von unserer Mitarbeiterin Renate Neubecker

Medlitz — Ab 1. November werden 35 Asylbewerber in der Gastwirtschaft "Goldener Stern" in Medlitz einziehen. Vor kurzem wurde dort noch über eine Woche lang Kirchweih gefeiert. Dann folgte der unangekündigte Besuch von Behördenvertretern von Fiskus und Zoll, jetzt zeichnet sich eine komplett andere Nutzung ab. Ähnlich wie bei einem einstigen Gasthaus in Reckendorf erfolgt eine Umwidmung und die Nutzung als Quartier für Asylbewerber. Bei einer sehr gut besuchten Bürgerversammlung lautete jetzt die alles beherrschende Frage: 35 Flüchtlinge bei 163 Einwohnern im Gemeindeteil von Rattelsdorf, ist das nicht zu viel?
Zu Beginn informierte Bürgermeister Bruno Kellner (VU), dass der Bauantrag für die Nutzungsänderung in der Sitzung des Marktgemeinderats beschlossen werden müsse. Die Sorgen und Anliegen der Bürger würden sehr ernst genommen.
Kellner plädierte für einen freundlichen Empfang der Flüchtlinge.


Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Landrat Johann Kalb (CSU) wollte mit seiner Anwesenheit ein Zeichen setzen, dass die Politik gefragt sei bei diesem Thema. Der Flüchtlingsansturm in dieser Dimension sei neu. Es sei aber kein Katastrophenfall, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Landkreis präferiere statt einer zentralen Unterbringung dezentrale Unterkünfte. Aktuell seien im Landkreis Bamberg 711 Asylbewerber in 14 Gemeinden in 23 Einrichtungen untergebracht. "Wenn jede Landkreisgemeinde 50 Personen aufnimmt, sind das für die Zukunft 1800 Plätze", konstatierte Kalb. Ein Großteil der Bevölkerung stehe den Flüchtlingen positiv gegenüber. Es engagierten sich die Kirchen, die großen Sozialverbände, "Freund statt Fremd" und die Vereine.
"Es müsse organisiert werden und könne gelingen, wenn jeder ein bisschen mit anpackt", stellte der Landrat fest. Abschließend betonte er, dass auf keinen Fall Turnhallen belegt werden sollten, damit der soziale Friede nicht gefährdet werde. An die christlichen Werte erinnerte Pfarrer Braun mit dem Zitat "Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen". Er wünschte sich eine sachliche Diskussion.
Die immer wieder gestellte Frage 35 Flüchtlinge bei 163 Einwohnern und weitere praktische Fragen, beantwortete Uta von Plettenberg vom Jugendamt. Das Verhältnis Einwohnerzahl zur Zahl der Flüchtlinge hielt sie für gut machbar. Im Anfang gebe es immer eine gewisse Skepsis, später liefe es meist gut.
Danach kam Johannes "Hansi" Bauer, der Eigentümer der Gastwirtschaft, zu Wort. Zur Zahl der Asylbewerber sagte er, dass umfangreiche Investitionen notwendig seien. Aufgrund dessen rechne sich eine geringere Zahl nicht. Er wolle den Menschen helfen. Bei ihm seien sie sauber und ordentlich untergebracht. Hilfe sei ihm bereits angeboten worden. Fahrten für die neuen Bewohner könne er mit seinem Bus durchführen. Den Saal im Wirtshaus werde er für Festlichkeiten weiter bereithalten, ebenfalls die Gastwirtschaft mit einigen Tischen, so Bauer.
Angesprochen wurden die Infrastrukturprobleme, wie mangelnde Busanbindung und Einkaufsmöglichkeiten.


Sprachbarrieren befürchtet

Sie gaben ihrer Sorge Ausdruck, dass es sich um traumatisierte Flüchtlinge handeln könne und fürchteten die Sprachbarrieren. Pfarrer Reinhold Braun bot seine Hilfe an, ebenso Bürgermeister Kellner für die Gemeinde. Uta von Plettenberg wies auf die Asylsozialberatung der Awo hin. Sie leiste mit mehrsprachigen Dolmetschern Hilfe in Alltagsfragen. Außerdem gebe es Deutschkurse.
Die Flüchtlinge würden von den Ärzten vor Ort behandelt. Weitere Hilfe gebe es bei "Freund statt Fremd". Sie wies auf die Helferkreise hin, die in einigen Gemeinden bereits vorhanden seien. Der Landrat ermunterte die Bürger zur Offenheit den Asylbewerbern gegenüber. Erforderlich seien Vertrauen und Akzeptanz. Das unterstrich der Pfarrer mit einem Appell an die Hilfsbereitschaft.