von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — "Doch, du hast auf mich eingetreten - ich hatte schon blaue Augen, blaue Arme", so die 44-jährige Angeklagte an den Zeugen gerichtet. Der wiegelte ab: "Aber nicht im Zusammenhang mit dieser Sache." Im Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung wies mancherlei darauf hin, dass sich das einstige Paar öfter nicht grün war.
Der Vorfall, der sich Mitte Juli 2014 mit einem Messer ereignete, hätte auch leicht an höherer Instanz wegen versuchter Tötung zur Sprache kommen können. Glücklichen Umständen ist er zu verdanken, dass er am Donnerstag nur am Amtsgericht verhandelt wurde. "Es ist reiner Zufall, dass es nicht zu mehr Verletzungen kam", schloss Staatsanwalt Michael Koch aus der Aktenlage und den Schilderungen des Polizisten, der am 17. Juli 2014 in der Nacht am Tatort in Bad Staffelstein eintraf. Dort stieß er an der Wohnung der Angeklagten auf deren damaligen Lebensgefährten mit freiem Oberkörper und Blut schmierern auf Kopf und Brust an. "Mit Stichbewegungen von oben nach unten hat sie auf ihn zugestochen", so der Beamte den Vorfall zusammenfassend.
Diesen Vorwurf bestritt die 44-jährige Halbtagskraft nicht. Was sie so in Rage gebracht hatte, waren Eifersucht und ein stattlicher Alkoholpegel von über 1,5 Promille.
Mit einer 20 cm langen Klinge mit scharf geschliffener Spitze sei sie laut Anklageverlesung auf ihren auf dem Sofa liegenden Lebensgefährten zugetreten, um ein Geständnis zu einem Verhältnis zu bekommen, das sie ihrem Freund unterstellte oder dieser gar tatsächlich mit einer anderen Frau hatte. Auf den Oberschenkeln des Mannes sitzend, habe sie ihm das Messer an die Stirn gedrückt und mehrfach gefragt, wie die vermeintliche oder tatsächliche Nebenbuhlerin so sei. Eine oberflächlich blutende Schnittwunde war die Folge und als der Mann die Frau packte, um ihr das Messer wegzunehmen, kam es zu einem Gerangel mit einer weiteren Schnittwunde an der Brust.
Zu dem Zeitpunkt, als die Polizei eintraf, gab die Frau wieder ein beherrschtes Bild von sich ab. "Mein Eindruck war, sie war ruhig und gefasst. Ihre Stimmung ist erst wieder gekippt, als sie erfahren hat, dass sie die Nacht in der Zelle verbringen muss. Da hat sie Unmut geäußert, dass wegen so bisschen Pieksen ein Aufstand gemacht wird", erinnerte sich der Polizeibeamte. Auch sei ihm die Frau "nicht großartig alkoholisiert vorgekommen".
Hieraus schlossen Richterin Anja Wolf-Albrecht und Staatsanwalt Koch, dass die Angeklagte Alkohol gewohnt sein müsse. Es sollte die erste Verurteilung der Frau sein, die bislang unbescholten war. Aber Koch plädierte für eine Geldstrafe, die "deutlich sein soll". Im Einsatz von Messern bestehe "keine adäquate Lösung von Beziehungsproblemen", so Koch, der für eine Zahlung von 4500 Euro plädierte.
Kopfschütteln erntete die in sich gekehrt wirkende Beschuldigte auch von Anja Wolf-Albrecht. "Wenn Sie ständig tätliche Auseinandersetzungen miteinander hatten, dann ist nicht einzusehen, warum Sie nicht voneinander lassen können", so die Richterin den vorherigen Umgang des Paares miteinander streifend. Ihr Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 3600 Euro.