Von unserem Mitarbeiter
KLaus Gagel

Lichtenfels/Neuensee — "War das ein hartes Wochenende!" Noch immer steht Rudolf Herbst aus Neuensee unter dem Eindruck des Erlebten. Doch es hat sich gelohnt. Stolz präsentiert der passionierte Linedancer seine Urkunde. Gemeinsam mit seinen Freunden von der Line-Dance Gruppe "Dancing Cowgirls & Friends" hat er zum Gelingen des 5. Weltrekords "Eine Stunde Linedance zu 20 Choreografien" in St. Anton am Arlberg beigetragen sowie am Couple- Dance-Weltrekord teilgenommen.
Schon zum dritten Mal darf sich Rudolf Herbst damit als Mitinhaber eines Linedance-Weltrekords fühlen, doch jedes Mal werden die Bedingungen härter. Denn es ist eine Massenveranstaltung, die da in St. Anton veranstaltet wird, und um einen neuen Weltrekord zu schaffen, müssen es stets mehr Teilnehmer sein als beim vorausgegangenen Weltrekordversuch.
Damit ist St. Anton inzwischen zum Mekka der Linedancer geworden und die Herausforderung, der sich jeder Teilnehmer stellt, hat es in sich. Sieben Stunden Anfahrt im strömenden Regen hat Rudolf Herbst auf sich genommen, um wieder dabei zu sein. Immerhin ist es sein dritter Weltrekordversuch, dem er sich stellen will.
Doch bevor es mit dem Experiment losgeht, heißt es schnell noch Üben für einen Partnertanz. Denn beim "Couple Dance", wie die Disziplin offiziell heißt, ist ein Tänzer ausgefallen. Bereitwillig springt Rudolf Herbst ein. Zum Glück, wie sich noch zeigen wird.
Vor dem Linedance-Weltrekordversuch gibt es noch eine Schau der ganz anderen Art, den "Schlangentanz" durch St. Anton. Fast eineinhalb Kilometer ist die Schlange lang, die von unzähligen Tänzern gebildet wird die sich tanzend durch den österreichischen Wintersportort bewegt. An zahllosen Orten gibt es die entsprechende Musikbeschallung.
Im Anschluss daran findet dann die Generalprobe für den eigentlichen Weltrekordversuch statt. Gerade mal eine Stunde bleibt Zeit zur Erholung. "Aber was macht ein Linedancer? Der erholt sich zehn Minuten und danach geht die Party weiter," so Rudolf Herbst.
Am Samstagabend war dann der Rekordversuch zum Couple-Dance. Letztes Jahr waren es 227 Tanzpaare und dieses Jahr waren es 229 Tanzpaare. Damit wurde der bisherige Rekord um exakt zwei Tanzpaare übertroffen. "Wenn ich nicht eingesprungen wäre und ein weiteres Ehepaar, das schnell noch die Tänze gelernt hat, wäre die Sache schiefgelaufen," doch so ist der erste Weltrekordversuch bereits geglückt.
Doch die größte Herausforderung steht noch bevor, das weiß Rudolf Herbst aus den Vorjahren. "Eine Stunde Line-Dance zu 20 Choreografien" das hört sich auf den ersten Blick harmlos an, ist es aber nicht, wenn wie dieses Jahr 1321 Tänzer gleichzeitig an den Start gehen.
Die riesige Halle reicht auch in St. Anton längst nicht mehr aus. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer tanzen noch in der Halle, das restliche Drittel direkt vor der Halle in einem Zelt. Durch eine Videoübertragung sind beide Orte miteinander verbunden, denn alles muss synchron ablaufen.
Acht Schiedsrichter und Kameras überwachen das Geschehen. Egal was passiert, selbst wenn der Strom ausfällt, dürfen die Linedancer nicht stehen bleiben.
Schon ohne große körperliche Aktivitäten entspricht die Wärmeabgabe des menschlichen Körpers der einer 100-Watt Glühbirne. Das steigert sich enorm bei körperlicher Betätigung. Wenn fast eintausend Tänzer sich gleichzeitig in einer Halle bewegen, von den rund 2000 Zuschauern auf der Tribüne einmal abgesehen, entsteht trotz laufender Ventilatoren ein unglaublicher Hitzestau.
"Ich habe geschwitzt ohne Ende, sämtliche Kleidungsstücke klebten am Körper", erinnert sich Rudolf Herbst. Als es endlich geschafft ist, ist der Jubel grenzenlos, vor allem, weil man nur wenige Ausfälle zu beklagen hatte. Von den 1231 Startern kommen 1194 in die Wertung und das ist ein neuer Weltrekord.
Ob es sein letzter Weltrekord war, weiß Rudolf Herbst noch nicht. Momentan gibt es keinen Ort, der gegenüber St. Anton als Herausforderer antreten will. Doch sollte es einen neuen Weltrekordversuch geben, Rudolf Herbst aus Neuensee wäre mit großer Wahrscheinlichkeit dabei.