Viele glückliche Gesichter waren am Montagnachmittag bei der Vergabe der Fahrräder zu sehen. Bereits zum zweiten Mal teilte die Caritas Forchheim zusammen mit dem Fränkischen Tag Fahrräder an Flüchtlinge und Bedürftige aus.
Im vergangenen Sommer entstand die Idee zu der Aktion. Um Flüchtlingen das Leben in Deutschland zu erleichtern und auch bedürftigen Deutschen unter die Arme zu greifen, wurden die FT-Leser aufgerufen, ihre alten Fahrräder zu spenden. 56 Stück kamen zusammen. Im Oktober wurden 26 Räder wieder in Schuss gebracht und verteilt. Am Montag wurden weitere 20 Drahtesel ausgegeben, die zuvor mit Hilfe des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) wieder fahrtüchtig gemacht worden waren.
Zahlreiche Flüchtlinge aus Forchheim und dem Landkreis waren gekommen, um sich ihre Räder abzuholen. Sie wurden an die Anwesenden verlost. Nachdem alle Fahrräder einen neuen Besitzer gefunden hatten, wurden die Asylbewerber von zwei Polizisten über das richtige Verhalten im Straßenverkehr aufgeklärt. Christian Ried und Josef Kohlmann versuchten mit Händen und Füßen die Straßenschilder und die Verkehrsregeln zu vermitteln. Unterstützt wurden sie von Übersetzerin Shaza Alrihawi.
Die 37-Jährige ist selbst ein Flüchtling aus Syrien und lebt seit zehn Monaten nun in Deutschland. "Ich möchte den anderen helfen", erklärt sie auf Englisch.
In Damaskus arbeitete Alrihawi für die Vereinten Nationen (UN). Dort half sie Flüchtlingen und Frauen, die in Gefahr waren oder bedroht wurden. Nebenher unterstützte sie in ihrer freiwilligen Arbeit als Sozialarbeiterin in Not geratene Frauen. Diese Frauen wurden sexuell misshandelt oder von ihren Familien ausgestoßen und verletzt. Bisher kümmert sie sich in Deutschland nur um Flüchtlinge, sie möchte aber auch Frauen helfen, die in Not geraten sind und nicht mehr weiterwissen. Auch Alrihawi musste ihr Land wegen des Krieges verlassen. Nun ist sie froh in Deutschland zu sein.
In Syrien hat sie ihr Bachelor-Studium in Soziologie abgeschlossen und ihren Master bereits begonnen. In Deutschland möchte sie dieses nun beenden.
Nach der 15-minütigen theoretischen Einweisung wurden die Flüchtlinge von Ried und Kohlmann auf die Straße gelassen. Zusammen mit den Polizisten mussten sie das Gelernte in die Praxis umsetzen. Im realen Straßenverkehr probten die Männer und Frauen unter anderem die Rechts-vor-links-Regel. Danach radelten sie - stolz über ihren neuen Besitz - in ihre Unterkünfte.