Noch ist die hausärztliche Versorgung der Marktgemeinde optimal. Bei einem Versorgungsgrad von 110,1 Prozent im Raum Bamberg gibt es jedoch mit Blick auf das schon fortgeschrittene Alter diverser Praxisinhaber Grund zur Besorgnis. Der Marktgemeinderat ließ sich daher vom Kommunalbüro für ärztliche Versorgung am Bayerischen Landesamt für Gesundheit (LGL) und Lebensmittelsicherheit vorbeugend beraten.
Thomas Ewert hatte für seinen Vortrag im Sassanfahrter Schloss den hausärztlichen Planungsbereich Bamberg sowie die fachärztliche Versorgung unter die Lupe genommen. Bei den Hausärzten lautet der Schlüssel ein Arzt auf 1671 Bewohner. Für Hirschaid mit gut 12 000 Einwohnern sind acht Hausärzte registriert, mithin ein guter Schnitt für die Patienten. Die Stadt Bamberg (rund 72 000 Einwohner) sei mit 61 Hausärzten überversorgt, erklärte der Referent. Neue Allgemeinmediziner würden deshalb in Zukunft eher an der Peripherie des Oberzentrums zugelassen. Für die Sicherstellung der ambulanten ärztlichen Versorgung seien im Übrigen ausschließlich die Kassenärztlichen Vereinigungen zuständig. Die Kommunen könnten allenfalls durch die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen zur flächendeckenden und bedarfsgerechten Versorgung der Bevölkerung beitragen. Hiervon, so der Experte vom LGL, sollten die Gemeinden im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auch Gebrauch machen.


Lange Suche nach Nachfolger

Ewert machte jedoch klar, dass Allgemeinmediziner heute kaum noch den Ehrgeiz hätten, 60 und mehr Stunden pro Woche in der Praxis zu sein. Ohnehin sei die früher vorgeschriebene Residenzpflicht aufgehoben. Unter den jungen Medizinern sei auch die Neigung zu beobachten, als angestellte Ärzte zu arbeiten, zum Beispiel in Medizinischen Versorgungszentren oder Filialpraxen. Zu einem MVZ als Eigenbetrieb einer Gemeinde wie Hirschaid riet der Experte ab. Am Standort Hirschaid sei aber eine Niederlassungsförderung von bis zu 60 000 Euro durch das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege möglich, machte Ewert klar. Man müsse sich auf zwei bis drei Jahre Suche nach einem Praxisnachfolger gefasst machen. Bürgermeister Claus Homann (CSU) berichtete über Gespräche mit Hirschaider Ärzten, dass einige sich schon um Pächter bemühen würden.
Zur Steigerung der Attraktivität ihres Standortes könnten die Gemeinden selbst einiges beitragen, erklärte Ewert. Dazu zählte er die Aktivierung oder Vermietung von Praxisräumen, die Bereitstellung von Kita-Plätzen für die Kinder aus einer Arztfamilie, die Anbindung der Praxis an den öffentlichen Personennahverkehr oder die Suche nach einem Investor. Hilfreich seien ferner das regionale Kultur- und Freizeitangebot oder die Unterstützung beruflicher Entwicklungsmöglichkeiten für Partner oder Partnerin eines neuen Arztes. Ob eine Praxis attraktiv sei, hänge zum Beispiel von der Barrierefreiheit, von realistischen finanziellen Forderungen, einem etwaigen Investitionsstau oder der Qualifikation des Praxispersonals ab. Für die Attraktivität der Arztpraxen in Hirschaid spricht nach Beobachtungen von Romana Gensel (WG Regnitzau) das Vorhandensein zahlreicher kostenloser Parkplätze. Doch nicht nur deshalb kämen Patienten bis aus Bamberg und Forchheim nach Hirschaid. Abschließend empfahl Thomas Ewert das Nürnberger Kommunalbüro am Landesamt für Gesundheit als Partner und Ratgeber bei der Suche nach Lösungsoptionen.