"Die individuellen Fehler waren das Problem". Ein kurzes, aber wohl treffendes Fazit, zog Haßfurts Trainer Martin Reichert nach dem dritten Eishockey-"Main-Derby" des ESC in dieser Saison, dem ersten in der Landesliga-Zwischenrunde. Mit 5:7 (3:0, 1:4, 1:3) zogen die "Hawks" den Kürzeren gegen die Schweinfurter "Mighty Dogs", die damit weiter vom Aufstieg in die Bayernliga träumen können.
Dass die Hausherren diesem Traum - zumindest über weite Strecken der Partie - eine weitere große Delle hätten zufügen können, spielte nach der Schlusssirene, als die Mannschaft von Trainer Zdenek Vanc mit ihren gut 350 Schlachtenbummlern den hart umkämpften Erfolg feierte, keine Rolle mehr. Dass die Hausherren eine im ersten Abschnitt erarbeitete komfortable 3:0-Führung durch gleich drei Überzahltreffer von Jan Trübenekr, Geburtstagskind Jakub Sramek und Michael Breyer (4., 16., 18.) wieder aus der Hand gaben, ärgerte nicht nur die ESC-Fans. "Es ist halt immer schade, wenn ein Unentschieden oder sogar Sieg drin gewesen wäre. Und das war heute definitiv der Fall. Das ist das Schlimme", sagte Reichert. Die "Mighty Dogs" meldeten sich im zweiten Drittel eindrucksvoll zurück, woran auch Trainer Zdenek Vanc seinen Anteil hatte. "Er hatte deutliche Worte gefunden", sagte Schweinfurts Marketing-Vorstand Steffen Reiser und bestätigte, dass es in der Kabine sehr laut zugegangen ist. Was zusammen mit der anschließenden Spielumstellung aber gefruchtet hat: Mit vier Treffern in Folge (zwei Mal Matthias Kohl, Marc Zajic und Stefan Trolda) stellte Schweinfurt die ersten 20 Minuten sozusagen auf den Kopf. Zumindest machte Haßfurts Topscorer Jakub Sramek an seinem 25. Geburtstag sich selbst und vor allem den "Hawks" nur 43 Sekunden nach der Gästeführung ein tolles Geschenk und erzielte nach einem kurzen Alleingang den 4:4-Ausgleich - sein insgesamt 100. Scorerpunkt im 30. Pflichtspiel (34.).


Einige dicke Patzer

Dass aber Freud und Leid eng beisammen liegen, musste der Torschütze im Schlussabschnitt zwei Mal schmerzlich erfahren: Ausgerechnet Sramek vertändelte, nachdem zuvor bereits ESC-Schlussmann Michael Tscherepanow aufgrund eines ebenso dicken Patzers die erneute ERV-Führung durch Marek Proks ermöglicht hatte (52.), den Puck an den Schweinfurter Kapitän Dion Campbell. Der Kanadier ließ sich die Gelegenheit, auf 4:6 zu erhöhen, nicht entgehen (54.). Zwar gelang ESC-Topscorer Nummer 2, Michal Babkovic, im Gegenzug nochmals der Anschlusstreffer. Mit seinem zweiten Ausrutscher im eigenen Angriffsdrittel ermöglichte erneut Sramek dann einen schnellen Tempogegenstoß der Gäste, den Stefan Trolda (56.) zum K.o. für die Hawks nutzte.
Dennoch zeigte sich Martin Reichert mit der Leistung der Mannschaft einverstanden. "Mit dem Spiel muss man zufrieden sein. Im ersten Drittel waren wir überlegen, haben super gespielt und dabei alles, was wir vor hatten, umgesetzt." Mehrere Knackpunkte seien dann "leider die individuellen Abspiel- und taktische Fehler" gewesen, die "einfach nicht passieren" dürfen. Für Steffen Reiser war es ein für Schweinfurt "typisches Spiel. In den ersten 20 Minuten phlegmatisch, mit dummen Strafzeiten oder oft einen Schritt zu langsam." Der Sieg sei aus seiner Sicht letztlich aber "hochverdient".
ESC-Kapitän Christian Dietrich sagte: "Wir haben 3:0 geführt. Scheinbar war danach wieder irgendwas in der Mannschaft, und Schweinfurt ist wieder zurückgekommen. Das hätten wir nicht zulassen dürfen. Am Ende war es ein heißer Kampf. Letztlich hat Schweinfurt dann verdient gewonnen, weil wir einfach zu viele Fehler gemacht haben."
Bereits am kommenden Freitag treffen beide Mannschaften in Schweinfurt erneut aufeinander, ehe die die Haßfurter die Zwischenrunde und damit auch die Saison am Sonntag, 11. März, beim ERSC Amberg endet.


Die Statistik

ESC Haßfurt: Tscherepanow, Dietz - Hora, Stahl, Marc. Hildenbrand - Trübenekr, Lang, Babkovic, Franek, Sramek, Dietrich, Stach, Breyer, Vollert / ERV Schweinfurt: Dirksen, Keßler - Adam, Knaup, Heckenberger, Kleider, Faust, Schäfer, Marquardt - Kohl, Manger, Zajic, Campell, Trolda, Amrhein, Rabs, Proks / SR: Miel, Freist, Kaderabek / Zuschauer: 1161 / Tore: 1:0 (4.) Trübenekr (Sramek) 5-4, 2:0 (16.) Sramek (Lang) 5-4, 3:0 (18.) Breyer (Franek, Babkovic) 5-4, 3:1 (25.) Zajic (Kleider, Manger), 3:2 (27.) Kohl, 3:3 (32.) Trolda (Faust), 3:4 (34.) Kohl (Kleider), 4:4 (34.) Sramek (Marx), 4:5 (52.) Proks (Amrhein, Trolda), 4:6 (54.) Campell (Proks) 5-4, 5:6 (54.) Babkovic (Franek, Hora) 5-4, 5:7 (56.) Trolda (Amrhein) / Strafzeiten: Haßfurt 16 / Schweinfurt 20.