Bamberg — Wie kann es gelingen, Abiturienten fürs Handwerk zu begeistern? Angesichts des Auszubildenden-Mangels eine Frage, die neben anderen Themen der beruflichen Bildung bei einem Gespräch von Vertretern der Handwerkskammer für Oberfranken mit Bundesbildungsministerin Johanna Wanka im Blickpunkt stand. So ging's um die allgemeine Stärkung der beruflichen Bildung in der Gesellschaft, aber auch die Zusammenarbeit von Gymnasien und Handwerk in Oberfranken.
"Eines der wichtigsten Anliegen der Handwerkskammer für Oberfranken ist die erfolgreiche Bewältigung der Azubi-Lücke", stellte Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, klar. Dementsprechend sieht das Strategiekonzept der HWK zur Nachwuchsgewinnung vor, beispielsweise bei den Berufsmessen und der Information von Eltern und Lehrern besonders auf Gymnasien zuzugehen.
"Es soll gelingen, Abiturienten neben der Hochschulausbildung auch Karrierewege im Handwerk aufzuzeigen", erläuterte Rainer Beck, Geschäftsführer der HWK. "Seit Jahren sinkt die Zahl der Mittelschul absolventen stetig, wohingegen die Zahlen der Abgänger von Realschulen und Gymnasien deutlich zunehmen", so Beck. Dieser Trend werde sich in Zukunft sogar verstärken. Vor dem Hintergrund, dass über die Hälfte der Auszubildenden im Handwerk Mittelschulabsolventen sind, verwundere es nicht, dass es zunehmend schwerer werde, die Azubi-Lücke zu schließen.

Fern der Realität

"Leider herrscht in der Gesellschaft noch häufig ein überkommenes Bild vom Handwerk vor, welches fern von der Realität ist", führte Zimmer weiter aus. Dass das Handwerk hochmodern und durchaus konkurrenzfähig zur Hochschulausbildung sei, sei vielen nicht bewusst. So müsse sowohl bei den Schülern selbst, aber vor allem auch bei den Eltern ein Bewusstseinswandel stattfinden.
Deshalb arbeitet die Handwerkskammer in Bayreuth an einem Pilotprojekt, um Gymnasiasten für eine berufliche Ausbildung im Handwerk zu ermuntern. Sie steht bereits mit Gymnasien in Kontakt, mit dem Ziel, Gymnasiasten im Rahmen eines Berufsorientierungstages, ähnlich wie bei den akademischen Tagen, Aus-, Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierepfade im Handwerk aufzuzeigen.
In einem ersten Schritt sind Fortbildungen speziell für die Wirtschafts- und Rechtslehrer und Mittelstufenbetreuer vorgesehen, bei denen Karrieremöglichkeiten im Handwerk für Abiturienten aufgezeigt werden.
Außerdem sollen bereits im Herbst erste Gymnasialklassen in die Berufsmessen der HWK, die bisher mit den Mittel- und Realschulen sehr erfolgreich durchgeführt werden, integriert werden. Langfristig ist eine Ausweitung des Projekts auf ganz Oberfranken vorgesehen.