Nach 1945 standen die heimischen Geldinstitute, die Vereinigte Sparkassen Kronach, die Kreis-Sparkasse Ludwigsstadt, die Spar- und Darlehenskassen, die Volksbank Ludwigsstadt eGmbH sowie die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank AG, vor einem Berg von Problemen. Die Reichsmark verlor immer schneller an Wert, die teilweise durch regelrechte Sachwertwährungen wie Zigaretten ersetzt wurde. Zwangsbewirtschaftung aller Waren, Bezugsscheine, Kompensation und schwarzer Markt bestimmten die an den Kriegsfolgen leidende Wirtschaft.
1948 war dann die entscheidende Wende zum Besseren eingeleitet worden, und zwar durch das große Wirtschafts-Wiederaufbauprogramm der USA (Marshallplan) - am 3. April 1948 vom amerikanischen Kongress verabschiedet - sowie die Währungsreform vom 20. Juni 1948, die dann einen Tag später als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel galt. Die Währungsreform gehört zu den bedeutendsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Nachkriegszeit, allerdings mit schmerzlichen Einbußen für Sparer und Rentner. In der Regel gab es für zehn Reichsmark lediglich eine Deutsche Mark. Sachwertbesitzer und Schuldner profitierten dagegen von den Umtauschmodalitäten.


13 000 Anträge

Jeder Bürger erhielt 40 Mark, später noch einmal 20 Mark. Damit war für die heimischen Banken eine zusätzliche Arbeit verbunden. Innerhalb der Umtauschfrist von sechs Tagen mussten die Angestellten der Sparkasse Kronach über 13 000 Anträge bearbeiten. Bereits am 18. Mai 1945 konnten die Schalter der Sparkasse Kronach mit Genehmigung der Militärregierung wieder geöffnet werden. Sowohl zu den sechs Sparkassen-Geschäftsstellen der Vereinigten Sparkassen Kronach als auch zu anderen Geldinstituten bestand noch keine Postverbindung. Der Neubeginn war sehr schwierig und voller Überraschungen. Nur durch einen Kurierdienst konnten die dringlichsten Geschäfte abgewickelt werden.
Als kommissarischer Sparkassenleiter fungierte Christian Geng. Am 3. November 1946 übernahm dann Albert Hertel die Verantwortung in Kronach, die er bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts innehatte. In seiner menschlichen Art wurde Hertel zur Symbolfigur des wirtschaftlichen Aufstiegs. Erst im Herbst 1945 ergab sich bei der Sparkasse eine halbwegs planmäßige Abwicklung des Geschäftsbetriebs. Die Nachfrage nach Wirtschafts- und Baukrediten hielt sich zunächst in einem bescheidenen Rahmen. Schließlich befand sich Deutschland in einer Art Schockstarre. Mit der Währungsreform und dem Marshallplan änderte sich die wirtschaftliche Situation ganz entscheidend, wenngleich vom Otto-Normalverbraucher erhebliche Opfer abverlangt wurden.
Die Eröffnungsbilanz der Sparkasse wies 1949 ein Umstellungsguthaben von 3,4 Millionen Mark aus. Darin waren über 1,7 Millionen Mark an Spareinlagen enthalten. Die Ausleihungen standen gar nur mit mageren 134 720 Mark zu Buche.
Die Schaffung der Demarkationslinie führte bei der Kreissparkasse Ludwigsstadt zum Verlust von fast einem Drittel ihrer Kunden. Schwierig war vor allem der Neubeginn nach der Währungsreform. Die Einlage von 25 Millionen Reichsmark schrumpfte über Nacht auf ganze 913 000 Mark zusammen. Trotzdem: Für den Wiederaufbau und den Neubeginn war die Kreis-Sparkasse zu einem unentbehrlichen Finanzierungspartner geworden.
Kleinere Brötchen musste zunächst auch die 166 Mitglieder zählende Volksbank Ludwigsstadt unter der Leitung von Direktor Ludwig Reissig (bis 1971) backen. Die DM-Eröffnungsbilanz 1948: Bilanzsumme 124 000, Einlagen 96 000 und Ausleihungen 2893 Mark.


Über 30 Institute

Nach Kriegsende gab es im Landkreis Kronach weit über 30 Spar- und Darlehenskassen. Fast in jedem Ort befand sich eine Genossenschaftskasse, die heute als Volks- und Raiffeisenbanken firmieren. Es ging erfreulich unkompliziert zu. Teilweise wurden die Bankgeschäfte im Wohnzimmer des Geschäftsführers abgewickelt. Im Zeitalter der Computer heute ein Ding der Unmöglichkeit.
Oberrevisor Richard Müller aus Wallenfels war nach Kriegsende von der amerikanischen Militärregierung in Kronach beauftragt worden, monatlich die Sparguthabenbestände sowie die Rohbilanzzahlen der Spar- und Darlehenskassen dem zuständigen Finanzoffizier zu melden. Mit seinem Fahrrad fuhr der Wallenfelser bei Wind und Wetter im gesamten Frankenwald herum. Dies brachte ihm bei der Militärregierung den Beinamen "Fahrrad-Banker" ein. Die Lehrlinge mussten fast zum Null-Tarif arbeiten: Das Lehrlingssalär im ersten Jahr betrug 14 Mark monatlich, im dritten Jahr bekam der angehende Bankkaufmann schon 24 Mark für seine Monatsarbeit.
Die seit 1921 in Kronach etablierte Filiale der Hypotheken- und Wechselbank AG hatte ihr Domizil im Fachwerkhaus Fillweber und wurde von Direktor Harry Freude geleitet. Am 30. April 1956 erfolgte der Umzug in das Patrizier-Haus Pfretzschner. In den 50er und 60er Jahren erhielten insbesondere Industrie- und Handwerksbetriebe mit über die KfW beziehungsweise LfA refinanzierte zinsverbilligte Darlehens-Kredite.


Zweigstelle eröffnet

Am 5. Juni 1961 wird in Kronach mit der Eröffnung einer Zweigstelle der Bayerischen Staatsbank - die 1971 mit der Bayerischen Vereinsbank fusionierte - unter der Leitung von Rudolf Eisendraut das Bankenangebot erweitert. In den 80er Jahren gesellte sich eine Zweigstelle der Flessabank in der Lucas-Cranach-Stadt hinzu.