16 Bürgermeister und deren Stellvertreter aus dem Kreis Podborany (auf deutsch Podersam) kamen mit einem Bus nach Kronach, um hier in der "Podersamer Heimatstube" Urkunden, Unterlagen und Bilder der gemeinsamen deutsch-tschechischen Heimat zu sichten. Außerdem wurden die intensiven Kontakte weiter gepflegt, die sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Hier ist ein außerordentlich gutes Beispiel zu sehen, wie sich über die Nationengrenzen hinweg das Interesse am gemeinsamen Erbe entwickelt.
Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein zeigte sich begeistert über das neuerliche Zusammentreffen. Maßgeblich seien Uta und Heidi Bräuer, die diese Heimatstube in der Lucas-Cranach-Geburtsstadt betreuten. Zum Kriegsende seien mehr als 400 Vertriebene aus dem Bereich Podersam in die Kreisstadt gekommen, die hier eine neue Heimat gefunden haben. In der Podersam-Jechnitzer Heimatstube werde diese alte Heimat dargestellt. Bereits 1955 - im Geburtsjahr des heutigen Kronacher Stadtoberhauptes - habe die Stadt Kronach eine Patenschaft übernommen. Die Flüchtlinge von damals fanden eine neue Heimat. Deren alte Heimat spiegele sich heute in der Heimatstube wider.
Der Bürgermeister von Kriegern, Miroslav Brda, war schon vier Mal in Kronach, auch mit Schülern und Lehrkräften. Ein Historiker aus Pomeisl (Nepomšl) war bereits zum fünften Mal hier.
Podboranys (Podersams) Bürgermeister Radek Reindl freute sich über das neuerliche Zusammentreffen in Kronach. "Wir sind 16 Bürgermeister aus unserem Landkreis. Unsere Region ist heute ohne Regierung", meinte er scherzhaft in gutem Deutsch. Für einige von ihnen sei das in der Heimatstube Dargestellte und Aufgehobene neu.
Bürgermeister Radek Reindl erinnerte an eine Chronik über die letzten hundert Jahre im Landkreis Podersam. Darin sei die aktuelle tschechische Geschichte enthalten, aber ebenso die dank den Quellen in der Podersamer Heimatstube die Erinnerungen an die deutschen Jahre. Uta und Heidi Bräuer wurden in Podersam geboren, 1946 von dort vertrieben. Seit 1986 betreiben sie die Podersamer Heimatstube und engagieren sich für ein intensives Miteinander mit den heutigen tschechischen Einwohnern.
Bürgermeister Reindl war schon vorher Zweiter Bürgermeister und hatte Kontakt mit den Bräuers. Die gemeinsame Geschichte faszinierte ihn. Für die Chronik sollte unbedingt nicht allein die tschechische Geschichte verwendet werden. Die Podersamer Heimatstube in Kronach war hierfür eine fantastische Quelle. "Wir haben alle Informationen dann auch für unsere Chronik verwendet."
Rainer Glissnik