In souveräner Manier sicherten sich die Brose Baskets erneut den ersten Platz in der Bundesliga-Hauptrunde, genießen deshalb bis zum Finale in allen entscheidenden Spielen Heimvorteil und greifen nach dem Pokalsieg nach dem dritten Double in Folge. Kurz vor dem Start in die Play-offs am nächsten Donnerstag in der Frankenhölle - der Gegner wird erst am Samstagabend ermittelt - zog Bambergs Manager Wolfgang Heyder im Interview Bilanz und blickt auf den Saisonhöhepunkt voraus.

Die Brose Baskets starten wieder als souveräner Hauptrunden-Spitzenreiter in die Play-offs. Wie beurteilen Sie den Saisonverlauf?
Wolfgang Heyder: Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Saison. Es ist nach dem Weggang von Kyle Hines und Rey shawn Terry wieder gelungen, eine kompakte, mental starke und hungrige Mannschaft mit dem viel beschworenen harten Kern zusammen zu stellen, die nicht nur den Pokalsieg, sondern auch den ersten Platz nach der Hauptrunde erreichen konnte. Trotzdem bleibt als keiner Wermutstropfen das denkbar knappe Ausscheiden in der Euroleague, das aus meiner Sicht sicherlich der zu geringen Konkurrenzsituation in der Vorbereitung geschuldet ist. Nichtsdestotrotz sind wir bis zum heutigen Tag sehr zufrieden, denn wir waren Gejagter, jeder hat gegen uns noch einmal 20 Prozent drauf gepackt. Trotzdem stehen wir vorne. Großes Kompliment an alle Beteiligten.

Wie realistisch ist die dritte Meisterschaft in Folge?
Natürlich will die Brose Baskets-Community die Meisterschaft, ich bleibe aber dabei, es gibt etliche harte Konkurrenten - allen voran Alba Berlin, aber auch Bayern München, die Artland Dragons oder das Überraschungsteam aus Ulm. Wichtig wird sein, dass alle gesund bleiben und wir den Fokus in der entscheiden Phase der Saison zu 100 Prozent finden und genauso hungrig zur Sache gehen wie in den letzten Jahren und wie im Laufe dieser Saison.

Wo liegen die Stärken der Mannschaft, wo gibt es noch Verbesserungs-Potenzial?
Mir imponiert ungemein, dass wir immer als Team auftreten, dass jeder Spieler seine unbestritten hohe Qualität in den Dienst der Mannschaft stellt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass in jedem Spiel ein anderer Spieler hervorsticht und dass wir es auch geschafft haben, Verletzungsprobleme problemlos wegzustecken. Entscheidendes Verbesserungspotenzial sehe ich noch in der Verteidigung, wo wir immer wieder das ein oder andere Mal nachgelassen haben. Ich bin aber überzeugt, dass in den Play-offs jeder auch hier wieder an seine Grenzen geht. Denn wir wissen alle, dass das alles kein Selbstläufer ist, sondern wir uns jeden Sieg mit harter Arbeit erkämpfen müssen.

Gibt es einen Wunsch-Gegner fürs Viertelfinale?
Einen Wunschgegner für das Viertelfinale gibt es nicht. Wir können das sowieso nicht beeinflussen, aber die in Frage kommenden Teams Frankfurt, Braunschweig und Bonn haben alle Qualität und heuer schon großartige Leistung gebracht. Ich erinnere nur an unsere Niederlage in Frankfurt, es wäre fatal, jemanden zu unterschätzen.

Die Sponsoren unterschrieben langfristige Verträge, die Halle ist bei jedem Spiel ausverkauft: Aus wirtschaftlicher Sicht läuft also alles bestens.
Natürlich freuen wir uns, dass es im letzten Jahr gelungen ist mit vielen Sponsoren zwei- bzw. dreijährige Verträge zu unterschreiben. Auch die Tatsache, dass wir bei jedem Spiel ausverkauft sind, dass wir 4 300 Dauerkarten haben und auch im Hospitalitybereich so gut wie kein Spielraum mehr besteht, ist extrem erfreulich und unterstreicht die tolle Basketcommunity in unserer Region und die gute Arbeit, die geleistet wurde und wird. Trotzdem prognostiziere ich, dass wir unser Budget noch einmal anheben müssen, wenn wir weiterhin um die Meisterschaft und den Einzug in die Euroleague mitspielen wollen. Durch die Veränderung des Dollarkurses und die drastische Erhöhung der Beiträge zur Berufsgenossenschaft ist es wichtig, hier nochmals die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Uli Hoeneß hat ja vor 14 Tagen erklärt, dass die Bayern nochmal erheblich nachlegen wollen und in der kommenden Saison die Meisterschaft das große Ziel sei. Für uns gilt es, die vorhanden Netzwerke weiter zu aktivieren. Wir sind aber auch in Gesprächen mit einer Agentur, um ein tragfähiges Konzept für eine nationale Sponsorenpartnerschaft an einem Standort wie Bamberg zu entwickeln.

Die herausragenden Leistungen der Bamberger Spieler wecken sicher auch Begehrlichkeiten bei den Topklubs in Europa. Gibt es schon personelle Perspektiven für die neue Saison?
Hier bin ich schon gewaltig hin und her gerissen. Auf der einen Seite freuen wir uns natürlich, dass Kyle Hines, der ja als Newcomer nach Bamberg kam, jetzt in Piräus für Furore sorgt und das Euroleague-Top-4 erreicht hat, dass Tibor Pleiß an der Schwelle zur NBA steht und dass sicher auch die herausragenden Leistungen von anderen Spielern wie P.J. Tucker, Marcus Slaugther, Anton Gavel oder Brian Roberts Begehrlichkeiten wecken. Natürlich werden wir alles tun, einen großen Kern der Mannschaft zusammen zu halten, was ohne Frage eine fast unlösbare Aufgabe darstellt. Dazu kommt, dass durch die zukünftige 6-6 Regel (6 Deutsche/6 Ausländer pro Team, Anm. d. Red.) sich der Markt noch einmal erheblich verschiebt. Die gewaltigen Herausforderungen in den kommenden Monaten sind absehbar, aber wir stellen uns denen extrem positiv, da es ja schon eine große Anerkennung ist, dass die Top-Klubs in Bamberg anklopfen. Dies spricht für die hervorragende Arbeit von Chris Fleming und seinem Trainerteam.

Wie ist der aktuelle Stand in Sachen Trainingshalle ?
Das für mich der große Wermutstropfen, wir sind hier das abgeschlagene Schlusslicht in der Liga. Alle Teams haben inzwischen Trainingshallen bzw. hervorragende Trainingsmöglichkeiten. Wir haben keine Trainingssituation, die diesem Programm auch nur annährend gerecht wird. Die Brose Baskets betreiben das größte Schulprogramm in Deutschland, haben das breiteste Jugendprogramm, haben die meisten Auswahl- und Nationalspieler aller Bundesligisten, aber bekommen von der Stadt Bamberg so gut wie keine Trainingshallen zur Verfügung gestellt. Was mich persönlich ärgert ist, dass im letzten Jahr ca. 30 Gesprächstermine zu diesem Thema stattgefunden haben, die Verantwortlichkeiten aber nur hin und her geschoben werden und mit einer Realisierung in Bamberg in den nächsten zwölf Monaten nicht zu rechnen ist. Die frei werdende US-Halle würde natürlich eine Premiumlösung darstellen, ein Vollzug ist jedoch in den nächsten zweieinhalb Jahren allein aus der rechtlichen Situation nicht möglich. Und dann stellt sich immer noch die Frage, wer die immensen zu erwartenden Betriebskosten übernehmen soll. Wir haben nun unter diesen Umständen eine Alternativlösung mit der Gemeinde Strullendorf besprochen, wo sich eventuell eine langfristige Lösung andeutet, die aber noch nicht komplett spruchreif ist, weil darüber der Gemeinderat entscheiden muss.

Die Fragen stellte Klaus Groh