Gemeinsam sind sie über 500 Jahre alt: Acht Korbflechter und Flechtwerkgestalter, die sich zur Abschlussveranstaltung der Lebenden Werkstätten ins Deutsche Korbmuseum eingefunden haben. Sie zeigen die ganze Bandbreite eines Handwerks, für das Michelau auch heute noch weit über die Landkreisgrenzen bekannt ist.

Von Anfang April bis Ende Oktober bringen sie den Besuchern des Korbmuseums das Handwerk nahe.

Feinarbeit ist die Königsdisziplin

Das Spektrum der Vorführungen reicht von geschlagener Vollweidenarbeit über Binsengeflechte, Feinarbeiten, Stuhlgeflechte bis hin zur Vorbereitung des Materials. Ilse Schardt, mit 89 Jahren die Älteste der Gruppe, zeigt die Königsdisziplin des Flechthandwerks, die Feinarbeit.

Mit einem sogenannten Spalter wird die geschälte Weide in drei bis vier Teile geteilt. Um gleichmäßige Weidenschienen zu erhalten, wird jedes Teil anschließend mehrfach durch eine Art Querhobel gezogen, bis das Ergebnis den Vorstellungen des Flechters entspricht. Daraus lassen sich nicht nur besonders feine Flechtarbeiten und Miniaturen herstellen, wie Waldemar Backert (88) sie fertigt, sondern auch filigranen Schmuck, wie ihn die Japanerin Megumi Higuchi herstellt. Die 39-Jährige hat in Lichtenfels eine Ausbildung zur Flechtwerkgestalterin absolviert und verbindet die traditionelle Technik ihrer japanischen Heimat mit dem deutschen Handwerk.

Immer noch reine Handarbeit

Auch Werner Herold ist mit der Vorbereitung des Materials beschäftigt. Der Mistelfelder ist der letzte Spankorbmacher des Dorfes, das einst als Hochburg dieses speziellen Handwerks bekannt war. Mit einem scharfen Messer spaltet er von einem Holzstück einen Jahresring nach dem anderen ab. Auch im 21. Jahrhundert ist der Flechtvorgang immer noch reine Handarbeit. Die Idee der "Lebenden Werkstätten" geht auf den Arbeitskreis des Fördervereins Deutsches Korbmuseum zurück. Vorsitzender des Fördervereins Helmut Fischer meint, damit könne das Korbmuseum in den Sommermonaten eine zusätzliche Attraktion anbieten. "Viele Menschen denken, dass es eine Maschine gibt, an deren Ende ein fertiger Korb herauskommt", erklärt Fischer.

Besucherrückgang verzeichnet

Das Korbmuseum verstehe sich auch als Mittler zwischen Korbflechter und Verbraucher. Mit dem museumseigenen Verkaufsraum gebe es den weit und breit größten Korbeinzelhandel mit ausschließlich deutschen Waren. Allerdings verzeichne das Korbmuseum einen Besucherrückgang.