müssen Abwassergebühren sorgfältig kalkuliert werden. Sie müssen die Kosten für die Abwasserbeseitigung abdecken, und die Kanalnetze, die Kläranlage und auch die Klärschlammbeseitigung sind teure Einrichtungen. Hunderttausende, wenn nicht Millionen investieren die Gemeinden, addiert man die Ausgaben über die Jahre. Und dann kommt noch der laufende Betrieb dazu; die Löhne der Klärwärter, der Strom, der für das Reinigen verbraucht wird, um nur die größten Posten zu nennen.


Ausgaben waren nicht gedeckt

Deshalb hat der Gesetzgeber vorgegeben, dass Abwassergebühren immer nur für einen Zeitraum von vier Jahren kalkuliert werden dürfen, und danach muss für den Zeitraum nochmals nachkalkuliert werden, ob die Einnahmen durch die Abwassergebühren auch die Ausgaben abdecken.
Genau das war in Adelsdorf in den vergangenen vier Jahren nicht der Fall, stellte Dieter Mühlfeld, der Gebührenfachmann vom Kommunalen Prüfungsverband fest. "Unterdeckung in den Entwässerungseinrichtungen" heißt das im Fachjargon. Diese Lücke muss im kommenden Vier-Jahres-Zeitraum geschlossen werden. Und da in die Hochlastfaulung des Klärschlamms erst einmal rund 300 000 Euro investiert werden müssen, ehe sich da Einsparungen zeigen, müssen die Gebühren angepasst werden.


Verbrauch ist nicht abzusehen

Mühlfeld stellte dem Haupt- und Finanzausschuss dazu mehrere Kalkulationsmodelle vor. Denn Abschreibungen für Investitionen und die laufenden Betriebskosten kann man fast auf den Cent genau feststellen, nicht aber, wie sich der Wasserverbrauch und damit das Maß für die Einleitung verändert.


Einwohnerzahl wächst

Auf die letzte Erhöhung haben die Adelsdorfer mit Sparen reagiert und elf Prozent weniger verbraucht. Da die Kosten aber gleich bleiben, entfällt auf den eingeleiteten Kubikmeter mehr und er wird teurer. Auf der anderen Seite erwartet man durch das Baugebiet am Reuthsee mehr Einwohner, die auch einleiten. Insgesamt liegt man in Größenordnungen zwischen 280 000 und 340 000 Kubikmetern. Ein weiterer Posten der Kalkulation sind anstehende Investitionen, für die im Voraus Rücklagen gebildet werden können.
Deshalb entschied sich das Gremium dafür, dem Gemeinderat eine Erhöhung auf 3,27 Euro zu empfehlen. Das ist ein Euro pro Kubikmeter, würde also pro Familie durchschnittlich jährliche Mehrkosten von 120 bis 140 Euro bedeuten.