Tettau — Lange war Christian Springer als sein Alter Ego "Fonsi" unterwegs. Jetzt hat er das Käppchen des grantigen Kassenwarts abgelegt. Mit seinem Programm "Oben ohne" steht er als er selbst am Samstag in Tettau auf der Bühne. Politisch unbarmherzig und trotzdem spaßig soll es dabei zugehen, verspricht Springer im Interview.

Sie als "Münchner Kindl" - waren Sie denn schon einmal in Tettau, in der Kronacher Gegend oder überhaupt in Oberfranken?
Christian Springer: In Tettau war ich noch nie. Zeit wird's. Oberfranken kenn' ich aber wohl - ich bin ja nicht der Alt-Bürgermeister von München, der gern nach Schwaben abgebogen ist, wenn er in die Oberpfalz wollte.

Was würden Sie sagen - was unterscheidet die Franken von den Bayern?
Ich mag regionale Unterschiede. Sie machen für mich Heimat aus. Die Franken sagen ja gern über sich, dass es manchmal a weng länger dauert, bis Stimmung aufkommt. Aber das kann ich nicht bestätigen. Und für die Hamburger sind wir eh alle Schweizer. Also was soll's.

Um "oben" und "unten" geht's in Ihrem aktuellen Programm - das hat aber nichts mit der Landkarte des Freistaats zu tun, oder?
Nein. In "Oben ohne" geht es auch nicht um FKK, sondern die Verantwortungslosigkeit unserer Führungskräfte. Die nervt uns doch inzwischen alle ganz gewaltig. Und solche Typen knöpfe ich mir gern vor. "Oben ohne" ist ein politisches Kabarettprogramm, gewürzt mit viel Gaudi.

Warum haben Sie den Fonsi in Pension geschickt?
Die Aktentasche des Fonsi hab ich mir 15 Jahre lang unter den Arm geklemmt. Jetzt hab ich Muskelkater. Im Ernst: Ich kann nicht immer von der Bühne herab die Veränderung predigen und selbst bei dem Althergebrachten bleiben. Jetzt war es an der Zeit, die Uniform in die Dauerreinigung zu geben.

Und was macht die Bühnenfigur Christian Springer aus?

Der Christian Springer hat jetzt keinen Schutz mehr durch eine Maskerade. Er ist privater geworden, ernsthafter, vielleicht auch ein wenig böser. Aber ich habe festgestellt, dass das Publikum genau das mag. So was freut mich.

In der Beschreibung Ihres Programms heißt es, es sei ein "politisches Plädoyer für mehr Rückgrat" und dass da auch mal "die Ohren knallrot glühen" dürfen - müssen die Zuschauer Angst haben vor Ihnen oder wird's trotzdem unterhaltsam?
Aber ja! Politische Endlosanalysen überlasse ich den Talkshows. A Gaudi muss sein. Schließlich bin ich halb Quatschkopf, halb politischer Mensch. Das wird man auch auf der Bühne erleben. Doch mich regt es auf, wenn man nicht mehr über mangelndes Rückgrat sprechen darf, weil die Menschen dabei sofort an ein Rezept von Lafer denken.

Die Fragen stellte Miriam Hegner.