Das Standesamt nach Neunkirchen zu verlagern, wurde in der Versammlung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Dormitz abgelehnt, auch eine befristete Übertragung. "Wir können, wollen und werden den Beschluss nicht mittragen. Wir sehen darin einen Abverkauf der VG. Was kommt als Nächstes, wenn ein Amt nicht besetzt werden kann, dann werden weitere Teile abverkauft?", nahm Matthias Fuchs (ÜWB), Zweiter Bürgermeister von Dormitz, deutlich Stellung.
"Es ist ein Unterschied, ob das Standesamt ausgelagert wird oder man die Verwaltung infrage stellt", meinte der Hetzleser Franz Schmidtlein (BHH) dazu.
Personalmangel ist wohl der Grund für diese Überlegungen in der VG gewesen. Für die frühere Standesbeamtin konnte kein Nachfolger gefunden werden. Geschäftsführer Bernhard Weber habe nun schon eine 50-Stunden-Woche, Überlastung der Angestellten in der VG (Dormitz, Hetzles, Kleinsendelbach) sind wohl die Folge des Personalmangels.
In einer mehrseitigen Erklärung zu dem angestrebten Beschluss, das Standesamt abzugeben, wurden die Vorteile, die bereits in einer Informationsveranstaltung im November zusammengetragen wurden, nochmals aufgezeigt. Zum einen werde von staatlicher Seite für interkommunale Zusammenarbeit geworben - das Standesamt böte hier eine gute Gelegenheit. Auch finanzielle Vorteile würde die Auslagerung des Amtes bringen. Ein Standesbeamter müsste aufgrund der wenigen Fälle, für die ein Standesamt benötigt würde, Aufgaben aus anderen Tätigkeitsfeldern übernehmen, die aber niedriger vergütet seien. Die meisten seien aber weniger bereit, andere Aufgaben außer denen des Fachbereichs zu übernehmen. Eine richtige Einarbeitungszeit sei aufgrund der zeitlichen Dringlichkeit nicht gegeben.


Was ist praktikabel?

"Die große Übertragung" sollte nun als interkommunale Zusammenarbeit als Lösung für das Problem der Dormitzer VG dienen. Eine "kleine Übertragung" sei von keiner Seite gewünscht, da weiterhin verschiedene Register an zwei Orten geführt werden müssten, die zuständige Angestellte zu zwei Orten pendeln müsste. Hildegund Fischer (Dorfgemeinschaft) aus Kleinsendelbach betrachtete die wohl in der Informationsveranstaltung aufgezeigte Kostenrechnung für eine neu einzustellende Kraft als zu hoch gegriffen. Die über 1600 Jahresstunden eines Angestellten mit durchschnittlichem Verdienst von 37,21 Euro seien fast 26 Prozent zu hoch angesetzt worden.
Fischer wunderte sich über 5597 Euro Standesamtsgebühren, die die VG einnehme. "Dafür, dass nur alle zehn Jahre jemand ins Standesamt geht", merkte Matthias Fuchs (ÜWB) ironisch an.


Personal nicht verheizen

"Wir haben auch eine Verantwortung unserer Bediensteten gegenüber und müssen zu 100 Prozent Sorge tragen, dass sie ihre Arbeit zu 100 Prozent erfüllen können. Wir können nicht warten, sondern müssen handeln und deshalb das Standesamt nach Neunkirchen verlagern", forderte Kleinsendelbachs Bürgermeisterin Gertrud Werner (UWK), unterstützt durch Schmidtleins Zustimmung. Der Meinung, dass Personal nicht verheizt werden solle, wie Franz Braun (Bürger aus Hetzles und Honings) anfügte, ist auch Dormitz Bürgermeister Holger Bezold (FW). Gespräche mit der Nachbargemeinde Neunkirchen hätten ohne ihn stattgefunden, beschwerte sich Bezold.
Lydia Bänsch (FW) aus Dormitz wunderte sich, warum nicht bereits längst gehandelt wurde, als schon klar war, dass die Standesbeamtin Dormitz verlassen werde. Dem Beschluss, das Standesamt nach Neunkirchen zu verlagern, verweigerten fünf Räte ihre Stimme.
Über Schmidtleins Dringlichkeitsantrag, das Standesamt für zwei Jahre befristet auszulagern, sollte eine namentliche Abstimmung stattfinden. Dagegen stimmten: Holger Bezold, Lydia Bänsch (FW), Matthias Fuchs (ÜWB), Marianne Mirsberger (CSU), alle aus Dormitz, und Hildegund Fischer (Dorfgemeinschaft) aus Kleinsendelbach. Für eine befristete Auslagerung waren: Gertrud Werner, Franz Schmidtlein, Georg Regenfus (Bürgerblock), Zweiter Bürgermeister aus Hetzles, Franz Braun (Bürger aus Hetzles und Honings) und Josef Elsinger, Zweiter Bürgermeister aus Kleinsendelbach (Unabhängige Wählergruppe).