Vor dem Anpfiff erhielten die Stars von einst im Frankenstadion Beifall, nach dem Abpfiff wurden die Helden von heute mit viel Applaus verabschiedet. Im 1000. Bundesliga-Spiel des 1. FC Nürnberg sicherten sich Alexander Esswein und Dominic Maroh einen Platz in der Vereinschronik des Clubs. Die beiden Torschützen sorgten beim 2:0-Heimsieg über Hertha BSC für ein gelungenes Jubiläum beim fränkischen Traditionsverein und vermasselten Michael Skibbe als neuem Trainer der Berliner das Debüt.

"Für den Verein ist es natürlich wichtig, so ein Spiel zu gewinnen, und ich bin froh, dass ich dazu einen Teil beigetragen habe", freute sich Esswein, der mit seinem Tor zur 1:0-Führung in der 43. Minute den Grundstein für den erfolgreichen Start nach der Winterpause gelegt hatte. Mit dem dritten Heimsieg hat der Club die Hertha in der Tabelle überholt und ist auf den zwölften Platz geklettert.

Vor der Partie hatten Gustav Flachenecker, Stefan Reisch, Karl-Heinz Ferschl, Heini Müller und Richard Albrecht die Ehrungsurkunde der Deutschen Fußball-Liga (DFL) entgegen genommen. Diese fünf standen im ersten Bundesliga-Spiel des Clubs am 24. August 1963 in Berlin in der Startaufstellung. 999 Partien später hieß der Gegner wieder Hertha - doch für Nostalgie war angesichts der prekären Tabellensituation beider Teams kein Platz. "Unterm Strich zählt nur der Sieg. Gerade unter Berücksichtigung der Personalprobleme bin ich sehr zufrieden", lobte FCN-Trainer Dieter Hecking, der auf sechs gesperrte oder verletzte Spieler verzichten musste. Sein Team war in einem Duell zweier mittelmäßiger Mannschaften nicht unbedingt das bessere, aber effektivere.

Erstmals im 4-4-2-System


Obwohl die Nürnberger erstmals mit dem im Trainingslager in der Türkei einstudierten 4-4-2-System mit Tomas Pekhart und Christian Eigler als Sturmspitzen agierten, präsentierten sie sich ähnlich wie vor der Winterpause: konsequent im Spiel gegen, aber meist harmlos im Spiel mit dem Ball. "Sicherlich geht das fußballerisch besser, da sind wir auch kritisch", meinte Hecking, führte die Vielzahl an Fehlpässen aber auch auf die schlechten Platzverhältnisse zurück. Der Boden war aufgrund des nicht enden wollenden Schneeregens am Samstag sehr tief.


Dennoch stand am Ende der sechste Saisonsieg zu Buche, und zum fünften Mal stand hinten die Null, was auch ein Verdienst von Adam Hlousek war. Der tschechische Neuzugang zeigte bei seinem Debüt im Club-Trikot eine starke Leistung, obwohl der Stürmer auf der für ihn ungewohnten Position des linken Außenverteidigers ran musste. Der 23-Jährige hatte bei seinem Team die meisten Ballkontakte, überzeugte in der Defensivarbeit und versuchte auch immer wieder das Spiel nach vorne anzukurbeln. Außerdem - und das vermisst man beim Club seit längerem - sorgte er für gefährliche Standards: Hlousek trat alle Ecken und Freistöße. In der 85. Minute profitierte Maroh von seiner Hereingabe und sorgte für den erlösenden zweiten Treffer, nachdem der 1. FCN zuvor mit Glück und Geschick den Ausgleichstreffer der Hertha abwenden konnte. "Das erste Tor hätte uns eigentlich Sicherheit geben müssen. Aber man hat gemerkt, dass bei uns vor der Winterpause einiges schief gelaufen ist", sagte Maroh. Zusammen mit seinen Teamkollegen hatte sich der Innenverteidiger nach dem Pokal-Aus vor vier Wochen an gleicher Stelle gegen den Nachbarrivalen Greuther Fürth fest vorgenommen, bei den Fans den verlorenen Kredit möglichst schnell zurückzugewinnen.

Lazarett lichtet sich


Das ist den Nürnbergern mit dem verdienten Heimsieg gegen die Hertha, die nun schon seit sieben Spielen ohne Sieg ist, auch gelungen. "Auch wenn nicht alles gepasst hat, das Ergebnis stimmt auf jeden Fall", brachte Hanno Balitsch das Spiel aus Club-Sicht auf den Punkt. Der verletzte Neuzugang fieberte auf der Tribüne mit seinen neuen Teamkollegen mit - und muss das auch am kommenden Freitag noch tun. In Hannover hat Hecking dennoch wieder mehr Alternativen. Per Nilsson und Mike Frantz feierten bereits am Samstag ein Kurz-Comeback, zudem sind Markus Feulner und Juri Judt wieder einsatzbereit.
Der Start ins neue Jahr ist geglückt, das Lazarett lichtet sich - beim Club stieg beim Rückrundenstart die Zuversicht merklich an. "Wir können mit breiter Brust nach Hannover fahren", merkte Torschütze Esswein zufrieden an.

Die Statistik


1. FC Nürnberg - Hertha BSC Berlin 2:0
1. FC Nürnberg:
Schäfer - Hegeler, Wollscheid, Maroh, Hlousek - Cohen, Simons - Didavi (90. Frantz), Esswein - Eigler, Pekhart (82. Bunjaku) /Hertha BSC Berlin: Kraft - Lell (83. Torun), Hubnik, Janker, Kobiaschwili - Ottl, Niemeyer (76. Djuricin) - Ebert, Ronny (46. Ben-Hatira), Ramos - Lasogga / SR: Gagelmann (Bremen) / Zuschauer: 39 117 / Tore: 1:0 Esswein (43.), 2:0 Maroh (85.) / Gelbe Karten: Pekhart (4) - Ebert (4), Niemeyer (3) / Beste Spieler: Wollscheid, Hlousek - Kraft, Ottl