Leserbrief zur geplanten Gewerbebebauung in der alten Kaserne in Ebern:

Urlaub, Entspannung neben einer Fabrikhalle? Das fragen wir uns. Würden Sie an einem verlängerten Wochenende, in Ihrem Jahresurlaub ein Hotel buchen, das direkt neben einer Fabrik steht? Wir würden hierzu gerne unsere Meinung, Gedanken, Existenzängste, Bedenken und Befürchtungen mitteilen.
Wie man aus den Zeitungsartikeln lesen konnte, hat die Stadt Ebern richtig erkannt, dass es der Gastronomie an Nachwuchs und Personal seit langem mangelt und dadurch immer mehr Gastwirtschaften und Hotels schließen müssen. Wie auch in der Stadt Ebern würden bald weitere 20 Betten fehlen. Gleichzeitig ist sich Bürgermeister Hennemann sicher, dass ein weiteres Hotel in Ebern laufen würde.
Unser Landhotel besteht mittlerweile seit sieben Jahren und wir kommen auf bis zu 700 Übernachtungen im Monat. Die Anzahl der Arbeitsplätze, die wir hier schaffen, beläuft sich auf über 20. Zu unseren Gästen zählen Fußballmannschaften, Geschäftsleute aus der ganzen Welt, Motorrad- und Wandergruppen (Burgenstraße), die unsere herrliche Gegend, Rad- und Wanderwege, die zentrale Lage, vor allem aber diese Ruhe zu schätzen wissen und deshalb auch gerne mal eine halbe bis dreiviertel Stunde Fahrtzeit vom Arbeitsplatz ins Hotel in Kauf nehmen.
Auch Gäste, die in der Frauengrundhalle ihren "schönsten Tag des Lebens" oder Geburtstage mit der Verwandtschaft feiern wollen, nutzen unsere Zimmer, die nur einen Katzensprung entfernt sind, fast jedes Wochenende. "Es ist so toll hier, dass die Kinder auf dem Fußballfeld nebenan auf und ab springen und sich einfach austoben können" - diese Aussage hören wir zu oft und können dem nur zustimmen.
Ob dies noch so sein wird, wenn in unmittelbarer Nähe eine Fabrik steht, ist mehr als fraglich: Lärmbelästigung durch
Schichtbetrieb, Beginn 6 Uhr, bis 22 Uhr, Anlieferung und Abholungen der Ware durch Lkw, Geruchsbelästigung, Gäste sitzen im Biergarten, schlafen im Sommer mit offenem Fenster.
25 neue Arbeitsplätze, das ist mit Sicherheit eine tolle Sache. Nur, macht es Sinn, diese zu erschaffen, wenn im Gegenzug eventuell gleichzeitig über 20 Stellen so nach und nach durch unser Hotel und Restaurant verloren gehen? Wenn Gäste im Netz über Portale bewerten und aus den oben genannten Hauptgründen nicht mehr zu uns kommen? Die Stadt Ebern legt doch sehr viel Wert auf den Tourismus, oder nicht?
Das neue Objekt ist mit Sicherheit etwas Besonderes, darum geht es auch nicht. Aber muss dieses denn genau auf diesem Platz errichtet werden?
Wir geben Herrn Walter Ullrich vollkommen Recht, wenn er sagt, dass das Gelände an der Frauengrundhalle zu einem Festplatz ausgebaut werden könnte, wie sich bereits kürzlich beim Alt-Opel-Treffen erst gezeigt hat. Wir haben das Gefühl, dass den Befürwortern gar nicht bewusst ist, welche Konsequenzen dieser "architektonische Bau" für den Tourismus und die Gastronomie in der Region, für die Angestellten unseres Betriebes, für unsere Existenz haben könnte, weil sich keiner reinversetzt, hier nicht vor Ort und tagtäglich mit den Gästen in Kontakt ist. Wir fragen uns, was für Ebern wichtiger ist: ein architektonischer Bau mit 25 Arbeitsplätzen oder ein gut laufendes Hotel mit circa 700 Übernachtungen im Monat, Gastronomie für die Bevölkerung und Tourismus. Wir hoffen auf Verständnis und dass diese Sache - wenn nicht eh schon zu spät - nochmals überdacht wird.
Katrin Heber und Steffi Buss
Ebern