Veronika Schadeck Der Caritas-Verband Landkreis Kronach und der BRK-Kreisverband starten zum 1. Januar mit "Flexible Altenhilfe - Gemeindeschwestern Teuschnitz" und "Gemeindeschwester Oberer Frankenwald" zwei neue Modellprojekte. Aufgabe dieser "Gemeindeschwestern" wird es unter anderem sein auszuloten, was Senioren beziehungsweise pflegende Angehörige benötigen.

Am Mittwochmittag wurde das Modellprojekt, das bayernweit dreimal vergeben wurde, im Landratsamt vorgestellt. Das Projekt wird für zwei Jahre mit einem Volumen von insgesamt 436 000 Euro aus dem bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege und dem Bayerischen Landesamt für Pflege gefördert und wissenschaftlich auch begleitet.

Ziel sei es unter anderem, so CSU-Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner, dass möglichst lange ältere Menschen in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können. Zudem soll am Hochschulstandort Kronach Wissenschaft und Pflege zusammengebracht werden. "Wir starten zum richtigen Zeitpunkt. Das wird ein Standortvorteil sein."

Wie die Geschäftsführerin des Caritas-Verbands, Cornelia Thron, erläuterte, wird es bei den "Gemeindeschwestern Teuschnitz" darum gehen, dass Ansprechpartnerinnen für Pflegebedürftige, ältere Menschen und deren Angehörige eingesetzt werden. Sie beraten und leisten organisatorische Unterstützung mit einem Schwerpunkt auf die pflegerische Versorgung. Es wirken eine Casemanagerin und eine Quartiersmanagerin mit. Erstere wird alle Fragen und Bedürfnisse aus den Haushalten zusammentragen. Sie wird als Clearingstelle wirken, vorhandene Dienstleistungen verbinden, Lücken im Netz füllen und individuelle Lösungen erarbeiten. Beim Quartiersmanagement werden alle benötigten Dienstleistungen zu einem Netzwerk verwoben. Eingebunden werden soll auch das Ehrenamt.

Von der wissenschaftlichen Begleitung erhoffe man sich unter anderem Erkenntnisse darüber, ob solche Konzepte nicht nur in der Region, sondern flächendeckend eingesetzt werden können. Das Projekt wird an den Caritas-Stützpunkt "In der Heimat wohnen" angebunden.

Bessere Vernetzung

Beim BRK-Modellprojekt "Gemeindeschwester Oberer Frankenwald" sollen die Gemeindeschwestern als Netzwerkmanagerinnen und Helferinnen tätig werden. Sie sollen allen Senioren und Angehörigen, Alleinerziehenden und überlasteten Familien bei Schwierigkeiten und Fragen zur Seite stehen, so BRK-Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes. Die Beratung könne Themenbereiche wie beispielsweise Gesundheit, Bewegung, selbstständige Lebensführung, Umgang und Einführung in die digitale Welt, Arztzugang, Telemedizin etc. umfassen. Es gehe auch darum, dass Senioren kulturelle und medizinische Einrichtungen besser kennenlernen und erreichen können. Die "Gemeindeschwester" soll mit Unterstützung von Ehrenamtlichen Senioren, Pflegebedürftige und deren Angehörige beraten und ihnen auch eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Weiterhin gehe es um die Vernetzung und Koordination von sozialen und pflegerischen Strukturen.

Für Jürgen Baumgärtner steht fest, dass dieses Modellprojekt kostengünstig und menschlich ist. "Eigentlich müssten wir uns für jeden Ort einen Kümmerer leisten." Nicht zuletzt deshalb schwebt dem Landtagsabgeordneten in einem zweiten Schritt vor, dieses Modell nach zwei Jahren auf alle Gemeinden auszudehnen. "Das macht die Region in diesen schwierigen Zeiten ein Stück wärmer."

"Wir müssen uns den Herausforderungen stellen", so Landrat Klaus Löffler. Er sprach von einem starken Miteinander der Wohlfahrtsverbände. Er erwähnte die wirtschaftliche Stärke des Landkreises. Es gehe hier auch um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Wir müssen aufpassen, dass Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze in der Region erhalten bleiben." Und: "Es sind zwei Modellprojekte, die bayernweit für Aufsehen sorgen werden."

Laut Ministerin Melanie Huml sollen auch die Kommunen künftig verstärkt Verantwortung im Pflegebereich übernehmen. Daher soll im Laufe des Jahres 2020 eine landesweite Koordinationsstelle eingerichtet werden, die Kommunen bei der Verbesserung der pflegerischen Infrastruktur vor Ort unterstützen. Darüber hinaus soll die Pflegeberatung vor Ort verbessert werden, indem den Kommunen ein Initiativrecht zur Einrichtung von Pflegestützpunkten eingeräumt wird. Der Aufbau von neuen Pflegestützpunkten, die verstärkte Vernetzung und der Wissenstransfer aller Pflegestützpunkte sollen finanziell gefördert werden. Hierfür stehen einmalig Haushaltsmittel in Höhe von 900 000 Euro zur Verfügung. Für Melanie Huml ist aber klar: "Es kommt darauf an, dass die Akteure vor Ort die Initiative ergreifen und die Instrumente nutzen."