Zu einer Bewährungsstrafe wurde ein 51-Jähriger aus dem Landkreis Haßberge am Donnerstag vor der Strafkammer des Landgerichts Bamberg wegen Vergewaltigung verurteilt. Ein Geständnis des Angeklagten ermöglichte es dem Gericht, "auf kleiner Flamme" zu verhandeln, wie der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt sagte.
Die Tat liegt bereits rund 20 Jahre zurück. Damals lebte der Mann mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern zusammen. Nach einer Erklärung, die sein Verteidiger André Kamphausen verlas, war die Ehe sehr problematisch. Unter anderem habe die Ehefrau weit über ihre Verhältnisse gelebt und große Schulden gemacht. Einmal sei sie mit einem Messer auf ihn losgegangen. Bei dem Angeklagten habe die Situation zu einer Alkoholabhängigkeit geführt.


Keine Erinnerung

Zu einem nicht mehr genau bestimmbaren Zeitpunkt zwischen 1995 und 1998 kam es dann zum erzwungenen Geschlechtsverkehr mit seiner älteren Tochter, die damals zwischen zwölf und 14 Jahre alt war. An die eigentliche Tat könne sich sein Mandant nicht mehr erinnern, berichtete Rechtsanwalt Kamphausen. Allerdings glaube er seiner Tochter und könne sich sein Verhalten nur dadurch erklären, dass er bei dem Mädchen "Trost gesucht" habe. Als der Anwalt verlas, dass sein Mandant die Tat bereue, eine Strafe akzeptieren wolle und sich vor allem wünsche, dass seine Tochter ihm verzeihe, hatte der Angeklagte Tränen in den Augen.
Nebenklage-Vertreter Horst Soutschek gab an, das Opfer habe kein Interesse daran, den Vater ins Gefängnis zu bringen. Wichtig sei ihr nur, dass er einen "Warnschuss" erhalte, da er nach der Trennung von ihrer Mutter wieder geheiratet und mit seiner neuen Frau Kinder bekommen habe. So wolle sie verhindern, dass diesen das Gleiche widerfahre wie ihr.
Zu Beginn des Prozesses wies Richter Schmidt auf die besondere Situation hin. Der Zeitpunkt der Tat sei nicht genau bestimmbar und liege möglicherweise mehr als 20 Jahre zurück. In dieser Zeit hatte es mehrere Änderungen im Strafrecht gegeben, weshalb es schwer zu klären sei, nach welcher Gesetzeslage das Urteil zu sprechen sei. Je nachdem stehe auch eine mögliche Verjährung im Raum. So gab es eine Absprache. Der Angeklagte ließ durch seinen Verteidiger die Tat einräumen, das Gericht verpflichtete sich dafür zu einem Strafmaß im bewährungsfähigen Rahmen.
Durch das Geständnis sollte zudem ein langer Prozess mit vielen Zeugenvernehmungen vermieden werden. Da sich der Angeklagte jedoch nach eigenen Angaben nicht mehr an die Ereignisse erinnern konnte, war zumindest ein Zeuge nötig, der den Tatverlauf wiedergeben konnte. Um der Geschädigten eine belastende Aussage zu ersparen, wurde der Ermittlungsrichter als Zeuge geladen. Dieser bestätigte Schilderungen des Opfers zu der Tatnacht.


Einschätzungen

In seinem Plädoyer sagte Staatsanwalt Thomas Förster, bei dem Angeklagten handle es sich nicht um einen Pädophilen. Er habe eher aus Mangel an Gelegenheit gehandelt, nachdem seine Frau ihn abgewiesen habe.
Verteidiger Kamphausen verwies darauf, dass sein Mandant seine Tochter nicht geschlagen habe. Man könne also auch zum Ergebnis kommen, dass es sich nicht um eine Vergewaltigung gehandelt habe, da er zwar verbotenerweise mit seiner Tochter geschlafen, aber keine Gewalt angewendet habe.
Schließlich verurteilte das Gericht den Mann zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem muss er an die Geschädigte einen Betrag von 1500 Euro zahlen. Als strafmildernd wurde gewertet, dass der Angeklagte Reue zeigte und keine Vorstrafen hat. Es habe sich aber durchaus um eine Vergewaltigung gehandelt, hieß es, da er zwar nicht geschlagen, aber doch seine körperliche Überlegenheit ausgenutzt habe.