Stephan Herbert Fuchs

Weil sie ihren Ehemann zu Unrecht wegen einer Körperverletzung angezeigt hatte, musste sich eine 19-Jährige aus dem Landkreis vor dem Amtsgericht verantworten. Die arbeitslose Verkäuferin war Ende Januar bei der Polizeiinspektion in Stadtsteinach erschienen und hatte angegeben, dass ihr Mann gewalttätig gegen sie vorgegangen sei. Unter anderem soll er sie in den Schwitzkasten genommen und sie brutal auf das Bett geschubst haben.
Nichts davon entsprach der Wahrheit. Vier Tage später rief die Frau erneut bei der Polizei an und nahm die Anzeige wieder zurück. "Ich habe eingesehen, dass es falsch war", sagte sie. Zu diesem Zeitpunkt waren die Ermittlungen freilich längst angelaufen.
Maßgeblich für die Anzeige seien die Eltern der Frau gewesen, die mit dem Ehemann seit der Heirat vor knapp einem Jahr wohl nicht einverstanden waren. Sie sollen die junge Frau gedrängt haben, zur Polizei zu gehen. Aus Angst vor den Eltern habe sie das damals auch getan und sich nichts dabei gedacht.


Aufpasser mitgeschickt

Um zu überprüfen, ob sie auch wirklich zur Polizei geht, sollen die Eltern damals einen Bekannten als Aufpasser mitgeschickt haben. Für einige Tage war die Angeklagte Anfang des Jahres sogar aus der ehelichen Wohnung ausgezogen und zu den Eltern zurückgekehrt.
Mittlerweile habe sie allerdings den Kontakt zu den Eltern komplett abgebrochen. Auch mit dem Ehemann sei wieder alles gut. Er habe von dem angespannten Verhältnis zu den Eltern gewusst und die Sache offenbar gar nicht so ernst genommen.
Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bezeichnete das Verhalten der jungen Frau als unreif. Offenbar habe die Angeklagte wirklich nur dem Willen der Eltern entsprechen wollen.
Auch Jugendrichter Christoph Berner sprach von einer "ziemlich atypischen Angelegenheit".
Weil die Frau relativ bald ihren Fehler zugegeben und korrigiert und sich anschließend auch in medizinische Behandlung im Bayreuther Bezirkskrankenhaus begeben hatte, stellte er das Verfahren in Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft ein.