Die Meisterfeiern sind noch nicht abgeschlossen, da dreht sich das Personalkarussell beim dreifachen Double-Gewinner bereits rasant. Vor allem mit dem wertvollsten Spieler der Finalserie, P.J. Tucker, dem besten Defensivspieler der Liga, Anton Gavel, und dem als Scharfschützen und Passgeber gleichermaßen glänzenden Spielmacher Brian Roberts wollen die Brose Baskets auf jeden Fall verlängern. Aber auch der sich in blendender Form präsentierende Karsten Tadda soll nach Auskunft von Manager Wolfgang Heyder seiner Heimatstadt ebenso unbedingt erhalten bleiben wie Nachwuchstalent Daniel Schmidt.

Gavel könnte Deutscher werden


"Wir haben in diese Richtung Signale gesetzt, aber das wird sicher nicht von heute auf morgen passieren", so der Manager. Sollte Gavel seinen Vertrag in Bamberg verlängern, werden der Slowake und die Brose Baskets ein Einbürgerungsverfahren einleiten. Der 27-Jährige ist seit acht Jahren in Deutschland, hat hier sein Abitur gemacht und hat nach anfänglichem Zögern diesem Schritt nun zugestimmt, wie er in einem Interview bestätigte. "Es besteht die Möglichkeit ab dem 12. Januar. Wir haben da ein Signal bekommen. Und wir wollen das Einbürgerungsverfahren ab September richtig in Bewegung setzen. Aber Anton ist so oder so ein wichtiger Typ für die Mannschaft, auch als Vorbild. Aber ich wäre natürlich hoch begeistert, wenn wir das hinkriegen würden", so Heyder. Nachdem in der nächsten Saison von den zwölf Spielern, die pro Spiel eingesetzt werden dürfen, sechs einen deutschen Pass haben müssen, wäre Gavel als Deutscher natürlich noch wertvoller für die Brose Baskets als er das ohnehin schon ist.
Michael Stoschek, der Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Brose-Gruppe und Hauptsponsor der gleichnamigen Basketball-Mannschaft ist, chauffierte Anton Gavel und P.J. Tucker am Sonntagabend nach dem dritten Triumph gegen Ulm persönlich im Porsche-Cabrio zur Meisterfeier auf den Maxplatz. "Noch in dieser Woche werden die Verhandlungen geführt. Ich hoffe und bin auch zuversichtlich, dass die Spieler so viel Freude gehabt haben, hier in Bamberg zu spielen, dass sie noch eine weitere Saison bei uns bleiben werden. Wir müssen auch materiell dafür die Voraussetzungen schaffen, und ich hoffe, das gelingt", äußerte sich Stoschek gestern zum Stand der Dinge. Seiner Meinung nach stünden die Chancen, dass Tucker und Gavel auch nächste Saison das Brose-Trikot tragen, bei "80 Prozent".
Es gibt aber auch Spieler, die den deutschen Ausnahmeklub auf jeden Fall verlassen werden. "Es ist nicht sicher, ob Tibor Pleiß nach Oklahoma geht oder nach Südeuropa, aber er hat uns gesagt, dass er uns auf jeden Fall verlassen wird. Ich traue ihm das zu, dass er den Sprung in die NBA schafft", betonte Heyder gestern.
"Bei Marcus Slaughter ist ja seit März schon bekannt, dass er nach Spanien geht. Er hat selbst getwittert, dass Real Madrid sein neuer Verein ist. Was Peja Suput betrifft, war es ja so, dass er die ganze Saison ziemlich unzufrieden war mit seiner Einsatzzeit. Peja sucht eine neue Herausforderung. Es ist aber auch so, dass wir durch die neue Regelung sechs Ausländer, sechs Deutsche definitiv einen Platz weniger haben", nannte Heyder zwei weitere Akteure, die auf jeden Fall nächste Saison nicht mehr im Team von Trainer Chris Fleming auflaufen werden.
Verträge für die neue Saison haben Casey Jacobsen, Julius Jenkins sowie die beiden Talente Philipp Neumann und Maurice Stuckey.
Zum Zeitrahmen für die Verhandlungen meinte Heyder: "Wir wollen in den nächsten 14 Tagen schon den einen oder anderen Dominostein setzen. Von der einen Entscheidung hängt dann wieder eine andere Entscheidung ab. Nachdem die Saison jetzt eine Woche früher beendet ist als geplant, sind wir auch nicht unter Zeitdruck."
"Anton Gavel und P.J. Tucker sind zwei Spieler, die wir sehr gerne behalten würden. Man muss aber auch sehen, dass wir nicht jedes Budget zur Verfügung haben, das vielleicht nötig ist. Das muss man ganz realistisch sehen", so der Manager weiter.
Auf der Suche nach einem möglichen Ersatz für Tibor Pleiß auf der Centerposition haben die Brose Baskets schon ihre Fühler ausgestreckt: "Was Maik Zirbes betrifft, sind wir in guten Verhandlungen. Aber es gibt schon noch ein paar Punkte, die geklärt werden müssen", betont Heyder das Interesse am Trierer 2,10-Meter-Mann, der in dieser Saison zum besten Nachwuchsspieler der Liga gewählt worden ist.

Fleming plant mit Goldsberry


Ein weiterer Neuer, der ein alter Bekannter ist, steht bereits fest. Trainer Chris Fleming plant für die nächste Saison auf jeden Fall mit der Rückkehr von John Goldsberry. "Ich bin total begeistert von seiner Entwicklung. Er fährt jetzt heim und wird schon ab Mitte Juli hier in Bamberg mit der Vorbereitung beginnen", berichtet Heyder über den langzeitverletzten Spielmacher, der nach seiner starken Vorstellung im Meisterschaftsfinale 2011 gegen Alba Berlin auf Grund seines Knorpelschadens im Knie kein Spiel mehr bestritt, aber heiß darauf ist, wieder ins Geschehen einzusteigen. "Ich bin so stolz auf die Jungs. Sie haben so hart gearbeitet die ganze Saison. Und nächstes Jahr werden wir diesen Erfolg wiederholen", prognostizierte Goldsberry schon am Sonntag unmittelbar nach der ersten Meisterfeier.
Das letzte Wiedersehen mit den Jungs gibt es für die Fans dann am Donnerstag. Ab 16 Uhr wird bei Freibier und Bratwürsten in der Stechert-Arena noch eine Party steigen, bevor sich die Jungs in den wohlverdienten Urlaub verabschieden.

Stimmen zum "Threepeat"


Chris Fleming (Erfolgstrainer): "Die Mannschaft hat sich in dieser Saison unheimlich entwickelt, ist stärker und stärker geworden. Im Nachhinein hat es uns glaube ich sehr geholfen, das Spiel gegen Bonn verloren zu haben. Wir haben danach neun Play-off-Spiele in Folge gewonnen - teilweise auf eine sehr dominante Art und Weise.

Bob Fleming (Vater des Trainers): Das war ein tolles Spiel. Ich wusste, dass wir es gewinnen werden. Am Ende war die Verteidigung hervorragend. Sie haben den Ulmern einige Bälle geklaut und wichtige Würfe getroffen. Ich bin stolz auf Chris.

P.J. Tucker (wertvollster Spieler der Finalserie): Meine Mitspieler sind die besten Kumpels, die es auf der Welt gibt. Wir arbeiten hart zusammen, wir hängen auch mal zusammen ab, wir sind einfach eine tolle Gruppe, wir sind Freunde. Und das zeigt sich auch auf dem Spielfeld.

Casey Jacobsen (Kapitän): Ulm verdient Respekt, das ist eine sehr gute Mannschaft. Isaiah Swann hat ein herausragendes Spiel gemacht. Aber wir haben es in keinem Spiel in den letzten drei Jahren zugelassen, dass uns ein Spieler allein schlägt. Ein Titel in Bamberg, das ist immer ein Erfolg der Mannschaft.

Norbert Sieben (Präsident): Das war purer Wahnsinn. Selbst ein toller Spieler wie Swann schafft es nicht, weil wir als Mannschaft auftreten.

Brian Roberts (Scharfschütze): Das Gefühl ist unglaublich. Ein Teil der Mannschaft zu sein, die in den letzten drei Jahren hier Geschichte geschrieben hat, ist einfach großartig. Unser Motto ist "find a way". Es steht auf unseren T-Shirts, im Umkleideraum - wir finden immer einen Weg zu gewinnen.

Anton Gavel (bester Verteidiger der Liga): Ich bin so froh, dass wir es im ersten Anlauf gleich gepackt haben. Ich muss aber auch den Ulmern Respekt zollen, die eine sehr starke Partie gespielt und uns alles abverlangt haben.

Marcus Slaughter (sprunggewaltiger Center): Das ist ein großartiges Gefühl, die erste Meisterschaft in Bamberg zu gewinnen. Wir haben hart gearbeitet und nie aufgegeben, das war der Schlüssel zum Erfolg.

Karsten Tadda (Jungnationalspieler): Es ist wie jedes Jahr ein unbeschreibliches Gefühl. Als Bamberger ist es natürlich noch viel geiler, das Triple geschafft zu haben.

Tibor Pleiß (Center mit NBA-Perspektive): Die Stimmung hier, da kriegt man einfach eine Gänsehaut. Wie bei jeder Meisterschaft und bei jedem Pokalsieg werde ich erst in zwei, drei Tagen realisieren, was wir wieder geschafft haben.

Arne Woltmann (Assistenztrainer): Es war nicht die klare Angelegenheit wie man vorher hätte denken können. Es war genau das richtige Spiel, um so einen Titel zu gewinnen.

Peja Suput (Routinier): Am Ende braucht auch die beste Mannschaft einfach ein bisschen Glück, um Meisterschaften zu gewinnen. Das ist wie im Leben, Glück gehört dazu.