Warum sollen Kinder heute noch Latein lernen? Die Antwort kommt dem Studiendirektor Friedbert Stühler (65), der bis Ende Juli Latein, Deutsch und Ethik am Herder-Gymnasium unterrichtete, aus dem Effeff: "Latein ist die Basis vieler europäischer Sprachen und im Lateinunterricht lernen die Schüler ganz intensiv die grammatikalischen Strukturen. Das hilft auch für die eigene Muttersprache. Latein ist auch ein Türöffner für die antike Kultur und für wissenschaftliche Begriffe."
Schon als Schüler am Gymnasium Forchheim entwickelte der gebürtige Hallerndorfer ein Faible für Latein. Über die römischen Philosophen erschloss sich sein drittes Studienfach: An der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen studierte Stühler neben Latein und Germanistik Philosophie. Während seines Zivildienstes, der 1972/73 noch "Ersatzdienst" hieß, in einem Heim der Salesianer für schwer erziehbare Kinder in Pfaffendorf, entdeckte Stühler seine Liebe zum Lehrerberuf. 1981 trat er als Studienrat seine Stelle an.


Gladiatorenkämpfe im neuen Rom

Dem Herder-Gymnasium ist Stühler bis heute treu geblieben. Er schwärmt vom Ambiente des alten Gebäudes in der Luitpoldstraße. In der Namensfindungskommission (1984) schlug Stühler den Kulturphilosophen der Weimarer Klassik Johann Gottfried Herder (1744 - 1803) als Namenspatron der Schule vor. Später gestaltete er mit Schülern die Herder-Ecke.
Beiträge von seinen Schülern brachte er auch in Interpretationen zu "Iphigenie auf Tauris" (Goethe) und zu "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" (Brecht) und zu anderen modernen Autoren ein.
Über seine Heimatstadt verfasste er "Virtuelle Streifzüge". Die Geschichte Forchheims ließ Friedbert Stühler nicht mehr los: Er initiierte gemeinsam mit dem Rotary Club Forchheim den Schreibwettbewerb "Porta Vor chheimensis". Außerdem betreute er den ersten Band "Blickpunkt Porta Vorchheimensis" sowie "Latinitas Vorchheimensis" in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein.
Schullandheimaufenthalte und Studienfahrten vor allem nach Italien und Griechenland bleiben unvergessen. Ein ehemaliger Schüler erinnert sich an seine Romfahrt mit Stühler: "Wir durften unter seiner Anleitung an Originalschauplätzen lateinisch deklamieren und zogen dann auch Gladiatorenkämpfe durch!"


"Ein Lehrer aus Leidenschaft"

Mit ihm geht "ein Pädagoge aus Berufung, ein Lehrer aus Leidenschaft", formulierte die Schulleiterin Ingrid Käfferlein in ihrer Abschiedsrede.
Für den Ruhestand will sich Stühler der Aufarbeitung von liegengebliebenen Vorhaben widmen. Ein Gedichtband mit dem Titel "Die saisonale Club-Poesie", passend zum Aufstieg des 1. FCN in die Bundesliga, ist in Planung.