von unserer Mitarbeiterin Janine Weber

Kronach — Ein 22-jähriger Mann aus dem Landkreis Kronach stand gestern wegen Körperverletzung, Drogenhandels und Beleidigung vor dem Amtsgericht in Kronach. Bestraft wurde er mit vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zudem wurden ihm die Kosten des Verfahrens auferlegt.

Körperverletzung

Der Angeklagte gab während der Verhandlung zu, am 20. August 2014 einem jungen Mann gegen die Hüfte beziehungsweise in den Rückenbereich getreten zu haben. Das Opfer fiel daraufhin zu Boden, zog sich dabei aber keine schlimmeren Verletzungen zu.
Der Vorfall ereignete sich in der Kulmbacher Straße gegen 1 Uhr nachts. Eigenen Angaben zufolge beging der Angeklagte die Tat deshalb, weil er zwei ihm bekannte Mädchen "beschützen" wollte. Er dachte, diese würden sich in einer Auseinandersetzung mit dem Opfer befinden. Aus den Zeugenaussagen von einem der Mädchen und dem Geschädigten konnte man jedoch schließen, dass für die jungen Frauen keine Bedrohung bestand und das Opfer sich wenige Sekunden vor dem Tritt bereits von ihnen abgewendet hatte.

Objektiv oder subjektiv

Verteidiger Christian Barthelmes plädierte auf fahrlässige anstatt auf vorsätzliche Körperverletzung. Er betonte, man müsse zwischen dem objektiven und subjektiven Tatbestand unterscheiden. Denn objektiv betrachtet sei die Tat der Situation nicht angemessen gewesen, aber der Täter selbst sei in diesem Moment davon ausgegangen, den Mädchen zu helfen.
Staatsanwältin Susanne Heppel schenkte dem Ganzen wenig Glauben und hielt die Behauptung der Notwehrsituation für eine "Schutzbehauptung". Richter Seifert verurteilte den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung, da er "zugetreten hatte, obwohl zu diesem Zeitpunkt keine Bedrohung mehr vorlag".

Drogenhandel und Beleidigung

Der Angeklagte musste sich zudem wegen Handels mit Betäubungsmitteln sowie wegen Beleidigung verantworten. Diese Taten ereigneten sich ebenfalls im vergangenen Jahr, am 28 September.
Der Angeklagte räumte ein, einer 23-jährigen Lichtenfelserin Heroin beschafft und verkauft zu haben. Die junge Frau kaufte dem Angeklagten eine geringe Menge, zirka 0,5 Gramm, für 20 Euro ab. Sie war jedoch der Meinung, dass das Heroin von schlechter Qualität sei. Als der Angeklagte ihr das bezahlte Geld nicht zurückgeben wollte, zeigte sie ihn wenig später bei der Polizei in Kronach an.
Am selben Tag soll der Angeklagte die junge Frau unsittlich berührt haben. Sie behauptete, dass er sie gegen ihren Willen belästigte. Der Beschuldigte widersprach und erklärte, dass sich die beiden lediglich gestritten hätten, er sie jedoch nicht belästigt habe.
Sein Verteidiger hielt die Aussagen dieser Zeugin für denkwürdig. "Bei ihren Aussagen kommt es in manchen Details zu Widersprüchlichkeiten, dabei war der Sachverhalt sehr kurz", so der Anwalt. Richter Seifert und Staatsanwältin Heppel hielten die Zeugin hingegen für glaubwürdig.

Kein Unbekannter vor Gericht

Der Angeklagte ist kein Unbekannter vor Gericht. Zum Zeitpunkt der Taten stand er noch unter Bewährung. Wegen gefährlicher Körperverletzung, Fahrens ohne Erlaubnis, Unterschlagung und schweren Raubs verurteilte ihn das Landgericht Coburg 2011 zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und acht Monaten.
"In will meine Therapie zu Ende machen, ein drogenfreies Leben führen und eine Ausbildung machen", sagte der Angeklagte, bevor sich der Richter Gerold Seifert zur Urteilsfindung zurückzog.

Freiheitsstrafe gefordert

Staatsanwältin Heppel forderte zuvor eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Rechtsanwalt Barthelmes forderte hingegen eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen à zehn Euro.
Abschließend verurteilte Richter Gerold Seifert den jungen Mann zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen. Der Richter äußerte zwar Bedenken, wünschte dem Verurteilten aber hoffnungsvoll, dass er seine Drogenproblematik in Zukunft in den Griff bekommt.