von unserer Mitarbeiterin astrid hess

Coburg — 400 Kinder stehen auf der Tribüne der Sporthalle am Anger, schwenken ihre erhobenen Arme synchron im Takt und singen dazu etwas von "50 Millionen Sekunden". Eine merkwürdige Zeitangabe? Was sie bedeutet, das wird am Beginn des gleichnamigen Kindermusicals prompt und detailliert in gesungener Form erklärt: 50 Millionen Sekunden, das sind fünf Tage pro Woche à sechs Stunden, das Ganze neun Monate im Jahr. Es handelt sich also um die ungefähre Gesamtzeit, die ein Schüler durchschnittlich in 13 Jahren in der Schule verbringt.
"Doch ein Leben lang bleibt die Erinnerung", heißt es dazu in der schmissigen Komposition, die für das Schulprojekt "Cantania" in Barcelona bei Joan Vives in Auftrag gegeben wurde und nun in einem besonderen Schulprojekt von Stadt und Landkreis Coburg umgesetzt wurde.
"Singen macht Spaß, Singen macht stark" war das Leitmotiv der elf teilnehmenden Schulen. Landrat Michael Busch bedankte sich bei allen Mitwirkenden: "Es freut mich, dass wir so viele Schulen begeistern konnten und dass auch die Lehrer hinter diesem Schul-Singprojekt standen." Die Lehrer bekamen auch alle erdenkliche Unterstützung in Form einer Fortbildung sowie einer Proben-CD und den Texten. Von der Begeisterung ihrer Schüler in der fünfmonatigen Probenzeit waren die Lehrer begeistert.
Förderschullehrer Michael Balling von der Glockenbergschule Neustadt war vor allem von dem tollen Gruppenerlebnis begeistert. "Wir haben seit Februar fast täglich geprobt und alle Schüler waren immer voll dabei, das Projekt hat auch der Klassengemeinschaft unglaublich gut getan."

Gefühlsduselei ist erlaubt

Der Reiz des Werkes liegt darin, dass typische Schüler- und Schulsituationen nachvollziehbar thematisiert werden, bisweilen mit einem Schuss Gefühlsduselei. Da ist etwa das hektische Aufstehen am Morgen, das von unzähligen guten, aber - aus Kindersicht - auch nicht selten nervigen Ratschlägen der Eltern begleitet wird. Es geht um Lerninhalte und Berufswünsche oder Probleme beim Verknalltsein in die Lehrerin.
Eine besondere Lektion aus dem Bereich Naturwissenschaften bekommen die Zuschauer beim Thema Läuse: "Unser bestes Haustier ist immer treu." Aber auch heiklere Inhalte wie Eifersucht auf jüngere Geschwister oder Mobbing mit dem passenden Verhaltenstipp werden nicht ausgeklammert. Manches verständnisvolle Raunen oder Lächeln unter den Zuhörern, die das Schulalter bereits hinter sich haben, lässt erahnen, dass sich alle noch erinnern.

Applaus für die "Wiederholer"

Sonderapplaus bekommt der kleine Chor der "ewigen Wiederholer" - eine nette Bezeichnung nicht etwa für Sitzenbleiber, sondern für die Lehrer, die stets wieder neu beginnen im Kreislauf schulischer Erziehung. Mit viel Humor führen die beiden Erwachsenen Rita und Victor durch die Cantania. Auch bei den Proben habe es keine erhobenen Zeigefinger gegeben, wie der zehnjährige Jonas von der Grundschule "An der Heubischer Straße" in Neustadt zu berichten weiß: "Wir hatten richtig viel Spaß bei den Proben. Solchen Unterricht hätten wir gerne öfter."
Eine packende knappe Stunde rauscht im Nu vorbei oder genauer gesagt, ungefähre 3287 Sekunden, die sich allenfalls wie 1000 anfühlten. Tosender Beifall war die Belohnung der knapp 1000 Zuschauer in der ausverkauften Angerhalle. Er galt neben den Akteuren vor allem der musikalischen Leitung von Antoinetta Bafas und Volker Klein.
Am Ende waren sicher einige der jungen Sänger einer Meinung mit der neunjährigen Hannah von der Grundschule Neuses: "Ich war erst ganz schön aufgeregt, als ich die vielen Zuschauer sah, aber am Ende hat es viel Spaß gemacht und meinen Eltern und meinem Bruder auch ganz toll gefallen."